Kapitel 16: Zweiter Teil: Die Sakramente — Die Taufe
Abschnitt 1. Wichtigkeit der Unterweisung über die Taufe — Aus dem, was bisher über die Sakramente im Allgemeinen gesagt wurde, können wir ermessen, wie notwendig es für ein rechtes Verständnis der Lehren des christlichen Glaubens und für die Übung christlicher Frömmigkeit ist, zu wissen, was die katholische Kirche uns über jedes einzelne Sakrament zu glauben vorlegt.
Abschnitt 2. Wer den Apostel sorgfältig liest, wird ohne Zögern zu dem Schluss gelangen, dass eine vollkommene Kenntnis der Taufe den Gläubigen besonders notwendig ist. Denn nicht nur häufig, sondern auch in der eindringlichsten Sprache, in einer Sprache voll des Geistes Gottes, erneuert er die Erinnerung an dieses Geheimnis, verkündet dessen göttlichen Charakter und stellt uns darin den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung unseres Herrn als Gegenstände sowohl unserer Betrachtung als auch unserer Nachahmung vor Augen.
Abschnitt 3. Die Seelsorger können daher niemals meinen, sie hätten genügend Mühe und Aufmerksamkeit auf die Darlegung dieses Sakramentes verwendet. Neben den Vigilien von Ostern und Pfingsten, Tagen, an denen die Kirche dieses Sakrament mit der größten Andacht und besonderer Feierlichkeit zu feiern pflegte, und an denen besonders, gemäß alter Übung, seine göttlichen Geheimnisse erklärt werden sollten, sollten die Seelsorger auch bei anderen Gelegenheiten dieses zum Gegenstand ihrer Unterweisungen machen.
Abschnitt 4. Zu diesem Zweck scheint sich eine äußerst günstige Gelegenheit darzubieten, wann immer ein Seelsorger, der im Begriff ist, dieses Sakrament zu spenden, sich von einer beträchtlichen Anzahl von Gläubigen umgeben findet. Bei solchen Gelegenheiten kann seine Darlegung freilich nicht alles umfassen, was die Taufe betrifft; aber es wird dann viel leichter sein, einen oder zwei Punkte zu entwickeln, wenn die Gläubigen
Abschnitt 5. mit frommem und aufmerksamem Geist die Bedeutung der Dinge betrachten können, die sie hören, und sie zugleich durch die heiligen Zeremonien der Taufe veranschaulicht sehen. Jeder einzelne, der im Empfänger der Taufe eine Lehre der Ermahnung für sich selbst liest, wird sich der Versprechen erinnern, durch die er sich bei seiner Taufe an Gott gebunden hat, und wird darüber nachdenken, ob sein Leben und Wandel dem entsprochen haben, was das Bekenntnis des Christentums verheißt.
Abschnitt 6. Namen dieses Sakramentes — Damit die Behandlung des Gegenstandes klar sei, müssen wir das Wesen und die Substanz der Taufe erklären, wobei jedoch zuvor eine Erläuterung des Wortes selbst vorangestellt werden soll.
Abschnitt 7. Das Wort Taufe ist, wie allgemein bekannt, griechischen Ursprungs. Obwohl es in der Heiligen Schrift verwendet wird, um nicht nur jene Abwaschung zu bezeichnen, die Teil des Sakramentes ist, sondern auch jede Art von Waschung, und bisweilen im übertragenen Sinne Leiden auszudrücken, wird es von kirchlichen Schriftstellern doch nicht für jede Art von körperlicher Waschung gebraucht, sondern nur für jene, die Teil des Sakramentes ist und mit der vorgeschriebenen Wortformel gespendet wird. In diesem Sinne verwenden die Apostel das Wort sehr häufig gemäß der Einsetzung Christi des Herrn.
Abschnitt 8. Dieses Sakrament bezeichnen die heiligen Väter auch mit anderen Namen. Der heilige Augustinus berichtet uns, dass es bisweilen das Sakrament des Glaubens genannt wurde, weil wir durch seinen Empfang unseren Glauben an alle Lehren des Christentums bekennen.
Abschnitt 9. Von anderen wurde es Erleuchtung genannt, weil durch den Glauben, den wir in der Taufe bekennen, das Herz erleuchtet wird; denn wie auch der Apostel sagt, auf die Zeit der Taufe anspielend: Erinnert euch an die früheren Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuchtet worden wart, einen großen Kampf der Leiden erduldet habt. Chrysostomus nennt es in seiner Predigt an die Getauften eine Reinigung, weil wir durch sie den alten Sauerteig ausfegen, um ein neuer Teig zu werden. Er nennt es auch ein Begräbnis, eine Einpflanzung und das Kreuz Christi; die Gründe für alle diese Bezeichnungen können aus dem Brief an die Römer entnommen werden.
Abschnitt 10. Der heilige Dionysius nennt es den Anfang der heiligsten Gebote, und zwar aus dem offensichtlichen Grunde, dass die Taufe gleichsam das Tor ist, durch das wir in die Gemeinschaft des christlichen Lebens eintreten und von da an beginnen, die Gebote zu befolgen. So viel sollte kurz über den Namen dieses Sakramentes erklärt werden.
Abschnitt 11. Definition der Taufe — Was die Definition der Taufe betrifft, so lassen sich zwar viele aus den heiligen Schriftstellern anführen, doch scheint jene am treffendsten und geeignetsten, die aus den Worten unseres Herrn bei Johannes und des Apostels im Epheserbrief gewonnen werden kann. Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, so spricht unser Herr, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen; und über die Kirche sagt der Apostel: indem er sie reinigte durch das Bad des Wassers im Worte des Lebens. Daraus folgt, dass die Taufe richtig und genau definiert werden kann als: Das Sakrament der Wiedergeburt durch das Wasser im Worte. Von Natur aus werden wir als Nachkommen Adams als Kinder des Zornes geboren, aber durch die Taufe werden wir in Christus wiedergeboren als Kinder der Barmherzigkeit. Denn er gab den Menschen die Macht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blute, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Abschnitt 12. Wesentliche Bestandteile der Taufe — Wie auch immer wir die Taufe definieren mögen, die Gläubigen sind darüber zu belehren, dass dieses Sakrament aus der Abwaschung besteht, die gemäß der Einsetzung unseres Herrn notwendigerweise von bestimmten feierlichen Worten begleitet sein muss. Dies ist die einhellige Lehre der heiligen Väter, wie durch das folgende überaus deutliche Zeugnis des heiligen Augustinus bewiesen wird: Das Wort tritt zum Element hinzu, und es wird ein Sakrament.
Abschnitt 13. Es ist umso notwendiger, dies den Gläubigen einzuprägen, damit sie nicht in den verbreiteten Irrtum verfallen zu meinen, dass das im heiligen Taufbecken aufbewahrte Taufwasser schon das Sakrament ausmache. Das Sakrament der Taufe kann nur dann als bestehend bezeichnet werden, wenn wir tatsächlich jemandem das Wasser durch Abwaschung zuführen und dabei die von unserem Herrn bestimmten Worte sprechen.
Abschnitt 14. Materie der Taufe — Da wir oben bei der Behandlung der Sakramente im Allgemeinen gesagt haben, dass jedes Sakrament aus Materie und Form besteht, ist es daher notwendig, dass die Seelsorger darlegen, was bei der Taufe jeweils die Materie und die Form ausmacht. Die Materie oder das Element dieses Sakramentes ist jede Art von natürlichem Wasser, das einfach und ohne Einschränkung gemeinhin Wasser genannt wird, sei es Meerwasser, Flusswasser, Wasser aus einem Teich, einem Brunnen oder einer Quelle.
Abschnitt 15. Zeugnis der Heiligen Schrift bezüglich der Materie der Taufe — Denn der Erlöser hat gelehrt, dass, wenn jemand nicht von neuem aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste geboren wird, er nicht in das Reich Gottes eingehen kann. Der Apostel sagt auch, dass die Kirche gereinigt wurde durch das Bad des Wassers; und im Brief des heiligen Johannes lesen wir diese Worte: Drei sind es, die Zeugnis geben auf Erden: der Geist und das Wasser und das Blut. Die Schrift bietet weitere Belege, die dieselbe Wahrheit bestätigen.
Abschnitt 16. Wenn jedoch Johannes der Täufer sagt, dass der Herr kommen werde, der im Heiligen Geist und im Feuer taufen wird, so ist das keineswegs auf die Materie der Taufe zu beziehen, sondern sollte entweder auf das innere Wirken des Heiligen Geistes bezogen werden, oder zumindest auf das Wunder, das am Pfingsttag geschah, als der Heilige Geist in Gestalt von Feuer auf die Apostel herabkam, wie von Christus unserem Herrn in diesen Worten vorhergesagt wurde: Johannes hat zwar mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden, nicht viele Tage nach diesem.
Abschnitt 17. Vorbilder — Dasselbe wurde vom Herrn auch durch Vorbilder und durch Prophezeiungen angedeutet, wie wir aus der Heiligen Schrift wissen. Gemäß dem Fürsten der Apostel in seinem ersten Brief war die Sintflut, die die Welt reinigte, weil die Bosheit der Menschen groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens allzeit nur böse war, ein Vorbild und Abbild dieses Wassers. Um die Reinigung Naamans des Syrers und die wunderbare Kraft des Teiches von Bethesda und viele ähnliche Vorbilder, die offenkundig symbolisch für dieses Geheimnis stehen, zu übergehen: Der Durchzug durch das Rote Meer war nach dem heiligen Paulus in seinem Brief an die Korinther ebenfalls ein Vorbild dieses selben Wassers.
Abschnitt 18. Prophezeiungen — Was die Vorhersagen betrifft, so waren die Wasser, zu denen der Prophet Jesaja alle, die dürsten, so eindringlich einlädt, und jene, die Ezechiel im Geiste aus dem Tempel fließen sah, und auch der Quell, den Sacharja voraussah, offen dem Hause David und den Einwohnern Jerusalems zur Reinigung des Sünders und der Unreinen, ohne Zweifel dazu bestimmt, die heilbringenden Wasser der Taufe anzuzeigen und auszudrücken.
Abschnitt 19. Angemessenheit — Die Angemessenheit, das Wasser zur Materie der Taufe zu bestimmen, deren Natur und Wirksamkeit es zugleich ausdrückt, beweist der heilige Hieronymus in seinem Brief an Oceanus mit vielen Argumenten.
Abschnitt 20. Zu diesem Thema können die Seelsorger erstens lehren, dass das Wasser, das immer zur Hand und für alle erreichbar ist, die geeignetste Materie für ein Sakrament war, das allen zum Heile notwendig ist. Zweitens ist das Wasser am besten geeignet, die Wirkung der Taufe zu bezeichnen. Es wäscht Unreinheit ab und ist daher ein treffendes Sinnbild der Kraft und Wirksamkeit der Taufe, die die Flecken der Sünde abwäscht. Wir können auch hinzufügen, dass die Taufe, wie das Wasser den Körper kühlt, in hohem Maße das Feuer der Begierlichkeit auslöscht.
Abschnitt 21. Chrisam zum Wasser bei der feierlichen Taufe hinzugefügt — Es ist jedoch zu beachten, dass, während im Notfall einfaches, mit keinem anderen Stoff vermischtes Wasser als Materie dieses Sakramentes genügt, die katholische Kirche, geleitet von apostolischer Überlieferung, bei öffentlicher Spendung der Taufe mit feierlichen Zeremonien stets die Beigabe von heiligem Chrisam beibehalten hat, der, wie ersichtlich, die Wirkung der Taufe vollständiger bezeichnet. Das Volk soll auch belehrt werden, dass, obwohl es bisweilen zweifelhaft sein mag, ob dieses oder jenes Wasser echt sei, wie es die Vollkommenheit des Sakramentes erfordert, es niemals zweifelhaft sein kann, dass die einzige Materie, aus der das Sakrament der Taufe gebildet werden kann, natürliches Wasser ist.
Abschnitt 22. Form der Taufe — Nachdem die Materie, die einer der beiden Teile ist, aus denen die Taufe besteht, sorgfältig erklärt wurde, müssen die Seelsorger gleichen Fleiß auf die Erklärung der Form verwenden, die der andere wesentliche Teil ist. Bei der Erklärung dieses Sakramentes ergibt sich eine Notwendigkeit zu vermehrter Sorgfalt und vermehrtem Studium, wie die Seelsorger erkennen werden, aus dem Umstand, dass die Kenntnis eines so heiligen Geheimnisses den Gläubigen nicht nur an sich eine Quelle der Freude ist, wie es bei religiösem Wissen gewöhnlich der Fall ist, sondern auch für den beinahe täglichen praktischen Gebrauch höchst wünschenswert. Wie wir an seinem Ort erklären werden, ergeben sich häufig Umstände, unter denen die Taufe von Laien gespendet werden muss, und zwar meistens von Frauen; und es wird daher notwendig, alle Gläubigen ohne Unterschied mit allem wohl vertraut zu machen, was das Wesen dieses Sakramentes betrifft.
Abschnitt 23. Worte der Form — Die Seelsorger sollen daher in klarer, eindeutiger, jedem Verständnis zugänglicher Sprache lehren, dass die wahre und wesentliche Form der Taufe lautet: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Denn so wurde es von unserem Herrn und Erlöser überliefert, als er, wie wir bei Matthäus lesen, seinen Aposteln den Auftrag gab: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Abschnitt 24. Durch das Wort taufen hat die katholische Kirche, von oben belehrt, mit höchstem Recht verstanden, dass die Form des Sakramentes die Handlung des Spenders ausdrücken soll; und dies geschieht, wenn er die Worte spricht: Ich taufe dich.
Abschnitt 25. Neben dem Spender des Sakramentes sollten auch die zu taufende Person und die hauptsächliche Wirkursache der Taufe genannt werden. Das Fürwort dich und die unterscheidenden Namen der göttlichen Personen werden daher hinzugefügt. So wird die vollständige Form des Sakramentes in den bereits genannten Worten ausgedrückt: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Abschnitt 26. Die Taufe ist nicht das Werk des Sohnes allein, von dem der heilige Johannes sagt: Er ist es, der tauft, sondern aller drei Personen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zusammen. Indem wir jedoch im Namen sagen, nicht in den Namen, erklären wir deutlich, dass in der Dreifaltigkeit nur eine Natur und Gottheit ist. Das Wort Name bezieht sich hier nicht auf die Personen, sondern auf das göttliche Wesen, die Kraft und Macht, die in drei Personen ein und dieselbe ist.
Abschnitt 27. Wesentliche und nicht-wesentliche Worte der Form — Es ist jedoch zu beachten, dass von den Worten, die in dieser Form enthalten sind, welche wir als die vollständige und vollkommene dargelegt haben, einige unbedingt notwendig sind, so dass ihre Auslassung die gültige Spendung des Sakramentes unmöglich macht; während andere hingegen nicht so wesentlich sind, dass sie die Gültigkeit berühren.
Abschnitt 28. Von letzterer Art ist das Wort ego (ich), dessen Bedeutung im Wort baptizo (ich taufe) eingeschlossen ist. Ja mehr noch, die griechische Kirche, die eine andere Weise der Formgebung annahm und der Meinung war, dass es unnötig sei, den Spender zu erwähnen, lässt das Fürwort ganz weg. Die in der griechischen Kirche allgemein gebräuchliche Form lautet: Es werde dieser Diener Christi getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Es ergibt sich jedoch aus der Entscheidung und Definition des Konzils von Florenz, dass diejenigen, die diese Form verwenden, das Sakrament gültig spenden, weil die Worte hinreichend ausdrücken, was für die Gültigkeit der Taufe wesentlich ist, nämlich die Abwaschung, die dann stattfindet.
Abschnitt 29. Taufe im Namen Christi — Wenn die Apostel bisweilen nur im Namen des Herrn Jesus Christus getauft haben, so können wir sicher sein, dass sie dies auf Eingebung des Heiligen Geistes taten, um in der Anfangszeit der Kirche ihre Verkündigung durch den Namen Jesu Christi berühmter zu machen und seine göttliche und unendliche Macht wirksamer zu verkünden. Wenn wir die Sache jedoch genauer prüfen, werden wir feststellen, dass eine solche Form nichts von dem auslässt, was der Erlöser selbst zu beachten gebietet; denn wer Jesus Christus nennt, meint damit die Person des Vaters, von dem, und die des Heiligen Geistes, in dem er gesalbt wurde.
Abschnitt 30. Und dennoch erscheint der Gebrauch dieser Form durch die Apostel eher zweifelhaft, wenn wir die Meinungen von Ambrosius und Basilius annehmen, heiliger Väter, die durch Heiligkeit und Autorität hervorragen, die unter der Taufe im Namen Jesu Christi die von Christus unserem Herrn eingesetzte Taufe verstehen, im Unterschied zu jener des Johannes, und die sagen, dass die Apostel von der gewöhnlichen und üblichen Form, die die unterschiedlichen Namen der drei Personen umfasst, nicht abgewichen sind. Auch Paulus scheint sich in seinem Brief an die Galater in ähnlicher Weise ausgedrückt zu haben, wenn er sagt: Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen, womit er meint, dass sie im Glauben an Christus getauft wurden, aber mit keiner anderen Form als jener, die derselbe Erlöser unser Herr zu beachten geboten hatte.
Abschnitt 31. Spendung der Taufe — Was über die Materie und Form gesagt wurde, die für das Wesen des Sakramentes erforderlich sind, wird für die Unterweisung der Gläubigen als hinreichend befunden werden; da aber bei der Spendung des Sakramentes auch die rechtmäßige Weise der Abwaschung beachtet werden soll, sollten die Seelsorger auch die Lehre über diesen Punkt darlegen.
Abschnitt 32. Sie sollen kurz erklären, dass nach dem allgemeinen Brauch und der Praxis der Kirche die Taufe auf drei Weisen gespendet werden kann — durch Untertauchen, Übergießen oder Besprengen.
Abschnitt 33. Welcher dieser Riten auch beachtet werde, wir müssen glauben, dass die Taufe recht gespendet wird. Denn bei der Taufe wird Wasser verwendet, um die geistliche Abwaschung zu bezeichnen, die sie bewirkt, und aus diesem Grunde wird die Taufe vom Apostel ein Bad genannt. Nun wird diese Abwaschung durch Untertauchen, das für beträchtliche Zeit die Praxis in den frühen Zeiten der Kirche war, nicht wirklicher vollzogen als durch Übergießen, das wir jetzt im allgemeinen Gebrauch sehen, oder durch Besprengen, von dem es Grund gibt anzunehmen, dass es die Weise war, in der Petrus taufte, als er an einem Tag etwa dreitausend Seelen bekehrte und die Taufe spendete.
Abschnitt 34. Es ist gleichgültig, ob die Abwaschung einmal oder dreimal vollzogen wird. Denn es ist aus dem Brief des heiligen Gregor des Großen an Leander ersichtlich, dass die Taufe früher gültig gespendet wurde und noch immer in der Kirche auf beide Weisen gültig gespendet werden kann. Die Gläubigen sollen jedoch der Praxis der jeweiligen Kirche folgen, der sie angehören.
Abschnitt 35. Die Seelsorger sollen besonders darauf achten, dass die Taufabwaschung nicht gleichgültig auf irgendeinen Körperteil angewandt wird, sondern hauptsächlich auf das Haupt, das der Sitz aller inneren und äußeren Sinne ist; und auch, dass derjenige, der tauft, die sakramentalen Worte, die die Form bilden, nicht vor oder nach, sondern während der Abwaschung aussprechen soll.
Abschnitt 36. Einsetzung der Taufe — Wenn diese Dinge erklärt worden sind, wird es auch zweckmäßig sein, die Gläubigen zu lehren und daran zu erinnern, dass die Taufe, wie die übrigen Sakramente, von Christus dem Herrn eingesetzt wurde. Zu diesem Thema soll der Seelsorger häufig lehren und darauf hinweisen, dass es zwei verschiedene Zeitpunkte gibt, die sich auf die Taufe beziehen — den einen der Einsetzung durch den Erlöser; den anderen der Festlegung des Gesetzes bezüglich ihres Empfangs.
Abschnitt 37. Die Taufe wurde bei der Taufe Christi eingesetzt — Was den ersteren betrifft, so ist klar, dass dieses Sakrament von unserem Herrn eingesetzt wurde, als er, von Johannes getauft, dem Wasser die Kraft der Heiligung verlieh. Der heilige Gregor von Nazianz und der heilige Augustinus bezeugen, dass dem Wasser damals die Kraft der Wiedergeburt zum geistlichen Leben verliehen wurde. An anderer Stelle sagt der heilige Augustinus: Von dem Augenblick an, da Christus ins Wasser getaucht wird, wäscht das Wasser alle Sünden ab. Und wiederum: Der Herr wird getauft, nicht weil er der Reinigung bedurfte, sondern damit er durch die Berührung seines reinen Fleisches das Wasser reinige und ihm die Kraft der Reinigung verleihe.
Abschnitt 38. Ein sehr starkes Argument zum Beweis, dass die Taufe damals von unserem Herrn eingesetzt wurde, könnte die Tatsache liefern, dass die Allerheiligste Dreifaltigkeit, in deren Namen die Taufe gespendet wird, bei dieser Gelegenheit ihre göttliche Gegenwart kundtat. Die Stimme des Vaters wurde gehört, die Person des Sohnes war gegenwärtig, der Heilige Geist stieg in Gestalt einer Taube herab; und die Himmel, in die wir durch die Taufe einzugehen befähigt werden, wurden aufgetan.
Abschnitt 39. Sollte jemand wissen wollen, wie unser Herr das Wasser mit einer so großen, so göttlichen Kraft ausgestattet hat, so übersteigt dies freilich das Vermögen des menschlichen Verstandes. Doch so viel können wir wissen, dass, als unser Herr getauft wurde, das Wasser durch die Berührung mit seinem heiligsten und reinsten Leib zum heilbringenden Gebrauch der Taufe geweiht wurde, jedoch so, dass wir glauben müssen, dass dieses Sakrament, obwohl vor dem Leiden eingesetzt, all seine Kraft und Wirksamkeit vom Leiden herleitet, das gleichsam die Vollendung aller Handlungen Christi ist.
Abschnitt 40. Die Taufe wurde nach der Auferstehung Christi verpflichtend — Der zweite zu unterscheidende Zeitpunkt, nämlich die Zeit, zu der das Gesetz der Taufe erlassen wurde, lässt ebenfalls keinen Zweifel zu. Die heiligen Schriftsteller sind einmütig in der Aussage, dass nach der Auferstehung unseres Herrn, als er seinen Aposteln den Befehl gab, hinzugehen und alle Völker zu lehren und sie zu taufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, das Gesetz der Taufe für alle verbindlich wurde, die gerettet werden sollen.
Abschnitt 41. Dies wird aus der Autorität des Apostelfürsten geschlossen, wenn er sagt: Der uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten; und auch aus dem, was Paulus über die Kirche sagt: Er hat sich selbst für sie hingegeben, um sie zu heiligen, indem er sie reinigte durch das Bad des Wassers im Worte des Lebens. Von beiden Aposteln scheint die Verpflichtung zur Taufe auf die Zeit nach dem Tod unseres Herrn bezogen zu werden. Daher können wir keinen Zweifel daran haben, dass die Worte des Erlösers: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen, sich ebenfalls auf dieselbe Zeit beziehen, die nach seinem Leiden folgen sollte.
Abschnitt 42. Betrachtung — Wenn also die Seelsorger diese Wahrheiten genau darlegen, kann kein Zweifel bestehen, dass die Gläubigen die hohe Würde dieses Sakramentes erkennen und es mit der tiefsten Frömmigkeit verehren werden, besonders wenn sie bedenken, dass jeder von ihnen in der Taufe durch das innere Wirken des Heiligen Geistes dieselben herrlichen und überreichlichen Gaben empfängt, die bei der Taufe Christi des Herrn so eindrucksvoll durch Wunder offenbart wurden.
Abschnitt 43. Wären unsere Augen wie die des Dieners des Elischa geöffnet, um himmlische Dinge zu sehen — wer könnte so verstandlos sein, nicht in staunende Bewunderung über die göttlichen Geheimnisse der Taufe zu geraten! Wenn also die Reichtümer dieses Sakramentes den Gläubigen vom Seelsorger so dargelegt werden, dass sie sie, wenn nicht mit den Augen des Leibes, so doch mit denen der Seele, erleuchtet vom Licht des Glaubens, zu erblicken vermögen, dürfen wir dann nicht ähnliche Ergebnisse erwarten?
Abschnitt 44. Die Spender der Taufe — Sodann erscheint es nicht nur zweckmäßig, sondern notwendig, zu sagen, wer die Spender dieses Sakramentes sind; sowohl damit diejenigen, denen dieses Amt besonders anvertraut ist, sich bemühen, seine Aufgaben fromm und heilig zu erfüllen, als auch damit niemand, gleichsam seine ihm gesetzten Grenzen überschreitend, sich unpassend dessen bemächtige oder anmaßend beanspruche, was einem anderen zusteht; denn wie der Apostel lehrt, soll in allen Dingen Ordnung gehalten werden.
Abschnitt 45. Bischöfe und Priester als ordentliche Spender — Die Gläubigen sind daher darüber zu unterrichten, dass es unter den Spendern der Taufe drei Abstufungen gibt. Bischöfe und Priester nehmen den ersten Platz ein. Ihnen obliegt die Spendung dieses Sakramentes nicht kraft einer außerordentlichen Vollmachtsübertragung, sondern kraft ihres Amtes; denn an sie, in der Person der Apostel, war das Gebot unseres Herrn gerichtet: Gehet hin und taufet. Die Bischöfe haben zwar, um die gewichtigere Aufgabe der Belehrung der Gläubigen nicht zu vernachlässigen, seine Spendung gewöhnlich den Priestern überlassen. Doch die Autorität der Väter und der Brauch der Kirche beweisen, dass die Priester diese Aufgabe kraft eigenen Rechtes ausüben, so sehr, dass sie sogar in Gegenwart des Bischofs taufen dürfen. Da sie zur Konsekration der Heiligen Eucharistie, des Sakramentes des Friedens und der Einheit, geweiht sind, war es angemessen, dass sie mit der Vollmacht ausgestattet wurden, alles das zu spenden, was erforderlich ist, um andere zur Teilhabe an jenem Frieden und jener Einheit zu befähigen. Wenn daher die Väter bisweilen gesagt haben, dass der Priester ohne Erlaubnis des Bischofs nicht das Recht habe zu taufen, so ist dies nur von jener Taufe zu verstehen, die an bestimmten Tagen des Jahres mit feierlichen Zeremonien gespendet wurde.
Abschnitt 46. Diakone als außerordentliche Spender der Taufe — An nächster Stelle unter den Spendern stehen die Diakone, denen es, wie zahlreiche Erlasse der heiligen Väter bezeugen, ohne Erlaubnis des Bischofs oder Priesters nicht gestattet ist, dieses Sakrament zu spenden.
Abschnitt 47. Spender im Notfall — Diejenigen, die die Taufe im Notfall spenden dürfen, jedoch ohne ihre feierlichen Zeremonien, nehmen den letzten Platz ein; und zu dieser Gruppe gehören alle, auch die Laien, Männer und Frauen, welcher Glaubensgemeinschaft sie auch angehören mögen. Dieses Amt erstreckt sich im Notfall sogar auf Juden, Ungläubige und Häretiker, vorausgesetzt jedoch, dass sie die Absicht haben, das zu tun, was die katholische Kirche in diesem Akt ihres Dienstes tut. Dies wurde durch viele Dekrete der alten Väter und Konzilien festgelegt; und das heilige Konzil von Trient spricht das Anathema über jene aus, die es wagen zu behaupten, dass die Taufe, selbst wenn sie von Häretikern gespendet wird, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, mit der Absicht, zu tun, was die Kirche tut, keine wahre Taufe sei.
Abschnitt 48. Und hier lasst uns in der Tat die höchste Güte und Weisheit unseres Herrn bewundern. Da er die Notwendigkeit dieses Sakramentes für alle sah, setzte er nicht nur das Wasser, das allgemein verfügbarer ist als alles andere, als seine Materie ein, sondern legte auch seine Spendung in die Macht aller. Bei seiner Spendung jedoch ist es, wie wir schon bemerkt haben, nicht allen gestattet, die feierlichen Zeremonien zu gebrauchen; nicht weil die Riten und Zeremonien von höherer Würde wären, sondern weil sie weniger notwendig sind als das Sakrament.
Abschnitt 49. Die Gläubigen sollen jedoch nicht meinen, dass dieses Amt unterschiedslos allen übertragen sei, so dass die Schicklichkeit einer gewissen Rangordnung unter seinen Spendern aufgehoben wäre. Wenn ein Mann anwesend ist, soll eine Frau nicht taufen; ein Geistlicher hat Vorrang vor einem Laien, und ein Priester vor einem einfachen Geistlichen. Hebammen jedoch, die an die Spendung gewöhnt sind, soll man nicht tadeln, wenn sie bisweilen, wenn ein Mann anwesend ist, der mit der Weise der Spendung nicht vertraut ist, das vollziehen, was sonst eher den Männern zukommt.
Abschnitt 50. Die Paten bei der Taufe — Neben den Spendern, die, wie soeben erklärt, die Taufe spenden, wird nach uraltem Brauch der Kirche eine weitere Gruppe von Personen zugelassen, um am Taufbecken mitzuwirken. In früheren Zeiten wurden diese von heiligen Schriftstellern gewöhnlich Empfänger, Bürgen oder Gewährsleute genannt und werden heute Taufpaten genannt. Da dies ein Amt ist, das fast alle Laien betrifft, sollen die Seelsorger es sorgfältig erklären, damit die Gläubigen verstehen, was für seine rechte Ausübung hauptsächlich erforderlich ist.
Abschnitt 51. Warum Paten bei der Taufe erforderlich sind — Zunächst soll erklärt werden, warum bei der Taufe neben den Spendern des Sakramentes auch Taufpaten und Bürgen erforderlich sind. Die Angemessenheit dieser Praxis wird sofort jedem einleuchten, der bedenkt, dass die Taufe eine geistliche Wiedergeburt ist, durch die wir als Kinder Gottes geboren werden; denn von ihr sagt der heilige Petrus: Verlanget als neugeborene Kinder nach der vernünftigen, unverfälschten Milch. Wie daher jeder nach seiner Geburt eine Amme und einen Lehrmeister braucht, durch deren Hilfe und Fürsorge er aufgezogen und zu Bildung und nützlichem Wissen herangebildet wird, so sollen diejenigen, die durch die Wasser der Taufe ein geistliches Leben beginnen, der Treue und Klugheit jemandes anvertraut werden, von dem sie die Vorschriften der christlichen Religion aufnehmen und in aller Heiligkeit erzogen werden können, und so allmählich in Christus heranwachsen, bis sie mit der Hilfe des Herrn schließlich zum vollkommenen Mannesalter gelangen.
Abschnitt 52. Diese Notwendigkeit muss noch zwingender erscheinen, wenn wir bedenken, dass die Seelsorger, die mit der öffentlichen Sorge für die Pfarreien betraut sind, nicht genügend Zeit haben, um den privaten Unterricht der Kinder in den Anfangsgründen des Glaubens zu übernehmen.
Abschnitt 53. Alter dieser Satzung — Über diese sehr alte Übung haben wir das bemerkenswerte Zeugnis des heiligen Dionysius: Es kam unseren göttlichen Führern (so nannte er die Apostel) in den Sinn, und sie ordneten in ihrer Weisheit an, dass die Kinder auf diese heilige Weise in die Kirche eingeführt werden sollten, dass ihre leiblichen Eltern sie der Obhut eines in göttlichen Dingen wohlbewanderten Menschen übergeben sollten, gleichsam einem Meister, unter dem das Kind als geistlicher Vater und Hüter seines Heils in Heiligkeit den Rest seines Lebens verbringen sollte. Dieselbe Lehre wird durch die Autorität des Hyginus bestätigt.
Abschnitt 54. Geistliche Verwandtschaft durch die Paten — Die Kirche hat daher in ihrer Weisheit angeordnet, dass nicht nur der Taufspender eine geistliche Verwandtschaft mit dem Getauften eingeht, sondern auch der Pate mit dem Patenkind und dessen leiblichen Eltern, so dass zwischen all diesen eine Ehe nicht rechtmäßig geschlossen werden kann, und wenn sie geschlossen wird, nichtig und ungültig ist.
Abschnitt 55. Pflichten der Paten — Die Gläubigen sollen auch über die Pflicht der Paten belehrt werden; denn solcher Art ist die Nachlässigkeit, mit der dieses Amt in der Kirche behandelt wird, dass nur noch der bloße Name der Aufgabe übrig bleibt, während niemand auch nur die geringste Vorstellung von ihrer Heiligkeit zu haben scheint. Alle Paten sollen daher allezeit bedenken, dass sie durch dieses Gesetz streng verpflichtet sind, über ihre geistlichen Kinder eine beständige Wachsamkeit auszuüben und sie sorgfältig in den Grundsätzen eines christlichen Lebens zu unterweisen, damit diese sich ihr ganzes Leben hindurch als das erweisen, was ihre Paten bei der feierlichen Zeremonie versprochen haben.
Abschnitt 56. Zu diesem Thema lasst uns die Worte des heiligen Dionysius hören. In der Person des Paten sprechend sagt er: Ich verspreche, durch meine beständigen Ermahnungen dieses Kind, wenn es zur Erkenntnis der Religion gelangt, dazu zu bewegen, allem zu entsagen, was seiner christlichen Berufung entgegensteht, und die heiligen Versprechen, die es jetzt ablegt, zu bekennen und zu erfüllen.
Abschnitt 57. Der heilige Augustinus sagt auch: Vor allem ermahne ich euch, Männer und Frauen, die ihr durch die Taufe Patenkinder erworben habt, zu bedenken, dass ihr vor Gott als Bürgen für diejenigen eingetreten seid, die ihr am heiligen Taufbecken empfangen habt. In der Tat ziemt es sich in höchstem Maße, dass jeder Mensch, der ein Amt übernimmt, bei der Erfüllung seiner Pflichten unermüdlich sei; und wer versprochen hat, Lehrer und Hüter eines anderen zu sein, soll niemals zulassen, dass derjenige verlassen werde, den er einst unter seinen Schutz und Schirm genommen hat, solange er weiß, dass dieser seiner bedarf.
Abschnitt 58. Über dieselbe Pflicht der Paten sprechend, fasst der heilige Augustinus in wenigen Worten die Unterweisungen zusammen, die sie ihren geistlichen Kindern zu vermitteln verpflichtet sind. Sie sollen, sagt er, sie ermahnen, die Keuschheit zu bewahren, die Gerechtigkeit zu lieben, an der Nächstenliebe festzuhalten; und vor allem sollen sie sie das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, die Zehn Gebote und die Anfangsgründe der christlichen Religion lehren.
Abschnitt 59. Wer nicht Pate sein darf — Es ist daher leicht zu entscheiden, wer zu dieser heiligen Vormundschaft nicht zugelassen werden darf, nämlich diejenigen, die nicht willens sind, ihre Pflichten treu zu erfüllen, oder die es nicht mit Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit tun können.
Abschnitt 60. Daher sind neben den leiblichen Eltern, die, um den großen Unterschied zwischen dieser geistlichen und der fleischlichen Erziehung der Jugend zu kennzeichnen, dieses Amt nicht übernehmen dürfen, Häretiker, Juden und Ungläubige unter keinen Umständen zu diesem Amt zuzulassen, da ihre Gedanken und Bemühungen beständig darauf gerichtet sind, den wahren Glauben durch Falschheit zu verdunkeln und alle christliche Frömmigkeit zu untergraben.
Abschnitt 61. Anzahl der Paten — Die Zahl der Paten ist durch das Konzil von Trient auf einen Paten oder eine Patin oder höchstens einen Paten und eine Patin beschränkt worden; denn eine Vielzahl von Lehrern könnte die Ordnung der Zucht und des Unterrichts verwirren, und auch weil es notwendig war, die Vervielfachung der Verwandtschaftsverhältnisse zu verhindern, die eine weitere Verbreitung der Gesellschaft durch rechtmäßige Eheschließung behindern würde.
Abschnitt 62. Notwendigkeit der Taufe — Wenn die Kenntnis dessen, was bisher erklärt wurde, von höchster Wichtigkeit für die Gläubigen ist, so ist es nicht weniger wichtig für sie zu erfahren, dass das Gesetz der Taufe, wie es von unserem Herrn festgelegt wurde, sich auf alle erstreckt, so dass sie, wenn sie nicht durch die Gnade der Taufe für Gott wiedergeboren werden, seien ihre Eltern Christen oder Ungläubige, zu ewigem Elend und Verderben geboren werden. Die Seelsorger sollen daher häufig diese Worte des Evangeliums erklären: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.
Abschnitt 63. Kindertaufe: Ihre Notwendigkeit — Dass sich dieses Gesetz nicht nur auf Erwachsene, sondern auch auf Säuglinge und Kinder erstreckt, und dass die Kirche dies aus apostolischer Überlieferung empfangen hat, wird durch die einmütige Lehre und Autorität der Väter bestätigt.
Abschnitt 64. Außerdem ist nicht anzunehmen, dass Christus der Herr den Kindern das Sakrament und die Gnade der Taufe vorenthalten hätte, von denen er sagte: Lasset die Kleinen zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Himmelreich; die er auch umarmte, denen er die Hände auflegte und die er segnete.
Abschnitt 65. Wenn wir ferner lesen, dass eine ganze Familie von Paulus getauft wurde, so ist hinreichend offensichtlich, dass auch die Kinder der Familie im heilbringenden Taufbecken gereinigt worden sein müssen.
Abschnitt 66. Auch die Beschneidung, die ein Vorbild der Taufe war, liefert ein starkes Argument zum Beweis dieser Praxis. Dass Kinder am achten Tag beschnitten wurden, ist allgemein bekannt. Wenn also die Beschneidung, die mit Händen gemacht ist, in der Entkleidung des Leibes des Fleisches, den Kindern nützlich war, so ist klar, dass auch die Taufe, die die nicht mit Händen gemachte Beschneidung Christi ist, ihnen nützlich ist.
Abschnitt 67. Schließlich, wie der Apostel lehrt: Wenn durch die Übertretung des einen der Tod geherrscht hat durch den einen, so werden um so mehr die, welche den Überfluss der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus. Wenn also die Kinder durch die Übertretung Adams die Erbsünde erben, so können sie mit noch stärkerem Grund durch Christus unseren Herrn Gnade und Gerechtigkeit erlangen, um im Leben zu herrschen. Dies kann jedoch nicht anders als durch die Taufe bewirkt werden.
Abschnitt 68. Die Seelsorger sollen daher die unbedingte Notwendigkeit einschärfen, den Säuglingen die Taufe zu spenden und ihren zarten Geist durch Erziehung in der christlichen Religion allmählich zur Frömmigkeit heranzubilden. Denn nach dem bewundernswerten Wort des Weisen: Ein Jüngling folgt seinem Wege, und auch wenn er alt wird, weicht er nicht davon ab.
Abschnitt 69. Säuglinge empfangen die Gnaden der Taufe — Es darf nicht bezweifelt werden, dass Säuglinge in der Taufe die geheimnisvollen Gaben des Glaubens empfangen. Nicht dass sie mit der Zustimmung des Verstandes glauben, aber sie werden im Glauben ihrer Eltern befestigt, wenn die Eltern den wahren Glauben bekennen; wenn nicht — um die Worte des heiligen Augustinus zu gebrauchen — dann in dem der allgemeinen Gemeinschaft der Heiligen; denn sie werden mit Recht als von all denen zur Taufe gebracht bezeichnet, denen ihre Einführung in diesen heiligen Ritus eine Quelle der Freude ist, und durch deren Liebe sie mit der Gemeinschaft des Heiligen Geistes vereint werden.
Abschnitt 70. Die Taufe der Säuglinge soll nicht aufgeschoben werden — Die Gläubigen sind dringend zu ermahnen, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Kinder sobald als möglich, wenn es ohne Gefahr geschehen kann, zur Kirche gebracht werden, um die feierliche Taufe zu empfangen. Da Säuglinge kein anderes Mittel des Heils als die Taufe haben, können wir leicht verstehen, wie schwer sich jene Personen versündigen, die es zulassen, dass sie länger als die Notwendigkeit es erfordert ohne die Gnade des Sakramentes bleiben, besonders in einem Alter, das so zart ist, dass es zahllosen Todesgefahren ausgesetzt ist.
Abschnitt 71. Taufe der Erwachsenen — Was diejenigen im Erwachsenenalter betrifft, die den vollkommenen Gebrauch der Vernunft haben, nämlich Personen, die von ungläubigen Eltern geboren sind, so weist die Praxis der frühen Kirche darauf hin, dass ein anderes Vorgehen befolgt werden soll. Ihnen soll der christliche Glaube vorgelegt werden; und sie sollen dringend ermahnt, überzeugt und eingeladen werden, ihn anzunehmen.
Abschnitt 72. Sie sollen ihre Taufe nicht ungebührlich aufschieben — Wenn sie sich zum Herrn, unserem Gott, bekehrt haben, sollen sie ermahnt werden, das Sakrament der Taufe nicht über die von der Kirche bestimmte Frist hinauszuschieben. Denn da geschrieben steht: Zögere nicht, dich zum Herrn zu bekehren, und verschiebe es nicht von Tag zu Tag, soll ihnen gelehrt werden, dass in ihrem Fall die vollkommene Bekehrung in der Wiedergeburt durch die Taufe besteht. Außerdem sind sie, je länger sie die Taufe aufschieben, umso länger des Gebrauchs und der Gnaden der anderen Sakramente beraubt, durch die das christliche Leben geübt wird, da die anderen Sakramente nur durch die Taufe zugänglich sind.
Abschnitt 73. Sie werden auch der reichen Früchte der Taufe beraubt, deren Wasser nicht nur alle Flecken und Befleckungen vergangener Sünden abwäscht, sondern uns auch mit göttlicher Gnade bereichert, die uns befähigt, in Zukunft die Sünde zu meiden und Gerechtigkeit und Unschuld zu bewahren, die den Inbegriff des christlichen Lebens ausmachen, wie alle leicht verstehen können.
Abschnitt 74. Gewöhnlich werden sie nicht sofort getauft — An Erwachsenen jedoch pflegte die Kirche das Sakrament der Taufe nicht sogleich zu spenden, sondern hat angeordnet, dass es für eine bestimmte Zeit aufgeschoben werde. Dieser Aufschub ist nicht mit derselben Gefahr verbunden wie bei den Säuglingen, die wir bereits erwähnt haben; sollte ein unvorhergesehenes Ereignis es Erwachsenen unmöglich machen, in den heilbringenden Wassern gewaschen zu werden, wird ihnen ihre Absicht und ihr Entschluss, die Taufe zu empfangen, und ihre Reue über vergangene Sünden zur Gnade und Gerechtigkeit gereichen.
Abschnitt 75. Ja, dieser Aufschub scheint sogar mit einigen Vorteilen verbunden zu sein. Und erstens: Da die Kirche besondere Sorge tragen muss, dass niemand sich diesem Sakrament aus Heuchelei und Verstellung nahe, werden die Absichten derer, die die Taufe begehren, besser geprüft und festgestellt. Daher lesen wir in den Dekreten der alten Konzilien, dass jüdische Konvertiten zum katholischen Glauben vor der Zulassung zur Taufe einige Monate in den Reihen der Katechumenen verbringen sollten.
Abschnitt 76. Ferner wird der Taufbewerber so besser in der Glaubenslehre unterrichtet, die er bekennen soll, und in den Übungen des christlichen Lebens. Schließlich wird, wenn die Taufe an Erwachsenen mit feierlichen Zeremonien nur an den bestimmten Tagen von Ostern und Pfingsten gespendet wird, dem Sakrament eine größere religiöse Ehrfurcht erwiesen.
Abschnitt 77. Im Notfall dürfen Erwachsene sofort getauft werden — Bisweilen jedoch, wenn ein gerechter und notwendiger Grund vorliegt, wie im Falle drohender Todesgefahr, soll die Taufe nicht aufgeschoben werden, besonders wenn die zu taufende Person in den Geheimnissen des Glaubens wohlunterrichtet ist. Dies finden wir durch Philippus und den Fürsten der Apostel bestätigt, als der eine den Kämmerer der Königin Kandake, der andere den Kornelius ohne jede Verzögerung taufte, sobald sie den Wunsch äußerten, den Glauben anzunehmen.
Abschnitt 78. Intention — Die Gläubigen sollen auch über die notwendigen Voraussetzungen für die Taufe belehrt werden. Zunächst müssen sie den Wunsch und die Absicht haben, sie zu empfangen; denn da wir in der Taufe alle der Sünde sterben und beschließen, ein neues Leben zu führen, ist es angemessen, dass sie nur denen gespendet wird, die sie aus freiem Willen und eigenem Entschluss empfangen; sie darf niemandem aufgezwungen werden. Daher erfahren wir aus der heiligen Überlieferung, dass es stets die unveränderliche Praxis war, die Taufe niemandem zu spenden, ohne ihn vorher zu fragen, ob er willens sei, sie zu empfangen. Von Säuglingen wird diese Gesinnung vorausgesetzt, da der Wille der Kirche, die für sie verspricht, nicht irren kann.
Abschnitt 79. Geisteskranke und im Delirium befindliche Personen, die einst bei gesundem Verstand waren und nachher geistesgestört wurden und in ihrem gegenwärtigen Zustand keinen Wunsch haben, getauft zu werden, sollen nicht zur Taufe zugelassen werden, es sei denn in Todesgefahr. In solchen Fällen soll das Sakrament gespendet werden, wenn sie vor der Geisteskrankheit den Wunsch kundgetan haben, getauft zu werden; ohne eine solche zuvor gegebene Bekundung soll es nicht gespendet werden. Dieselbe Regel ist bezüglich bewusstloser Personen zu befolgen.
Abschnitt 80. Wenn sie (die Geisteskranken) jedoch niemals den Gebrauch der Vernunft genossen haben, entscheiden die Autorität und die Praxis der Kirche, dass sie im Glauben der Kirche getauft werden sollen, ebenso wie Kinder getauft werden, bevor sie zum Gebrauch der Vernunft gelangen.
Abschnitt 81. Glaube — Neben dem Wunsch, getauft zu werden, ist auch der Glaube notwendig, um die Gnade des Sakramentes zu erlangen. Unser Herr und Erlöser hat gesagt: Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden.
Abschnitt 82. Reue — Eine weitere notwendige Voraussetzung ist die Reue über vergangene Sünden und der feste Entschluss, in Zukunft alle Sünde zu meiden. Sollte jemand die Taufe begehren und nicht willens sein, die Gewohnheit des Sündigens abzulegen, so ist er gänzlich zurückzuweisen. Denn nichts steht der Gnade und Kraft der Taufe so entgegen wie die Absicht und der Vorsatz derer, die beschließen, niemals von der Sünde abzulassen.
Abschnitt 83. Da die Taufe empfangen werden soll in der Absicht, Christus anzuziehen und mit ihm vereint zu werden, so ist offenbar, dass derjenige, der vorhat, in der Sünde fortzufahren, mit Recht vom heiligen Taufbecken ferngehalten werden soll, zumal nichts von dem, was Christus und seiner Kirche gehört, vergeblich empfangen werden darf, und da wir wohl verstehen, dass die Taufe, was die heiligende und rettende Gnade betrifft, vergeblich empfangen wird von dem, der vorhat, nach dem Fleisch und nicht nach dem Geist zu leben. Was jedoch das Sakrament als solches betrifft, so empfängt, wenn die Person, die recht getauft wird, die Absicht hat, zu empfangen, was die Kirche spendet, sie ohne Zweifel das Sakrament gültig.
Abschnitt 84. Daher antwortete der Fürst der Apostel der großen Menge, die, wie die Schrift sagt, im Herzen erschüttert, ihn und die anderen Apostel fragte, was sie tun sollten: Tut Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen im Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; und an anderer Stelle sagte er: So tut denn Buße und bekehret euch, damit eure Sünden getilgt werden. Auch der heilige Paulus zeigt im Brief an die Römer deutlich, dass der Getaufte gänzlich der Sünde sterben soll; und er ermahnt uns daher, unsere Glieder nicht als Werkzeuge der Ungerechtigkeit der Sünde darzubieten, sondern uns Gott darzustellen als solche, die aus den Toten lebendig geworden sind.
Abschnitt 85. Vorteile, die aus diesen Betrachtungen zu ziehen sind — Das häufige Nachdenken über diese Wahrheiten kann nicht umhin, zunächst die Gemüter der Gläubigen mit Bewunderung für die unendliche Güte Gottes zu erfüllen, der, von keiner anderen Erwägung als seiner Barmherzigkeit geleitet, uns, so unwürdig wir auch sind, freigebig einen so außerordentlichen und göttlichen Segen wie den der Taufe geschenkt hat.
Abschnitt 86. Wenn sie sodann bedenken, wie makellos das Leben derer sein sollte, die solcher Freigebigkeit teilhaftig geworden sind, können sie nicht umhin, sich von der besonderen Verpflichtung überzeugt zu fühlen, die jedem Christen auferlegt ist, jeden Tag seines Lebens in solcher Heiligkeit und solchem Eifer zu verbringen, als hätte er an eben diesem Tag das Sakrament und die Gnade der Taufe empfangen.
Abschnitt 87. Wirkungen der Taufe — Um die Gemüter der Gläubigen mit Eifer für wahre Frömmigkeit zu entflammen, werden die Seelsorger kein wirksameres Mittel finden als eine genaue Darlegung der Wirkungen der Taufe.
Abschnitt 88. Die Wirkungen der Taufe sollen häufig erklärt werden, damit die Gläubigen für die hohe Würde, zu der sie erhoben worden sind, empfänglicher gemacht werden und es niemals zulassen, davon durch die Fallstricke oder Angriffe Satans herabgestoßen zu werden.
Abschnitt 89. Erste Wirkung der Taufe: Nachlassung der Sünde — Es ist zunächst zu lehren, dass die wunderbare Wirksamkeit dieses Sakramentes so beschaffen ist, dass es die Erbsünde und die tatsächliche Schuld nachlässt, wie unfassbar ihre Ungeheuerlichkeit auch erscheinen mag.
Abschnitt 90. Dies wurde lange zuvor von Ezechiel vorhergesagt, durch den Gott sprach: Ich werde reines Wasser über euch ausgießen, und ihr werdet von all eurer Unreinheit gereinigt werden. Der Apostel fügt auch, wenn er an die Korinther schreibt, nachdem er eine lange Liste von Sünden aufgezählt hat, hinzu: Solche waren einige von euch, aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt.
Abschnitt 91. Dass dies allezeit die von der heiligen Kirche überlieferte Lehre war, ist klar. Durch die Zeugung des Fleisches, sagt der heilige Augustinus in seinem Buch Über die Taufe der Kinder, ziehen wir uns nur die Erbsünde zu; durch die Wiedergeburt des Geistes erlangen wir die Vergebung nicht nur der Erb-, sondern auch der tatsächlichen Sünden. Der heilige Hieronymus schreibt auch an Oceanus: Alle Sünden werden in der Taufe vergeben.
Abschnitt 92. Um jeden weiteren Zweifel an dieser Sache zu beseitigen, hat das Konzil von Trient, nachdem andere Konzilien dies definiert hatten, es von neuem erklärt und das Anathema über jene ausgesprochen, die es wagen sollten, anders zu denken, oder zu behaupten wagten, dass die Sünde, obwohl sie in der Taufe vergeben werde, nicht völlig beseitigt oder gänzlich ausgerottet werde, sondern so abgeschnitten werde, dass ihre Wurzeln noch in der Seele befestigt blieben. Um die Worte desselben heiligen Konzils zu gebrauchen: Gott hasst nichts in denen, die wiedergeboren sind; denn es bleibt nichts Verdammenswertes in denen, die wahrhaft mit Christus durch die Taufe in den Tod begraben sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern den alten Menschen ablegen und den neuen anziehen, der nach Gott geschaffen ist, unschuldig, makellos, rein, rechtschaffen und Gott wohlgefällig werden.
Abschnitt 93. Begierlichkeit, die nach der Taufe bleibt, ist keine Sünde — Wir müssen jedoch bekennen, dass die Begierlichkeit oder der Zunder der Sünde noch zurückbleibt, wie das Konzil an derselben Stelle erklärt. Doch die Begierlichkeit ist keine Sünde, denn wie der heilige Augustinus bemerkt: Bei den getauften Kindern wird die Schuld der Begierlichkeit getilgt, die Begierlichkeit selbst bleibt zur Bewährung; und an anderer Stelle sagt er: Die Schuld der Begierlichkeit wird in der Taufe vergeben, aber ihre Schwachheit bleibt. Denn die Begierlichkeit, die eine Folge der Sünde ist, ist nichts anderes als ein Streben der Seele, das an sich der Vernunft widerstreitet. Wenn sie jedoch nicht von der Einwilligung des Willens oder von Nachlässigkeit begleitet wird, ist sie sehr weit davon entfernt, Sünde zu sein.
Abschnitt 94. Wenn der heilige Paulus sagt: Ich erkannte die Begierlichkeit nicht, wenn das Gesetz nicht sagte: Du sollst nicht begehren, spricht er nicht von der Begierlichkeit selbst, sondern von der Schuld des Willens.
Abschnitt 95. Dieselbe Lehre wird vom heiligen Gregor gelehrt, wenn er sagt: Wenn es welche gibt, die behaupten, dass in der Taufe die Sünde nur oberflächlich getilgt werde, was könnte unwahrer sein als ihre Behauptung? Durch das Sakrament des Glaubens haftet die Seele, gänzlich von der Sünde befreit, allein an Gott. Zum Beweis dieser Lehre beruft er sich auf das Zeugnis unseres Erlösers, der bei Johannes sagt: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden, denn er ist ganz rein.
Abschnitt 96. Weiterer Beweis der ersten Wirkung der Taufe — Sollte jemand ein eindrucksvolles Bild und Gleichnis der Wirksamkeit der Taufe wünschen, so möge er die Geschichte des Naaman betrachten, des syrischen Aussätzigen, von dem die Schrift uns berichtet, dass er, als er sich siebenmal in den Wassern des Jordan gewaschen hatte, so von seinem Aussatz gereinigt wurde, dass sein Fleisch dem Fleisch eines Kindes glich.
Abschnitt 97. Die Nachlassung aller Sünde, der Erb- und der tatsächlichen, ist daher die eigentümliche Wirkung der Taufe. Dass dies der Zweck ihrer Einsetzung durch unseren Herrn und Erlöser war, wird deutlich vom Fürsten der Apostel ausgesagt, um von anderen Zeugnissen zu schweigen, wenn er sagt: Tut Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen im Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden.
Abschnitt 98. Zweite Wirkung der Taufe: Nachlassung aller Sündenstrafe — In der Taufe wird nicht nur die Sünde vergeben, sondern mit ihr auch alle der Sünde geschuldete Strafe von Gott barmherzig nachgelassen. Die Wirksamkeit des Leidens Christi unseres Herrn mitzuteilen ist eine allen Sakramenten gemeinsame Wirkung; aber von der Taufe allein sagt der Apostel, dass wir durch sie mit Christus sterben und begraben werden.
Abschnitt 99. Daher hat die heilige Kirche stets verstanden, dass es diesem Sakrament im höchsten Grade zum Nachteil gereichen würde, demjenigen, der in der Taufe gereinigt werden soll, jene Werke der Frömmigkeit aufzuerlegen, die von den heiligen Vätern gewöhnlich Genugtuungswerke genannt werden.
Abschnitt 100. Auch besteht kein Widerspruch zwischen der hier gelehrten Lehre und der Praxis der frühen Kirche, die einstmals den Juden, die sich auf die Taufe vorbereiteten, ein Fasten von vierzig aufeinanderfolgenden Tagen vorschrieb. Das so auferlegte Fasten wurde nicht als Genugtuungswerk auferlegt; sondern diejenigen, die die Taufe empfangen hatten, wurden so ermahnt, einige Zeit der ununterbrochenen Übung des Fastens und des Gebetes zu Ehren eines so großen Sakramentes zu widmen.
Abschnitt 101. Die Taufe befreit nicht von den Strafen des bürgerlichen Rechts — Obwohl die Nachlassung der der Sünde geschuldeten Strafen durch die Taufe nicht in Frage gestellt werden kann, dürfen wir nicht daraus schließen, dass sie einen Straftäter von den durch die weltlichen Gerichte für ein schweres Verbrechen verhängten Strafen befreit. So wird ein zum Tode Verurteilter durch die Taufe nicht der vom Gesetz bestimmten Strafe entrissen.
Abschnitt 102. Wir können jedoch die Religion und Frömmigkeit jener Herrscher nicht genug rühmen, die die gesetzliche Strafe erlassen, damit die Herrlichkeit Gottes in seinen Sakramenten um so eindrucksvoller offenbar werde.
Abschnitt 103. Die Taufe lässt die der Erbsünde geschuldete Strafe nach dem Tode nach — Die Taufe lässt auch alle der Erbsünde nach diesem Leben geschuldete Strafe nach, denn durch das Verdienst des Todes unseres Herrn können wir diesen Segen erlangen. Durch die Taufe sterben wir, wie wir schon gesagt haben, mit Christus. Denn, sagt der Apostel, wenn wir eingepflanzt worden sind in das Gleichbild seines Todes, so werden wir es auch in das seiner Auferstehung sein.
Abschnitt 104. Die Taufe befreit uns nicht von den Leiden des Lebens — Sollte gefragt werden, warum wir unmittelbar nach der Taufe in diesem sterblichen Leben nicht von den Widrigkeiten befreit und durch die Wirkung dieser heiligen Abwaschung in jenen Zustand der Vollkommenheit zurückversetzt werden, in dem Adam, der Stammvater des Menschengeschlechts, vor seinem Fall stand, so ist die Antwort, dass es dafür zwei Hauptgründe gibt.
Abschnitt 105. Erstens sollten wir, die wir durch die Taufe mit dem Leib Christi vereint und seine Glieder geworden sind, nicht höher geehrt werden als unser Haupt. Da nun Christus unser Herr, obwohl er von seiner Geburt an mit der Fülle der Gnade und Wahrheit bekleidet war, die menschliche Schwachheit, die er angenommen hatte, nicht ablegte, bis er gelitten und den Tod erlitten hatte und zur Herrlichkeit der Unsterblichkeit auferstanden war, so kann es nicht erstaunlich erscheinen, wenn die Gläubigen, selbst nachdem sie die Gnade der Rechtfertigung durch die Taufe empfangen haben, mit einem gebrechlichen und vergänglichen Leib bekleidet sind, bis sie, nachdem sie viele Mühen um Christi willen erduldet und ihren irdischen Lauf vollendet haben, zum Leben zurückgerufen und für würdig befunden werden, mit ihm eine Ewigkeit der Seligkeit zu genießen.
Abschnitt 106. Der zweite Grund, warum körperliche Schwäche, Krankheit, Schmerzempfindung und Regungen der Begierlichkeit nach der Taufe bestehen bleiben, ist, dass wir in ihnen den Samen und den Stoff der Tugend haben, woraus wir dereinst eine reichlichere Ernte der Herrlichkeit und reichere Belohnungen ernten sollen. Wenn wir mit geduldiger Ergebung alle Prüfungen des Lebens ertragen und, unterstützt vom göttlichen Beistand, die aufrührerischen Begierden des Herzens der Herrschaft der Vernunft unterwerfen, sollen wir die sichere Hoffnung hegen, dass der Herr, der gerechte Richter, wenn wir mit dem Apostel den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt haben, uns an jenem Tage die Krone der Gerechtigkeit geben wird, die uns bereitliegt.
Abschnitt 107. Dies scheint der göttliche Plan in Bezug auf die Kinder Israels gewesen zu sein. Gott befreite sie aus der Knechtschaft Ägyptens, nachdem er den Pharao und seine Heerscharen im Meer ertränkt hatte; doch führte er sie nicht sogleich in das glückliche Land der Verheißung; er prüfte sie zuvor durch eine Vielzahl und Mannigfaltigkeit von Leiden. Und als er sie nachher in den Besitz des verheißenen Landes einsetzte und die früheren Bewohner aus ihren angestammten Gebieten vertrieb, ließ er dennoch einige andere Völker übrig, die die Israeliten nicht ausrotten konnten, damit sein Volk stets Gelegenheit hätte, Tapferkeit und kriegerischen Mut zu üben.
Abschnitt 108. Wir dürfen hinzufügen, dass, wenn mit den himmlischen Gaben, mit denen die Seele in der Taufe geschmückt wird, auch zeitliche Vorteile verbunden wären, guter Grund bestünde zu bezweifeln, ob nicht viele sich der Taufe nähern würden in der Absicht, solche Vorteile in diesem Leben zu erlangen, anstatt die Herrlichkeit, die im nächsten erhofft wird; während doch der Christ sich stets nicht diese trügerischen und unsicheren Güter, die sichtbar sind, sondern die festen und ewigen, die unsichtbar sind, zum Ziel setzen soll.
Abschnitt 109. Die Taufe als Quelle des Glücks für den Christen auch in diesem Leben — Dieses Leben jedoch, obwohl voller Elend, entbehrt nicht seiner Freuden und Wonnen. Für uns, die wir durch die Taufe als Zweige in Christus eingepflanzt sind — was könnte erfreulicher oder wünschenswerter sein, als das Kreuz auf unsere Schultern zu nehmen und ihm als unserem Anführer zu folgen, ohne von irgendeiner Mühe ermüdet, durch keine Gefahr aufgehalten, in eifrigem Streben nach den Belohnungen unserer hohen Berufung; die einen, um den Lorbeer der Jungfräulichkeit zu empfangen, die anderen die Krone der Lehre und Predigt, manche die Palme des Martyriums, andere die Ehren, die ihren jeweiligen Tugenden entsprechen! Diese glänzenden Auszeichnungen erhabener Würde würde keiner von uns empfangen, hätten wir nicht im Lauf dieses mühevollen Lebens gekämpft und im Streit unbesiegt gestanden.
Abschnitt 110. Dritte Wirkung der Taufe: Gnade der Wiedergeburt — Aber um zu den Wirkungen der Taufe zurückzukehren: Es soll gelehrt werden, dass wir kraft dieses Sakramentes nicht nur von dem befreit werden, was mit Recht als das größte aller Übel angesehen wird, sondern auch mit unschätzbaren Gütern und Segnungen bereichert werden. Unsere Seelen werden mit göttlicher Gnade erfüllt, durch die wir gerecht und Kinder Gottes werden und zu Erben des ewigen Heils gemacht werden. Denn es steht geschrieben: Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden, und der Apostel bezeugt, dass die Kirche gereinigt wird durch das Bad des Wassers im Worte des Lebens. Nun tilgt die Gnade gemäß der Definition des Konzils von Trient, die wir bei Strafe des Anathemas zu glauben verpflichtet sind, nicht nur die Sünde, sondern ist auch eine der Seele innewohnende göttliche Eigenschaft und gleichsam ein glänzendes Licht, das alle jene Flecken tilgt, die den Glanz der Seele verdunkeln, und sie mit vermehrter Helligkeit und Schönheit bekleidet. Dies ist auch ein klarer Schluss aus den Worten der Schrift, wenn sie sagt, dass die Gnade ausgegossen wird, und auch wenn sie die Gnade gewöhnlich das Unterpfand des Heiligen Geistes nennt.
Abschnitt 111. Vierte Wirkung der Taufe: Eingegossene Tugenden und Einverleibung mit Christus — Diese Gnade wird von einem herrlichsten Gefolge aller Tugenden begleitet, die zusammen mit der Gnade der Seele göttlich eingegossen werden. Daher sagt der Apostel im Brief an Titus: Er hat uns gerettet durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geiste, den er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesus Christus unseren Erlöser. Der heilige Augustinus erklärt zu den Worten reichlich ausgegossen: das heißt, zur Nachlassung der Sünden und zur Fülle der Tugenden.
Abschnitt 112. Durch die Taufe werden wir auch mit Christus vereint wie die Glieder mit ihrem Haupt. Wie daher vom Haupt die Kraft ausgeht, durch welche die verschiedenen Glieder des Leibes zur rechten Ausübung ihrer jeweiligen Aufgaben bewegt werden, so wird aus der Fülle Christi des Herrn göttliche Gnade und Tugend durch alle ausgeströmt, die gerechtfertigt sind, und befähigt sie zur Erfüllung aller Pflichten christlicher Frömmigkeit.
Abschnitt 113. Warum die Übung der Tugend auch nach der Taufe schwierig ist — Obwohl wir so durch ein mächtiges Heer von Tugenden gestützt werden, soll es uns nicht verwundern, wenn wir nicht ohne viel Mühe und Schwierigkeit Werke der Frömmigkeit und der sittlichen Tugend unternehmen oder zumindest ausführen können. Wenn dem so ist, dann nicht deshalb, weil die Güte Gottes uns die Tugenden nicht geschenkt hätte, aus denen diese guten Werke hervorgehen; sondern weil nach der Taufe noch ein heftiger Kampf des Fleisches gegen den Geist bestehen bleibt, in dem jedoch ein Christ weder verzagen noch ermatten darf.
Abschnitt 114. Auf die göttliche Güte vertrauend, sollen wir zuversichtlich hoffen, dass durch eine beständige Gewohnheit heiligen Lebens die Zeit kommen wird, in der alles, was ehrbar, was gerecht, was heilig ist, auch leicht und angenehm sein wird. Dies seien die Gegenstände unserer willigen Betrachtung, die Ziele unserer freudigen Übung, auf dass der Gott des Friedens mit uns sei.
Abschnitt 115. Fünfte Wirkung der Taufe: Charakter des Christen — Durch die Taufe werden wir ferner mit einem Charakter besiegelt, der niemals aus der Seele getilgt werden kann. Über diesen Punkt brauchen wir jedoch nicht ausführlich zu sprechen, da das, was wir bei der Behandlung der Sakramente im Allgemeinen zu diesem Thema schon hinreichend gesagt haben, auch hier angewandt werden kann.
Abschnitt 116. Die Taufe darf nicht wiederholt werden — Da aufgrund der Natur und Wirksamkeit dieses Charakters von der Kirche definiert worden ist, dass dieses Sakrament unter keinen Umständen wiederholt werden darf, sollen die Seelsorger die Gläubigen häufig und sorgfältig hierüber belehren, damit sie nicht zu irgendeiner Zeit in einen Irrtum geführt werden.
Abschnitt 117. Diese Lehre wird vom Apostel gelehrt, wenn er sagt: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Und wiederum, wenn er die Römer ermahnt, dass sie, da sie durch die Taufe in Christus gestorben seien, darauf achten sollen, das Leben nicht zu verlieren, das sie von ihm empfangen haben, sagt er: Was Christus der Sünde gestorben ist, ist er ein für allemal gestorben. Diese Worte scheinen deutlich zu besagen, dass, wie Christus nicht wieder sterben kann, auch wir nicht wieder durch die Taufe sterben können. Daher bekennt auch die heilige Kirche offen, dass sie eine Taufe glaubt. Dass dies mit dem Wesen der Sache und mit der Vernunft übereinstimmt, ergibt sich schon aus dem Begriff der Taufe selbst, die eine geistliche Wiedergeburt ist. Wie wir nämlich kraft der Naturgesetze nur einmal gezeugt und geboren werden, und, wie der heilige Augustinus bemerkt, es keine Rückkehr in den Mutterschoß gibt, so gibt es auch nur eine geistliche Geburt, und die Taufe darf niemals zu irgendeiner Zeit wiederholt werden.
Abschnitt 118. Bei der bedingten Taufe wird das Sakrament nicht wiederholt — Niemand glaube, dass es von der Kirche wiederholt werde, wenn sie jemanden tauft, dessen frühere Taufe zweifelhaft war, indem sie diese Formel gebraucht: Wenn du getauft bist, taufe ich dich nicht abermals; wenn du aber noch nicht getauft bist, taufe ich dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. In solchen Fällen ist die Taufe nicht als gottlos wiederholt, sondern als heilig, jedoch bedingt gespendet zu betrachten.
Abschnitt 119. In diesem Zusammenhang gibt es jedoch einige Punkte, in denen zum sehr großen Schaden des Sakramentes Missbräuche beinahe täglich vorkommen und die daher die sorgfältige Aufmerksamkeit der Seelsorger erfordern. Denn es fehlt nicht an solchen, die meinen, es werde keine Sünde begangen, wenn sie unterschiedslos die bedingte Taufe spenden. Wenn daher ein Säugling zu ihnen gebracht wird, meinen sie, dass keine Nachforschung nötig sei, ob er vorher getauft wurde, sondern schreiten sogleich dazu, das Kind zu taufen. Ja mehr noch, obwohl ihnen wohlbekannt ist, dass das Sakrament zu Hause gespendet wurde, zögern sie nicht, seine Spendung in der Kirche unter Beifügung der feierlichen Zeremonien der Kirche bedingt zu wiederholen.
Abschnitt 120. Dies können sie gewiss nicht tun, ohne sich eines Sakrilegs schuldig zu machen und sich das zuzuziehen, was die Theologen eine Irregularität nennen. Gemäß der Autorität von Papst Alexander soll die bedingte Taufformel nur dann gebraucht werden, wenn nach gebührender Nachforschung Zweifel an der Gültigkeit der früheren Taufe bestehen. In keinem anderen Fall ist es jemals erlaubt, die Taufe ein zweites Mal zu spenden, auch nicht bedingt.
Abschnitt 121. Sechste Wirkung der Taufe: Öffnung der Pforten des Himmels — Neben den anderen Vorteilen, die uns aus der Taufe erwachsen, ist der letzte, auf den sich alle anderen zu beziehen scheinen, dass sie uns die Pforten des Himmels öffnet, die die Sünde uns verschlossen hatte.
Abschnitt 122. Wirkungen der Taufe vorgebildet in der Taufe Christi — Diese Wirkungen, die in uns kraft der Taufe hervorgebracht werden, sind deutlich durch die Umstände gekennzeichnet, die, wie das Evangelium berichtet, die Taufe unseres Erlösers begleiteten. Die Himmel öffneten sich, und der Heilige Geist erschien in Gestalt einer Taube auf Christus unseren Herrn herabsteigend. Dadurch wird uns zu verstehen gegeben, dass den Getauften die Gaben des Heiligen Geistes mitgeteilt werden und dass ihnen die Pforten des Himmels geöffnet werden. Die Getauften treten zwar nicht sogleich nach der Taufe in den Himmel ein, aber zu ihrer Zeit. Wenn sie von allem Elend befreit sein werden, das mit einem Zustand der Seligkeit unvereinbar ist, werden sie ein sterbliches gegen ein unsterbliches Leben eintauschen.
Abschnitt 123. Maß, in dem diese Wirkungen erlangt werden — Dies sind die Früchte der Taufe, die, wenn wir die Wirksamkeit des Sakramentes betrachten, ohne Zweifel allen gleichermaßen zukommen; wenn wir aber die Gesinnung betrachten, mit der sie empfangen wird, so ist es ebenso gewiss, dass nicht alle in gleichem Maße an diesen himmlischen Gaben und Gnaden teilhaben.
Abschnitt 124. Ihre Bedeutung — Es bleibt nun übrig, klar und knapp darzulegen, was über die Gebete, Riten und Zeremonien dieses Sakramentes zu lehren ist. Auf die Riten und Zeremonien kann in gewissem Maße angewandt werden, was der Apostel von der Gabe der Sprachen sagt, nämlich dass es nutzlos ist zu sprechen, wenn die Gläubigen nicht verstehen. Sie stellen ein Bild dar und vermitteln die Bedeutung der Dinge, die im Sakrament geschehen; aber wenn das Volk die Kraft und Bedeutung dieser Zeichen nicht versteht, hat man nur geringen Nutzen von den Zeremonien. Die Seelsorger sollen daher dafür Sorge tragen, dass sie verstanden werden, und den Gläubigen die Überzeugung einprägen, dass die Zeremonien, obwohl nicht unbedingt notwendig, doch von sehr großer Wichtigkeit sind und hohe Verehrung verdienen.
Abschnitt 125. Dies beweist hinreichend die Autorität jener, von denen sie eingesetzt wurden, die ohne Zweifel die Apostel waren, und auch der Zweck ihrer Einsetzung. Es ist offenkundig, dass die Zeremonien zur andächtigeren und heiligeren Spendung der Sakramente beitragen, die unschätzbaren Gaben, die sie enthalten, gleichsam vor Augen stellen und den Gläubigen ein tieferes Bewusstsein der grenzenlosen Güte Gottes einprägen.
Abschnitt 126. Drei Gruppen von Zeremonien bei der Taufe — Damit die Unterweisungen des Seelsorgers einem bestimmten Plan folgen und das Volk sich seine Worte leichter merken kann, sollen alle Zeremonien und Gebete, welche die Kirche bei der Spendung der Taufe verwendet, auf drei Hauptteile zurückgeführt werden. Der erste umfasst solche, die vor dem Kommen zum Taufbecken beachtet werden; der zweite solche, die am Taufbecken selbst gebraucht werden; der dritte diejenigen, die gewöhnlich auf die Spendung des Sakramentes folgen.
Abschnitt 127. Zeremonien, die vor dem Kommen zum Taufbecken beachtet werden: Weihe des Taufwassers — Zunächst also soll das für die Taufe zu verwendende Wasser bereitet werden. Das Taufbecken wird mit dem Öl der geheimnisvollen Salbung geweiht; nicht jedoch zu jeder Zeit, sondern nach altem Brauch nur an bestimmten Festtagen, die mit Recht als die größten und heiligsten Feierlichkeiten des Jahres gelten. Das Taufwasser wurde an den Vigilien dieser Feste geweiht; und nur an diesen Tagen, außer in Notfällen, war es auch der Brauch der alten Kirche, die Taufe zu spenden. Obwohl die Kirche es wegen der Gefahren, denen das Leben beständig ausgesetzt ist, für zweckmäßig erachtet hat, ihre Disziplin in dieser Hinsicht zu ändern, begeht sie dennoch mit der größten Feierlichkeit die Feste von Ostern und Pfingsten, an denen das Taufwasser geweiht werden soll.
Abschnitt 128. Der Täufling steht an der Kirchentür — Nach der Weihe des Wassers sind als nächstes die übrigen Zeremonien zu erklären, die der Taufe vorausgehen. Die zu taufenden Personen werden zur Tür der Kirche gebracht oder geführt und dürfen die Kirche streng genommen nicht betreten, da sie unwürdig sind, in das Haus Gottes aufgenommen zu werden, bis sie das Joch der erniedrigendsten Knechtschaft abgeworfen und sich rückhaltlos Christus dem Herrn und seiner gerechtesten Herrschaft geweiht haben.
Abschnitt 129. Katechetische Unterweisung — Der Priester fragt dann, was sie von der Kirche verlangen; und nachdem er die Antwort erhalten hat, unterweist er sie zunächst in den Lehren des christlichen Glaubens, dessen Bekenntnis in der Taufe abgelegt werden soll.
Abschnitt 130. Dies tut der Priester in einer kurzen katechetischen Unterweisung, eine Praxis, die ohne Zweifel in dem Gebot unseres Herrn an seine Apostel ihren Ursprung hat: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe. Aus diesem Gebot können wir lernen, dass die Taufe nicht gespendet werden soll, bevor nicht zumindest die hauptsächlichen Wahrheiten unserer Religion erklärt worden sind.
Abschnitt 131. Da aber die katechetische Form aus vielen Fragen besteht, antwortet, wenn die zu unterweisende Person ein Erwachsener ist, sie selbst; wenn es ein Säugling ist, antwortet der Pate für ihn nach der vorgeschriebenen Form und leistet das feierliche Versprechen.
Abschnitt 132. Der Exorzismus — Der Exorzismus folgt als nächstes in der Reihenfolge. Er besteht aus Worten heiligen und religiösen Inhalts und aus Gebeten und wird angewandt, um den Teufel auszutreiben, seine Macht zu schwächen und zu brechen.
Abschnitt 133. Das Salz — Zum Exorzismus werden weitere Zeremonien hinzugefügt, von denen jede, da sie geheimnisvoll ist, ihre eigene klare Bedeutung hat. Wenn zum Beispiel der zu taufenden Person Salz in den Mund gelegt wird, bedeutet dies offenkundig, dass sie durch die Lehren des Glaubens und durch die Gabe der Gnade von der Verderbnis der Sünde befreit werden, Geschmack an guten Werken finden und sich an der Speise der göttlichen Weisheit erfreuen soll.
Abschnitt 134. Das Kreuzzeichen — Sodann werden Stirn, Augen, Brust, Schultern und Ohren mit dem Kreuzzeichen bezeichnet, um zu erklären, dass durch das Geheimnis der Taufe die Sinne des Getauften geöffnet und gestärkt werden, damit er Gott aufnehmen und seine Gebote verstehen und befolgen kann.
Abschnitt 135. Der Speichel — Als nächstes werden Nase und Ohren mit Speichel berührt, und danach wird er sogleich zum Taufbecken geführt. Durch diese Zeremonie verstehen wir, dass, wie dem Blindgeborenen im Evangelium das Augenlicht geschenkt wurde, den der Herr, nachdem er Lehm auf seine Augen gestrichen hatte, in den Wassern von Siloah zu waschen gebot, so durch die Wirksamkeit der heiligen Taufe ein Licht in den Geist eingelassen wird, das ihn befähigt, die himmlische Wahrheit zu erkennen.
Abschnitt 136. Die Zeremonien nach dem Kommen zum Taufbecken — Nach der Vollziehung dieser Zeremonien treten die zu taufenden Personen an das Taufbecken heran, an dem weitere Riten und Zeremonien vollzogen werden, die eine Zusammenfassung der christlichen Religion darstellen.
Abschnitt 137. Die Absage an den Satan — Dreimal in Folge wird die zu taufende Person vom Priester gefragt: Widersagst du dem Satan und allen seinen Werken und all seiner Pracht? Auf jede dieser Fragen antwortet sie oder der Pate in ihrem Namen: Ich widersage. Wer daher vorhat, sich unter das Banner Christi zu stellen, muss zuallererst eine heilige und feierliche Verpflichtung eingehen, dem Teufel und der Welt zu entsagen und sie stets im äußersten Abscheu zu halten als seine schlimmsten Feinde.
Abschnitt 138. Das Glaubensbekenntnis — Sodann wird der Täufling, am Taufbecken stehend, vom Priester mit diesen Worten befragt: Glaubst du an Gott, den allmächtigen Vater? Worauf er antwortet: Ich glaube. In gleicher Weise über die übrigen Artikel des Glaubensbekenntnisses befragt, legt er feierlich sein Glaubensbekenntnis ab. Diese beiden Versprechen enthalten, wie ersichtlich, den Inbegriff und das Wesentliche des Gesetzes Christi.
Abschnitt 139. Der Wunsch, getauft zu werden — Wenn nun das Sakrament gespendet werden soll, fragt der Priester den Taufbewerber, ob er getauft zu werden wünscht. Nachdem eine bejahende Antwort von ihm oder, wenn es ein Säugling ist, vom Paten gegeben wurde, vollzieht der Priester sogleich die heilbringende Abwaschung im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Abschnitt 140. Wie der Mensch, indem er der Einwilligung seines Willens den bösen Einflüsterungen Satans nachgab, unter ein gerechtes Verdammungsurteil fiel, so will Gott niemanden in die Zahl seiner Streiter aufnehmen als jene, deren Dienst freiwillig ist, damit sie durch willigen Gehorsam gegen seine Gebote das ewige Heil erlangen.
Abschnitt 141. Zeremonien nach der Taufe: Der Chrisam — Nachdem die Person getauft worden ist, salbt der Priester den Scheitel ihres Hauptes mit Chrisam und gibt ihr damit zu verstehen, dass sie von diesem Tage an als Glied mit Christus, ihrem Haupt, verbunden und seinem Leib eingegliedert ist; und dass sie daher Christ genannt wird nach Christus, wie Christus so genannt wird nach dem Chrisam. Was der Chrisam bedeutet, erklären die dann vom Priester gesprochenen Gebete, wie der heilige Ambrosius bemerkt, hinreichend.
Abschnitt 142. Das weiße Gewand — Dem Getauften legt der Priester dann ein weißes Gewand an mit den Worten: Empfange dieses weiße Gewand, das du unbefleckt vor den Richterstuhl unseres Herrn Jesus Christus tragen mögest, auf dass du das ewige Leben habest. Statt eines weißen Gewandes erhalten Säuglinge, weil sie nicht förmlich gekleidet sind, ein weißes Tuch, begleitet von denselben Worten.
Abschnitt 143. Nach der Lehre der Väter bedeutet dieses Sinnbild die Herrlichkeit der Auferstehung, zu der wir durch die Taufe geboren werden, den Glanz und die Schönheit, mit denen die Seele, gereinigt von den Flecken der Sünde, in der Taufe bekleidet wird, und die Unschuld und Lauterkeit, die der Getaufte sein Leben lang bewahren soll.
Abschnitt 144. Die brennende Kerze — Dann wird dem Getauften eine brennende Kerze in die Hand gegeben, um zu bedeuten, dass der Glaube, entflammt von der Liebe, der in der Taufe empfangen wird, durch die Übung guter Werke genährt und vermehrt werden soll.
Abschnitt 145. Der in der Taufe verliehene Name — Schließlich wird dem Getauften ein Name gegeben. Er soll von einer Person genommen werden, deren hervorragende Heiligkeit ihr einen Platz im Verzeichnis der Heiligen verschafft hat. Die Ähnlichkeit des Namens wird jeden anspornen, die Tugenden und die Heiligkeit des Heiligen nachzuahmen, und zudem zu hoffen und zu beten, dass er, der das Vorbild seiner Nachahmung ist, auch sein Fürsprecher sei und über das Heil seines Leibes und seiner Seele wache.
Abschnitt 146. Daher sind jene zu tadeln, die nach den Namen von Heiden suchen, besonders derer, die die größten Ungeheuer der Gottlosigkeit waren, um sie ihren Kindern zu geben. Durch ein solches Verhalten zeigen sie praktisch, wie wenig ihnen die christliche Frömmigkeit am Herzen liegt, da sie das Andenken gottloser Menschen so liebevoll pflegen, dass sie wünschen, deren unheilige Namen beständig in den Ohren der Gläubigen widerhallen zu lassen.
Abschnitt 147. Zusammenfassung — Diese Darlegung des Sakramentes der Taufe wird, wenn sie von den Seelsorgern gegeben wird, fast alles umfassen, was über dieses Sakrament bekannt sein sollte. Wir haben die Bedeutung des Wortes Taufe erklärt, das Wesen und die Substanz des Sakramentes und auch die Teile, aus denen es zusammengesetzt ist. Wir haben gesagt, von wem es eingesetzt wurde; wer die zu seiner Spendung notwendigen Diener sind; wer gleichsam die Erzieher sein sollen, deren Unterweisung die Schwäche des Getauften stützen soll; wem die Taufe gespendet werden soll; und wie die Empfänger bereitet sein sollen; welches die Kraft und Wirksamkeit des Sakramentes ist; und schließlich haben wir in hinreichender Ausführlichkeit für unseren Zweck die Riten und Zeremonien dargelegt, die seine Spendung begleiten sollen.
Abschnitt 148. Die Seelsorger sollen bedenken, dass der Hauptzweck aller dieser Unterweisungen darin besteht, die Gläubigen dazu zu bewegen, ihre beständige Aufmerksamkeit und Sorgfalt auf die Erfüllung der bei der Taufe so heilig abgelegten Versprechen zu richten und ein Leben zu führen, das der Heiligkeit nicht unwürdig ist, die den Namen und das Bekenntnis eines Christen begleiten soll.