Römischer Katechismus — Kapitel 21: Zweiter Teil: Die Sakramente — Das Weihesakrament

Kapitel 21: Zweiter Teil: Die Sakramente — Das Weihesakrament

Abschnitt 1. Bedeutung der Unterweisung über dieses Sakrament — Wenn jemand aufmerksam die Natur und das Wesen der anderen Sakramente betrachtet, wird er leicht erkennen, dass sie alle in solchem Maße vom Sakrament der Weihe abhängen, dass ohne dieses einige von ihnen überhaupt nicht eingesetzt oder gespendet werden könnten, während andere aller feierlichen Zeremonien sowie eines gewissen Teiles der religiösen Ehrfurcht und äußeren Ehre beraubt wären, die ihnen entgegengebracht wird. Daher wird es bei der Fortsetzung der Darlegung der Sakramentenlehre für die Seelsorger notwendig sein, im Gedächtnis zu behalten, dass es ihre Pflicht ist, das Sakrament der Weihe mit besonderer Sorgfalt zu erklären.

Abschnitt 2. Diese Erklärung wird von großem Nutzen sein. Zunächst für den Seelsorger selbst, sodann für alle, die in den geistlichen Stand eingetreten sind, und schließlich für das Volk im Allgemeinen. Für den Seelsorger selbst, weil er, indem er dieses Thema behandelt, selbst tiefer bewegt wird, die Gnade in sich zu erwecken, die er in diesem Sakrament empfangen hat; für jene, die zum Anteil des Herrn berufen worden sind, teils indem er sie mit einem gleichen Geist der Frömmigkeit belebt, teils indem er ihnen Gelegenheit bietet, sich Kenntnisse anzueignen, die es ihnen umso leichter ermöglichen, zu höheren Weihen aufzusteigen; für die übrigen Gläubigen, erstens weil es ihnen ermöglicht, die den Dienern der Kirche gebührende Ehrfurcht zu verstehen, und zweitens, weil es oft vorkommt, dass viele anwesend sein mögen, die ihre Kinder, noch in jungen Jahren, für den Dienst der Kirche bestimmt haben oder die selbst diesen Lebensstand zu ergreifen wünschen, und es alles andere als recht wäre, dass solche Personen mit den wichtigsten Wahrheiten bezüglich dieses besonderen Standes unbekannt blieben.

Abschnitt 3. Würde dieses Sakramentes — Zunächst also soll den Gläubigen gezeigt werden, wie groß die Würde und Erhabenheit dieses Sakramentes ist, betrachtet in seinem höchsten Grad, dem Priestertum.

Abschnitt 4. Da die Bischöfe und Priester gleichsam Gottes Ausleger und Gesandte sind, bevollmächtigt, in Seinem Namen die Menschen das göttliche Gesetz und die Regeln des Wandels zu lehren, und da sie Seinen Platz auf Erden einnehmen, ist es offenkundig, dass keine edlere Aufgabe als die ihre vorstellbar ist. Mit Recht werden sie daher nicht nur Engel, sondern sogar Götter genannt, weil sie in unserer Mitte die Macht und die Vorrechte des unsterblichen Gottes ausüben.

Abschnitt 5. Zu allen Zeiten wurden die Priester in höchster Ehre gehalten; doch die Priester des Neuen Bundes übertreffen alle anderen bei weitem. Denn die Vollmacht, den Leib und das Blut unseres Herrn zu konsekrieren und darzubringen und die Sünden zu vergeben, die ihnen verliehen worden ist, hat nicht nur auf Erden nichts Gleiches oder Ähnliches, sondern übersteigt sogar die menschliche Vernunft und das menschliche Begreifen.

Abschnitt 6. Und wie unser Heiland von Seinem Vater gesandt wurde und wie die Apostel und Jünger von Christus, unserem Herrn, in die ganze Welt gesandt wurden, so werden auch die Priester täglich mit denselben Vollmachten ausgesandt zur Vollendung der Heiligen, zum Werk des Dienstes und zur Auferbauung des Leibes Christi.

Abschnitt 7. Heiligkeit, Wissen, Klugheit — Die Bürde dieses hohen Amtes soll daher niemandem leichtfertig auferlegt werden, sondern nur jenen übertragen werden, die durch ihre Heiligkeit des Lebens, ihr Wissen, ihren Glauben und ihre Klugheit fähig sind, sie zu tragen.

Abschnitt 8. Göttliche Berufung — Niemand nehme sich die Ehre selbst, sondern nur wer von Gott berufen wird, wie Aaron; und von Gott berufen werden jene, die

Abschnitt 9. von den rechtmäßigen Dienern Seiner Kirche berufen werden. Von jenen, die sich anmaßend in dieses Amt eindrängen, muss man verstehen, dass der Herr spricht, wenn Er sagt: Ich habe die Propheten nicht gesandt, und doch liefen sie. Nichts kann unglückseliger und elender sein als solche Menschen, und nichts ist verderblicher für die Kirche Gottes.

Abschnitt 10. Rechte Absicht — Bei jeder Handlung, die wir unternehmen, ist es von höchster Wichtigkeit, einen guten Beweggrund im Auge zu haben; denn wenn der Beweggrund gut ist, verläuft das Übrige harmonisch. Der Kandidat für die Heiligen Weihen soll daher vor allem ermahnt werden, keine Absicht zu hegen, die eines so erhabenen Amtes unwürdig ist.

Abschnitt 11. Dieses Thema erfordert umso größere Aufmerksamkeit, als die Gläubigen in diesen Tagen oft schwer in dieser Hinsicht sündigen. Es gibt einige, die diesen Stand ergreifen, um sich den Lebensunterhalt zu sichern, und die folglich im Priestertum, genau wie andere Menschen in den niedrigsten Berufen, nichts weiter als Gewinn suchen. Obwohl sowohl das natürliche als auch das göttliche Gesetz bestimmen, wie der Apostel bemerkt, dass wer dem Altar dient, vom Altar leben soll, so ist es doch eine der allerschwersten Sakrilegien, sich dem Altar um des Gewinnes und des Geldes willen zu nähern.

Abschnitt 12. Einige werden durch Ehrgeiz und Liebe zu Ehren zum Priestertum angezogen; andere wiederum wünschen nur deshalb geweiht zu werden, um an Reichtum Überfluss zu haben, wie die Tatsache beweist, dass sie, wenn ihnen nicht irgendeine reiche Pfründe übertragen würde, nicht daran dächten, die Heiligen Weihen zu empfangen. Es sind solche, die unser Heiland als Mietlinge beschreibt, die nach den Worten Ezechiels sich selbst weiden und nicht die Schafe, und deren Niedrigkeit und Unredlichkeit nicht nur dem geistlichen Stand große Schande gebracht hat — so sehr, dass kaum etwas in den Augen der Gläubigen jetzt verächtlicher und verachtenswerter ist —, sondern auch darin endet, dass sie keine andere Frucht aus ihrem Priestertum ziehen als Judas aus dem Apostelamt, das ihm nur ewiges Verderben brachte.

Abschnitt 13. Diejenigen hingegen, die rechtmäßig von Gott berufen werden und den geistlichen Stand mit dem einzigen Beweggrund ergreifen, die Ehre Gottes zu fördern, treten wahrhaft durch die Tür in die Kirche ein.

Abschnitt 14. Dies darf jedoch nicht so verstanden werden, als verpflichte nicht dasselbe Gesetz alle Menschen gleichermaßen. Die Menschen sind geschaffen, Gott zu ehren, und dies sollen die Gläubigen insbesondere, die die Gnade der Taufe empfangen haben, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit aller Kraft tun.

Abschnitt 15. Diejenigen aber, die das Sakrament der Weihe zu empfangen wünschen, sollen nicht nur darauf abzielen, die Ehre Gottes in allen Dingen zu suchen — eine Pflicht, die zugegebenermaßen allen Menschen und insbesondere den Gläubigen gemeinsam ist —, sondern auch Ihm in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen, in welchem Bereich Seines Dienstes sie auch eingesetzt werden mögen. Gleichwie im Heer alle Soldaten den Befehlen des Feldherrn gehorchen, obwohl sie nicht alle dieselben Aufgaben zu erfüllen haben, der eine Hauptmann, der andere Befehlshaber, so sollen auch, obwohl alle Gläubigen die Frömmigkeit und Unschuld eifrig pflegen sollen, die die hauptsächlichen Mittel der Gottesverehrung sind, jene, die in den Heiligen Weihen stehen, gewisse besondere Pflichten und Aufgaben in der Kirche erfüllen. So bringen sie das Opfer dar für sich selbst und für das ganze Volk; sie legen das Gesetz Gottes aus und ermahnen und bilden die Gläubigen, es bereitwillig und freudig zu befolgen; sie spenden die Sakramente Christi, unseres Herrn, durch welche alle Gnade verliehen und vermehrt wird; und, mit einem Wort, sie sind vom übrigen Volk abgesondert, um den bei weitem größten und edelsten aller Dienste zu versehen.

Abschnitt 16. Die zweifache durch dieses Sakrament verliehene Vollmacht — Nachdem der Seelsorger all dies erklärt hat, soll er nun seine Aufmerksamkeit den besonderen Eigenschaften dieses Sakramentes zuwenden, damit die Gläubigen, die in den geistlichen Stand einzutreten wünschen, die Natur des Amtes verstehen, zu dem sie berufen sind, und den Umfang der Vollmacht, die Gott der Kirche und ihren Dienern verliehen hat.

Abschnitt 17. Diese Vollmacht ist eine zweifache: die Weihegewalt und die Jurisdiktionsgewalt. Die Weihegewalt hat zum Gegenstand den wahren Leib Christi, unseres Herrn, in der heiligsten Eucharistie. Die Jurisdiktionsgewalt bezieht sich ganz und gar auf den mystischen Leib Christi. Der Zweck dieser Gewalt ist es, das christliche Volk zu regieren und zu leiten und es zur ewigen Seligkeit des Himmels zu führen.

Abschnitt 18. Die Weihegewalt — Die Weihegewalt umfasst nicht nur die Vollmacht, die Eucharistie zu konsekrieren, sondern befähigt und bereitet auch die Seelen der Menschen auf ihren Empfang vor. Sie umfasst auch alles andere, was irgendeinen Bezug zur Eucharistie haben kann. Hierzu können zahlreiche Stellen der Heiligen Schrift angeführt werden; doch die gewichtigsten und eindrucksvollsten sind jene, die bei Johannes und Matthäus zu lesen sind: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch, spricht unser Herr. ... Empfanget den Heiligen Geist; welchen ihr die Sünden nachlasst, denen sind sie nachgelassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten; und: Amen, ich sage euch, was immer ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein; und was immer ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Diese Texte werden, wenn sie von den Seelsorgern gemäß der Lehre und Autorität der Väter ausgelegt werden, großes Licht auf diese Wahrheit werfen.

Abschnitt 19. Größe dieser Vollmacht — Diese Vollmacht übertrifft bei weitem jene, die unter dem Naturgesetz gewissen Personen verliehen war, die mit heiligen Dingen betraut waren. Die Zeit vor dem geschriebenen Gesetz muss ihr Priestertum und ihre geistliche Vollmacht gehabt haben, da es gewiss ist, dass sie ihr Gesetz hatte; denn diese beiden, wie der Apostel bezeugt, sind so eng miteinander verbunden, dass, wenn das Priestertum übertragen wird, notwendigerweise auch das Gesetz übertragen werden muss. Geleitet also vom natürlichen Instinkt erkannten die Menschen, dass Gott anzubeten ist; und daraus folgt, dass in jedem Volk einige, deren Vollmacht in gewissem Sinne geistlich genannt werden könnte, mit der Sorge für die heiligen Dinge und den Gottesdienst betraut wurden.

Abschnitt 20. Diese Vollmacht besaßen auch die Juden; aber obwohl sie an Würde jener überlegen war, mit der die Priester unter dem Naturgesetz bekleidet waren, muss sie doch als weit geringer angesehen werden als die geistliche Vollmacht, die sich im Neuen Bund findet. Denn diese ist himmlisch und übersteigt alle Macht der Engel; sie leitet sich nicht vom mosaischen Priestertum her, sondern von Christus, unserem Herrn, der ein Priester war nicht nach der Ordnung Aarons, sondern nach der Ordnung des Melchisedech. Denn Er ist es, der, selbst mit der höchsten Vollmacht begabt, Gnade zu verleihen und Sünden zu vergeben, Seiner Kirche diese Vollmacht hinterlassen hat, obwohl Er sie im Umfang begrenzte und an die Sakramente knüpfte.

Abschnitt 21. Namen dieses Sakramentes — Um daher diese Vollmacht auszuüben, werden bestimmte Diener bestellt und feierlich geweiht, welche Weihe das Sakrament der Weihe oder Heilige Ordination genannt wird. Die Väter gebrauchten dieses Wort, das an sich eine sehr umfassende Bedeutung hat, um die Würde und Erhabenheit der Diener Gottes zu zeigen.

Abschnitt 22. Tatsächlich ist Ordo, in seiner strengen Bedeutung und Auffassung verstanden, die Anordnung höherer und niederer Dinge, die so verfügt sind, dass sie in wechselseitiger Beziehung zueinander stehen. Da es nun in diesem Dienst viele Grade und verschiedene Aufgaben gibt und alle diese nach einem bestimmten Plan geordnet und angeordnet sind, wurde der Name Ordo mit Recht und Fug auf ihn angewandt.

Abschnitt 23. Die Heilige Weihe ist ein Sakrament — Dass die Heilige Ordination zu den Sakramenten der Kirche zu zählen ist, hat das Konzil von Trient mit derselben Beweisführung festgestellt, die wir bereits mehrmals angewandt haben. Da ein Sakrament ein Zeichen einer heiligen Sache ist und da die äußere Handlung bei dieser Weihe die Gnade und Vollmacht bezeichnet, die dem Geweihten verliehen wird, wird es klar ersichtlich, dass die Weihe wahrhaft und eigentlich als ein Sakrament angesehen werden muss. So überreicht der Bischof dem zu Weihenden einen Kelch mit Wein und Wasser und eine Patene mit Brot und spricht: Empfange die Vollmacht, das Opfer darzubringen usw. In diesen Worten, die zusammen mit der Anwendung der Materie gesprochen werden, hat die Kirche stets gelehrt, dass die Vollmacht verliehen wird, die Eucharistie zu konsekrieren, und dass der Seele ein Charakter eingeprägt wird, der die zur ordnungsgemäßen und würdigen Ausübung dieses Amtes notwendige Gnade mit sich bringt, wie der Apostel bezeugt: Ich ermahne dich, die Gnade Gottes wieder zu erwecken, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände; denn Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Abschnitt 24. Zahl der Weihestufen — Um nun die Worte des heiligen Konzils zu gebrauchen: Da der Dienst eines so erhabenen Priestertums eine ganz und gar göttliche Sache ist, war es nur angemessen, dass es zu seiner würdigeren und ehrfurchtvolleren Ausübung in der wohlgeordneten Verfassung der Kirche mehrere verschiedene Weihestufen von Dienern geben sollte, die dazu bestimmt sind, dem Priestertum kraft ihres Amtes zu dienen — Weihestufen, die so angeordnet sind, dass jene, die bereits die Tonsur empfangen haben, Stufe für Stufe von den niederen zu den höheren Weihen emporsteigen sollen.

Abschnitt 25. Es soll daher gelehrt werden, dass diese Weihestufen sieben an der Zahl sind und dass dies die beständige Lehre der katholischen Kirche gewesen ist. Diese Weihestufen sind die des Ostiariers, des Lektors, des Exorzisten, des Akolythen, des Subdiakons, des Diakons und des Priesters.

Abschnitt 26. Dass die Zahl der Diener in weiser Weise so festgesetzt wurde, kann durch die Betrachtung der verschiedenen Dienste bewiesen werden, die für die Feier des Heiligen Messopfers und die Konsekration und Spendung der heiligsten Eucharistie notwendig sind, da dies der hauptsächliche Zweck ihrer Einsetzung ist.

Abschnitt 27. Sie werden in höhere oder heilige und niedere Weihen eingeteilt. Die höheren oder heiligen Weihen sind das Priestertum, der Diakonat und der Subdiakonat; während die niederen Weihen die des Akolythen, des Exorzisten, des Lektors und des Ostiariers sind. Über jede einzelne von ihnen werden wir nun einige Worte sagen, damit der Seelsorger sie besonders jenen erklären kann, von denen er weiß, dass sie eine der betreffenden Weihen empfangen werden.

Abschnitt 28. Die Tonsur — Am Anfang soll zuerst die Tonsur erklärt werden, und es soll gezeigt werden, dass sie eine Art Vorbereitung auf den Empfang der Weihen darstellt. Wie die Menschen durch die Exorzismen auf die Taufe und durch die Verlobung auf die Ehe vorbereitet werden, so wird jenen, die sich durch die Tonsur Gott weihen, der Weg eröffnet, der zum Sakrament der Weihe führt; denn durch das Abschneiden der Haare wird der Charakter und die Gesinnung dessen bezeichnet, der sich dem heiligen Dienst zu widmen wünscht.

Abschnitt 29. Der Name „Kleriker" — Was den Namen Kleriker betrifft, der ihm dann zum ersten Mal gegeben wird, so leitet er sich daher ab, dass er damit beginnt, den Herrn als sein Los und sein Erbe zu nehmen, gerade so wie jene, die bei den Juden dem Dienst Gottes zugeordnet waren, vom Herrn verboten bekamen, irgendeinen Anteil am Land zu haben, das im Land der Verheißung verteilt werden sollte: Ich, sprach Er, bin dein Anteil und dein Erbe. Und obwohl diese Worte von allen Gläubigen wahr sind, so ist es doch gewiss, dass sie in besonderer Weise auf jene zutreffen, die sich dem Dienst Gottes weihen.

Abschnitt 30. Ursprung und Bedeutung der Tonsur — Das Haupthaar wird in Form einer Krone abgeschnitten. Es soll stets so getragen werden, und die Tonsur soll vergrößert werden, je nachdem man zu höheren Weihen aufsteigt.

Abschnitt 31. Die Kirche lehrt, dass dieser Brauch apostolischen Ursprungs ist, da seiner die ältesten und angesehensten Väter Erwähnung tun, wie der heilige Dionysius Areopagita, der heilige Augustinus und der heilige Hieronymus.

Abschnitt 32. Es wird gesagt, dass der Apostelfürst diesen Brauch zuerst eingeführt hat zum Gedenken an die Dornenkrone, die unserem Heiland aufs Haupt gesetzt wurde, damit die von den Gottlosen zur Schmach und Qual Christi ersonnenen Mittel von Seinen Aposteln als Zeichen der Ehre und des Ruhmes verwendet würden, sowie um anzuzeigen, dass die Diener der Kirche danach streben sollen, Christus, unserem Herrn, ähnlich zu werden und Ihn in allem darzustellen.

Abschnitt 33. Einige behaupten jedoch, dass durch die Tonsur die königliche Würde bezeichnet werde, das heißt der Anteil, der besonders jenen vorbehalten ist, die zum Erbe des Herrn berufen sind. Es wird leicht ersichtlich, dass das, was der Apostel Petrus von allen Gläubigen sagt: Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, besonders und mit viel größerem Recht auf die Diener der Kirche zutrifft.

Abschnitt 34. Wieder andere sind der Meinung, dass durch den Kreis, der die vollkommenste aller Figuren ist, das Bekenntnis zu einem vollkommeneren Leben bezeichnet werde, das von den Geistlichen übernommen wird; während andere, angesichts der Tatsache, dass das Haupthaar, das eine Art körperlicher Überfluss ist, abgeschnitten wird, meinen, es bezeichne die Verachtung äußerer Dinge und die Loslösung der Seele von allen menschlichen Sorgen.

Abschnitt 35. Der Ostiarier — Nach der Tonsur ist es üblich, zur ersten Weihestufe aufzusteigen, die des Ostiariers. Die Aufgabe des Ostiariers ist es, die Schlüssel und Türen der Kirche zu hüten und niemandem Einlass zu gewähren, dem der Zutritt verwehrt ist. Ehemals pflegte der Ostiarier beim Heiligen Messopfer mitzuwirken, um darauf zu achten, dass niemand dem Altar zu nahe kam oder den Priester bei der Feier der göttlichen Geheimnisse störte. Ihm wurden auch noch andere Pflichten übertragen, wie aus den bei seiner Ordination gebrauchten Zeremonien ersichtlich ist.

Abschnitt 36. So nimmt der Bischof die Schlüssel vom Altar, übergibt sie dem, der zum Ostiarier geweiht wird, und spricht: Führe dich so, als müsstest du vor Gott Rechenschaft ablegen für die Dinge, die unter diesen Schlüsseln verwahrt werden.

Abschnitt 37. Wie groß die Würde dieser Weihestufe in der alten Kirche war, lässt sich aus einem Brauch schließen, der in der Kirche bis in diese Zeiten besteht. Denn das Amt des Schatzmeisters, das noch immer zu den ehrenvolleren Aufgaben der Kirche gezählt wird, war den Ostiariern anvertraut und schloss auch die Hut der Sakristei ein.

Abschnitt 38. Der Lektor — Die zweite Weihestufe ist das Amt des Lektors, dessen Pflicht es ist, die Bücher des Alten und des Neuen Testamentes in der Kirche mit klarer und deutlicher Stimme vorzulesen, insbesondere jene, die während der nächtlichen Psalmodie gelesen werden. Ehemals war es auch seine Pflicht, den Gläubigen die ersten Anfangsgründe der christlichen Religion zu lehren.

Abschnitt 39. Daher spricht der Bischof bei seiner Ordination in Gegenwart des Volkes, indem er ihm ein Buch überreicht, in dem alles verzeichnet ist, was dieses Amt betrifft: Nimm hin und sei ein Verkünder des Wortes Gottes; wenn du dein Amt treu und fruchtbringend versehest, so wirst du Anteil haben mit jenen, die von Anbeginn das Wort Gottes wohl verwaltet haben.

Abschnitt 40. Der Exorzist — Die dritte Weihestufe ist die der Exorzisten, denen die Vollmacht gegeben ist, den Namen des Herrn über denen anzurufen, die von unreinen Geistern besessen sind. Daher überreicht der Bischof bei ihrer Ordination einem jeden ein Buch, in dem die Exorzismen enthalten sind, und spricht zugleich die folgenden Worte: Nimm hin und präge es deinem Gedächtnis ein, und habe die Vollmacht, die Hände aufzulegen über Besessene, seien sie getauft oder Katechumenen.

Abschnitt 41. Der Akolyth — Die vierte Weihestufe ist die der Akolythen, und es ist die letzte jener Weihen, die niedere und nicht heilige genannt werden. Ihre Pflicht ist es, den Dienern der höheren Weihen, das heißt dem Diakon und dem Subdiakon, beim Altaropfer zu dienen und beizustehen. Sie tragen und betreuen auch die Lichter während der Feier des Heiligen Messopfers, besonders während der Lesung des Evangeliums, weswegen sie auch Kerzenträger genannt werden.

Abschnitt 42. Bei der Ordination der Akolythen beachtet der Bischof daher folgenden Ritus: Zunächst belehrt er sie sorgfältig über die Natur ihres Amtes; dann überreicht er jedem von ihnen ein Licht und spricht: Empfange diesen Leuchter und diese Kerze, und bedenke, dass dir von nun an die Sorge obliegt, die Kerzen der Kirche anzuzünden, im Namen des Herrn. Dann überreicht er ihnen leere Messkännchen, in denen der Wein und das Wasser für das Opfer dargebracht werden, und spricht: Empfange diese Kännchen, um Wein und Wasser für die Eucharistie des Blutes Christi darzureichen, im Namen des Herrn.

Abschnitt 43. Der Subdiakon — Von den niederen Weihen, die nicht heilig sind und von denen wir bisher gesprochen haben, steigt man rechtmäßig zu den höheren und heiligen Weihen empor.

Abschnitt 44. Der Subdiakonat ist nun die erste Stufe der höheren Weihen. Seine Aufgabe, wie der Name selbst andeutet, ist es, dem Diakon am Altar zu dienen. Es ist der Subdiakon, der die Altartücher, die Gefäße und das Brot und den Wein vorbereiten soll, die für die Feier des Heiligen Messopfers notwendig sind. Er reicht auch dem Bischof oder Priester das Wasser, wenn dieser sich beim Messopfer die Hände wäscht. Der Subdiakon liest jetzt auch die Epistel, die in früheren Zeiten vom Diakon bei der Messe gelesen wurde. Er wirkt als Zeuge beim Heiligen Messopfer mit und wacht darüber, dass der Zelebrant von niemandem während der heiligen Zeremonien gestört werde.

Abschnitt 45. Die verschiedenen Pflichten, die dem Subdiakon zukommen, werden durch die feierlichen Zeremonien angedeutet, die bei seiner Ordination gebraucht werden. Zunächst mahnt der Bischof ihn, dass mit dieser Weihestufe die Verpflichtung zur ewigen Enthaltsamkeit verbunden ist, und erklärt, dass niemand unter die Subdiakone aufgenommen werden soll, der nicht bereit und willens ist, die betreffende Verpflichtung anzunehmen. Sodann zählt der Bischof nach der feierlichen Rezitation der Litaneien die Pflichten und Aufgaben des Subdiakons auf und erklärt sie. Daraufhin empfängt jeder der zu Weihenden den Kelch und die heilige Patene aus der Hand des Bischofs; und um zu zeigen, dass er dem Diakon zu dienen hat, empfängt der Subdiakon vom Archidiakon mit Wein und Wasser gefüllte Messkännchen samt einem Becken und Handtuch zum Waschen und Trocknen der Hände. Zugleich spricht der Bischof folgende Worte: Sieh, was für ein Dienst dir anvertraut wird; ich ermahne dich daher, dich so zu erweisen, dass du Gott wohlgefällig bist. Weitere Gebete folgen, und schließlich, nachdem der Bischof den Subdiakon mit den heiligen Gewändern bekleidet hat, für deren jedes besondere Worte und Zeremonien vorgesehen sind, überreicht er ihm das Buch der Episteln und spricht: Empfange das Buch der Episteln mit der Vollmacht, sie in der Heiligen Kirche Gottes vorzulesen, sowohl für die Lebenden als auch für die Verstorbenen.

Abschnitt 46. Der Diakon — Die zweite Stufe der heiligen Weihen ist die des Diakons, dessen Aufgaben weit umfangreicher sind und stets als heiliger angesehen wurden. Seine Pflicht ist es, stets an der Seite des Bischofs zu sein, ihn beim Predigen zu begleiten, ihm und dem Priester bei der Feier der göttlichen Geheimnisse sowie bei der Spendung der Sakramente zu dienen und beim Heiligen Messopfer das Evangelium zu lesen. In früheren Zeiten ermahnte er häufig die Gläubigen, den heiligen Geheimnissen aufmerksam beizuwohnen; er spendete das Blut des Herrn in jenen Kirchen, in denen es Brauch war, dass die Gläubigen die Eucharistie unter beiden Gestalten empfingen; und ihm war die Verteilung der Kirchengüter anvertraut sowie die Pflicht, für alles zu sorgen, was ein jeder zum Lebensunterhalt benötigte. Dem Diakon als dem Auge des Bischofs kommt es auch zu, zu sehen, wer in der Stadt ein gutes und heiliges Leben führt und wer nicht, wer zu den bestimmten Zeiten beim Heiligen Messopfer und bei den Predigten anwesend ist und wer nicht, damit er über alle dem Bischof Rechenschaft ablegen kann und ihn in den Stand setzt, einen jeden insgeheim zu ermahnen und zu beraten oder öffentlich zurechtzuweisen und zu bessern, je nachdem es ihm nützlicher erscheinen mag. Er soll auch die Liste der Katechumenen vorlesen und dem Bischof jene vorstellen, die zu den Weihen zugelassen werden sollen. Schließlich kann er in Abwesenheit eines Bischofs oder Priesters das Evangelium erklären, aber nicht von der Kanzel aus, um so erkennen zu lassen, dass dies nicht sein eigentliches Amt ist.

Abschnitt 47. Der Apostel zeigt die große Sorgfalt, die darauf verwendet werden soll, dass kein Unwürdiger zum Diakonat befördert werde, wenn er in seinem Brief an Timotheus den Charakter, die Tugenden und die Unbescholtenheit eines Diakons darlegt. Derselbe Punkt ergibt sich auch aus den Riten und feierlichen Zeremonien, die der Bischof bei seiner Ordination gebraucht. Der Bischof verwendet bei der Ordination eines Diakons zahlreichere und feierlichere Gebete als bei der eines Subdiakons, und er fügt auch andere Arten heiliger Gewänder hinzu. Überdies legt er ihm die Hände auf, gerade so, wie wir lesen, dass die Apostel es bei der Ordination der ersten Diakone zu tun pflegten. Schließlich überreicht er ihm das Buch der Evangelien mit den Worten: Empfange die Vollmacht, das Evangelium in der Kirche Gottes vorzulesen, sowohl für die Lebenden als auch für die Verstorbenen, im Namen des Herrn.

Abschnitt 48. Der Priester — Die dritte und höchste Stufe aller heiligen Weihen ist das Priestertum. Die Väter der ersten Jahrhunderte pflegten jene, die diese Weihe empfangen hatten, gewöhnlich mit zwei Namen zu bezeichnen. Bald nannten sie sie Presbyter — ein griechisches Wort, das Älteste bedeutet —, nicht nur wegen des reifen Alters, das für diese Weihe sehr notwendig ist, sondern viel mehr wegen ihrer Würde, ihres Wissens und ihrer Klugheit; denn es steht geschrieben: Ein ehrwürdiges Alter besteht nicht in langer Lebenszeit und wird nicht nach der Zahl der Jahre bemessen; sondern die Einsicht eines Mannes ist graues Haar, und ein unbescholtenes Leben ist wahres Alter. Bald nannten sie sie Priester, sowohl weil sie Gott geweiht sind als auch weil es ihnen zukommt, die Sakramente zu spenden und die heiligen und göttlichen Dinge zu verwalten.

Abschnitt 49. Das zweifache Priestertum — Da aber die Heilige Schrift ein zweifaches Priestertum beschreibt, ein inneres und ein äußeres, wird es notwendig sein, von jedem eine klare Vorstellung zu haben, damit die Seelsorger die Natur des hier erörterten Priestertums erklären können.

Abschnitt 50. Das innere Priestertum — Was das innere Priestertum betrifft, so werden alle Gläubigen Priester genannt, sobald sie im heilbringenden Wasser der Taufe gewaschen worden sind. Besonders wird dieser Name den Gerechten gegeben, die den Geist Gottes besitzen und die mit Hilfe der göttlichen Gnade zu lebendigen Gliedern des großen Hohepriesters Jesus Christus geworden sind; denn, erleuchtet durch den Glauben, der von der Liebe entflammt ist, bringen sie auf dem Altar ihres Herzens Gott geistliche Opfer dar. Zu diesen Opfern muss jede gute und tugendhafte Tat gezählt werden, die zur Ehre Gottes geschieht.

Abschnitt 51. Daher lesen wir in der Offenbarung: Christus hat uns von unseren Sünden gewaschen in Seinem eigenen Blut und hat uns zu einem Königreich und zu Priestern Gottes und Seines Vaters gemacht. In gleicher Weise sprach der Apostelfürst: Lasst auch ihr euch als lebendige Steine aufbauen zu einem geistigen Haus, zu einem heiligen Priestertum, um geistige Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus; während der Apostel uns ermahnt, unsere Leiber als lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen, als euren vernünftigen Gottesdienst. Und lange zuvor hatte David gesagt: Ein Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist; ein zerknirschtes und demütiges Herz, o Gott, wirst du nicht verachten. All dies betrifft das innere Priestertum.

Abschnitt 52. Das äußere Priestertum — Das äußere Priestertum hingegen kommt nicht der Gesamtheit der Gläubigen zu, sondern nur bestimmten Männern, die durch die rechtmäßige Handauflegung und die feierlichen Zeremonien der heiligen Kirche Gott geweiht und konsekriert worden sind und dadurch einem besonderen heiligen Dienst gewidmet werden.

Abschnitt 53. Dieser Unterschied des Priestertums lässt sich schon im Alten Bund erkennen. Dass David vom inneren Priestertum sprach, haben wir soeben gezeigt. Andererseits kennt jedermann die vielen und verschiedenen Vorschriften, die der Herr Moses und Aaron bezüglich des äußeren Priestertums gab. Zugleich bestellte Er den ganzen Stamm Levi zum Dienst am Tempel, und Er verbot durch das Gesetz, dass irgendjemand, der einem anderen Stamm angehörte, es wagte, sich in dieses Amt einzudrängen. Darum wurde König Usija vom Herrn mit Aussatz geschlagen, weil er das priesterliche Amt angemaßt hatte, und musste schwere Strafen für seinen Hochmut und sein Sakrileg erleiden.

Abschnitt 54. Da nun derselbe Unterschied eines zweifachen Priestertums auch im Neuen Bund zu bemerken ist, sollen die Gläubigen darauf hingewiesen werden, dass das, was wir jetzt darlegen werden, jenes äußere Priestertum betrifft, das bestimmten besonderen Personen übertragen wird. Dieses allein gehört zum Sakrament der Heiligen Weihe.

Abschnitt 55. Aufgaben des Priestertums — Das Amt des Priesters ist es also, Gott das Opfer darzubringen und die Sakramente der Kirche zu spenden. Dies wird durch die bei seiner Ordination gebrauchten Zeremonien selbst bewiesen. Bei der Priesterweihe legt der Bischof ihm zunächst die Hände auf, wie es auch alle anderen anwesenden Priester tun. Dann legt er ihm die Stola auf die Schultern und ordnet sie über seiner Brust in Kreuzesform an und erklärt damit, dass der Priester mit Kraft aus der Höhe bekleidet wird, die ihn befähigt, das Kreuz Christi, unseres Herrn, und das süße Joch des göttlichen Gesetzes zu tragen und dieses Gesetz nicht nur durch Worte, sondern auch durch das Beispiel eines höchst heiligen und tugendhaften Lebens einzuschärfen.

Abschnitt 56. Darauf salbt er ihm die Hände mit heiligem Öl und überreicht ihm sodann den Kelch mit Wein und die Patene mit einer Hostie und spricht dabei: Empfange die Vollmacht, Gott das Opfer darzubringen und Messen zu feiern, sowohl für die Lebenden als auch für die Verstorbenen. Durch diese Worte und Zeremonien wird der Priester zum Mittler und Fürsprecher zwischen Gott und den Menschen bestellt, was fürwahr als die hauptsächliche Aufgabe des Priestertums angesehen werden muss.

Abschnitt 57. Zuletzt legt er zum zweiten Mal seine Hände auf das Haupt des Geweihten und spricht: Empfange den Heiligen Geist; welchen du die Sünden nachlässt, denen sind sie nachgelassen, und welchen du sie behältst, denen sind sie behalten — und teilt ihm so jene göttliche Vollmacht, Sünden zu vergeben und zu behalten, mit, die von unserem Herrn Seinen Jüngern verliehen wurde. Dies also sind die besonderen und hauptsächlichen Aufgaben der priesterlichen Weihestufe.

Abschnitt 58. Die Priester — Obwohl nun die priesterliche Weihestufe eine einzige ist, hat sie doch verschiedene Grade der Würde und Vollmacht. Der erste Grad ist der jener, die einfach Priester genannt werden und von deren Aufgaben wir bisher gesprochen haben.

Abschnitt 59. Die Bischöfe — Der zweite Grad ist der der Bischöfe, die über die verschiedenen Diözesen gesetzt sind, um nicht nur die anderen Diener der Kirche, sondern auch die Gläubigen zu leiten und ihr Heil mit höchster Wachsamkeit und Sorgfalt zu fördern. Daher werden sie in der Heiligen Schrift oft Hirten der Schafe genannt. Ihr Amt und ihre Pflicht hat der heilige Paulus in seiner Rede an die Epheser trefflich beschrieben, wie wir in der Apostelgeschichte lesen; und auch der heilige Petrus, der Apostelfürst, hat eine göttliche Richtschnur für die Ausübung des bischöflichen Amtes gegeben. Und wenn die Bischöfe danach streben, ihre Handlungen nach dieser Richtschnur auszurichten, kann kein Zweifel bestehen, dass sie gute Hirten sein und auch als solche geschätzt werden. Die Bischöfe werden auch Pontifizes genannt. Dieser Name leitet sich von den Heiden her, die so ihre Oberpriester bezeichneten.

Abschnitt 60. Die Erzbischöfe — Der dritte Grad ist der der Erzbischöfe, die einer Anzahl von Bischöfen vorstehen und Metropoliten genannt werden, weil sie Bischöfe jener Städte sind, die als die Hauptstadt ihrer jeweiligen Kirchenprovinzen gelten. Daher genießen sie eine größere Würde und umfassendere Vollmacht als die Bischöfe, obwohl ihre Ordination dieselbe ist.

Abschnitt 61. Die Patriarchen — Im vierten Grad stehen die Patriarchen, das heißt die ersten und höchsten der Väter. Ehemals gab es in der Gesamtkirche außer dem Römischen Pontifex nur vier Patriarchen, die jedoch nicht gleicher Würde waren. So erlangte Konstantinopel, obwohl es die patriarchalische Ehre erst nach allen anderen erreichte, dennoch einen höheren Rang wegen seiner Eigenschaft als Hauptstadt des Reiches. An nächster Stelle im Rang stand der Patriarch von Alexandria, dessen Kirche vom heiligen Evangelisten Markus auf Befehl des Apostelfürsten gegründet worden war. Der dritte war der von Antiochien, wo Petrus seinen ersten Sitz aufschlug. Zuletzt der von Jerusalem, ein Sitz, der zuerst von Jakobus, dem Bruder unseres Herrn, geleitet wurde.

Abschnitt 62. Der Papst — Über alle diese hat die katholische Kirche stets den Obersten Pontifex von Rom gestellt, den Cyrill von Alexandria im Konzil von Ephesus den Oberbischof, Vater und Patriarchen der ganzen Welt nannte. Er sitzt auf jenem Stuhl Petri, auf dem ohne jeden Schatten eines Zweifels der Apostelfürst bis zum Ende seiner Tage saß, und daher erkennt die Kirche in ihm den höchsten Grad der Würde und eine Universalität der Jurisdiktion, die nicht von den Beschlüssen der Menschen oder der Konzilien, sondern von Gott selbst herrührt. Daher ist er der Vater und Führer aller Gläubigen, aller Bischöfe und aller Prälaten, wie hoch auch immer ihre Vollmacht und ihr Amt sein mögen; und als Nachfolger des heiligen Petrus, als wahrer und rechtmäßiger Stellvertreter Christi, unseres Herrn, regiert er die gesamte Kirche.

Abschnitt 63. Aus dem Gesagten sollen die Seelsorger daher lehren, welches die hauptsächlichen Pflichten und Aufgaben der verschiedenen kirchlichen Weihestufen und Grade sind und wer der Spender dieses Sakramentes ist.

Abschnitt 64. Der Spender der Heiligen Weihe — Ohne jeden Zweifel kommt die Spendung der Weihen dem Bischof zu, wie leicht durch die Autorität der Heiligen Schrift, durch die sicherste Überlieferung, durch das Zeugnis aller Väter, durch die Beschlüsse der Konzilien und durch den Brauch und die Praxis der heiligen Kirche bewiesen werden kann.

Abschnitt 65. Es ist zwar einigen Äbten gelegentlich die Erlaubnis erteilt worden, jene Weihen zu spenden, die niedere und nicht heilige sind; doch besteht keinerlei Zweifel, dass es das eigentliche Amt des Bischofs und des Bischofs allein ist, die heiligen oder höheren Weihen zu erteilen.

Abschnitt 66. Um Subdiakone, Diakone und Priester zu weihen, genügt ein Bischof; doch werden gemäß einer apostolischen Überlieferung, die in der Kirche stets beachtet worden ist, die Bischöfe von drei Bischöfen konsekriert.

Abschnitt 67. Der Empfänger der Heiligen Weihe — Wir kommen nun dazu, anzugeben, wer geeignet ist, dieses Sakrament zu empfangen, insbesondere die Priesterweihe, und welches die hauptsächlichen Voraussetzungen sind, die von ihnen verlangt werden.

Abschnitt 68. Aus dem, was wir über die für das Priestertum erforderlichen Voraussetzungen darlegen werden, wird es leicht sein zu bestimmen, was bei der Erteilung der anderen Weihen zu beachten ist, unter gebührender Berücksichtigung des Amtes und der Würde einer jeden. Die äußerste Vorsicht, die bei der Spendung dieses Sakramentes angewandt werden soll, ergibt sich aus der Tatsache, dass, während alle anderen Sakramente dem Empfänger Gnade zu seinem eigenen Gebrauch und seiner Heiligung verleihen, derjenige hingegen, der die Heilige Weihe empfängt, der himmlischen Gnade gerade deshalb teilhaftig wird, damit er durch seinen Dienst das Wohl der Kirche und damit der ganzen Menschheit fördere.

Abschnitt 69. Daraus verstehen wir leicht, warum die Weihen nur an bestimmten Tagen stattfinden, an denen überdies gemäß einer sehr alten Praxis der katholischen Kirche ein feierliches Fasten angeordnet wird, damit durch heiliges und inbrünstiges Gebet die Gläubigen von Gott Diener erlangen, die wohl befähigt sind, die Vollmacht eines so großen Dienstes ordnungsgemäß und zum Nutzen der Kirche auszuüben.

Abschnitt 70. Heiligkeit des Lebens — Die wichtigste und notwendigste Eigenschaft, die von dem verlangt wird, der zum Priester geweiht werden soll, ist, dass er sich durch Unbescholtenheit des Lebens und der Sitten empfehle: erstens weil jemand, der seine Weihe veranlasst oder zulässt, während er sich einer Todsünde bewusst ist, sich eines neuen und ungeheuren Verbrechens schuldig macht; und zweitens weil der Priester verpflichtet ist, anderen das Beispiel eines heiligen und unschuldigen Lebens zu geben.

Abschnitt 71. In diesem Zusammenhang sollen die Seelsorger die Regeln darlegen, die der Apostel an Titus und Timotheus richtete, und er soll auch erklären, dass jene körperlichen Mängel, die nach dem Gebot des Herrn im Alten Bund vom Dienst am Altar ausschlossen, im Neuen Bund größtenteils von den Gebrechen der Seele verstanden werden müssen. Deshalb hat sich in der Kirche der heilige Brauch eingebürgert, dass, wer zu den Weihen zugelassen werden will, zuvor große Sorgfalt darauf verwende, sein Gewissen im Sakrament der Buße zu reinigen.

Abschnitt 72. Angemessenes Wissen — Zweitens wird vom Priester nicht nur jenes Wissen verlangt, das den Gebrauch und die Spendung der Sakramente betrifft; er soll auch in der Wissenschaft der Heiligen Schrift bewandert sein, um das Volk in den Geheimnissen des christlichen Glaubens und den Geboten des göttlichen Gesetzes unterweisen, es zur Frömmigkeit und Tugend anleiten und es von der Sünde zurückrufen zu können.

Abschnitt 73. Die Pflichten des Priesters sind zweifacher Art. Die erste besteht darin, die Sakramente recht zu konsekrieren und zu spenden; die zweite darin, das ihm anvertraute Volk in allem zu unterweisen, was es wissen oder tun muss, um gerettet zu werden. Daher die Worte des Propheten Malachias: Die Lippen des Priesters sollen Erkenntnis bewahren, und sie sollen das Gesetz an seinem Munde suchen; denn er ist der Bote des Herrn der Heerscharen.

Abschnitt 74. Um nun die erste dieser Pflichten zu erfüllen, genügt es, dass er mit einem mäßigen Maß an Wissen ausgestattet ist. Was die zweite betrifft, so wird nicht ein bloß gewöhnliches, sondern ein ganz besonderes Wissen verlangt. Zugleich ist jedoch zu bedenken, dass ein tiefes Wissen in schwierigen Fragen nicht von allen Priestern in gleichem Grade gefordert wird. Es genügt, dass jeder alles weiß, was für die Ausübung seines Amtes und seines Dienstes notwendig ist.

Abschnitt 75. Kanonische Eignung — Dieses Sakrament soll nicht Kindern gespendet werden, auch nicht Geisteskranken oder Wahnsinnigen, weil ihnen der Gebrauch der Vernunft fehlt. Sollte es ihnen jedoch gespendet werden, so müssen wir ohne Zögern glauben, dass der sakramentale Charakter ihrer Seele eingeprägt wird. Was das genaue Alter betrifft, das für den Empfang der verschiedenen Weihen erforderlich ist, so wird man es leicht in den Dekreten des Konzils von Trient finden.

Abschnitt 76. Auch Sklaven sind ausgeschlossen. Wer nicht sein eigener Herr ist und in der Gewalt eines anderen steht, soll nicht dem göttlichen Dienst geweiht werden.

Abschnitt 77. Auch Totschläger und Blutbefleckte werden zurückgewiesen, weil sie durch ein Gesetz der Kirche ausgeschlossen und für irregulär erklärt werden.

Abschnitt 78. Dasselbe ist von den unehelich Geborenen und von allen zu sagen, die nicht in rechtmäßiger Ehe geboren sind. Es ist nur recht, dass jene, die dem göttlichen Dienst geweiht werden, nichts an sich haben, was sie dem wohlverdienten Spott oder der Verachtung anderer aussetzen könnte.

Abschnitt 79. Schließlich sollen jene nicht zugelassen werden, die merklich verstümmelt oder missgestaltet sind. Ein solcher Mangel oder eine solche Missbildung kann nicht anders, als das Auge zu beleidigen und der ordnungsgemäßen Spendung der Sakramente im Wege zu stehen.

Abschnitt 80. Wirkungen der Heiligen Weihe — Nachdem dies erklärt worden ist, bleibt es nun den Seelsorgern, die Wirkungen dieses Sakramentes darzulegen. Es ist offenkundig, dass das Sakrament der Weihe, obwohl es, wie bereits erklärt, hauptsächlich auf das Wohl und die Schönheit der Kirche ausgerichtet ist, dennoch auch der Seele des Geweihten die Gnade der Heiligung verleiht, die ihn zur ordnungsgemäßen Ausübung seiner Aufgaben und zur Spendung der Sakramente befähigt und würdig macht, auf dieselbe Weise, wie durch die Gnade der Taufe ein jeder befähigt wird, die anderen Sakramente zu empfangen.

Abschnitt 81. Eine weitere Gnade wird durch dieses Sakrament offensichtlich verliehen, nämlich eine besondere Vollmacht in Bezug auf das allerheiligste Sakrament der Eucharistie. Diese Vollmacht ist im Priester voll und vollkommen, weil er allein den Leib und das Blut unseres Herrn konsekrieren kann; doch ist sie in den niederen Dienern größer oder geringer, je nachdem ihr Dienst sich dem Sakrament des Altares nähert.

Abschnitt 82. Diese Vollmacht wird auch geistlicher Charakter genannt, weil die Geweihten von den übrigen Gläubigen durch ein gewisses inneres Merkmal unterschieden werden, das der Seele eingeprägt ist und durch das sie dem göttlichen Dienst geweiht werden. Es ist diese Gnade, die der Apostel im Auge gehabt zu haben scheint, als er an Timotheus schrieb: Vernachlässige nicht die Gnade, die in dir ist, die dir durch Weissagung verliehen wurde unter Handauflegung der Priesterschaft; und wiederum: Ich ermahne dich, die Gnade Gottes wieder zu erwecken, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände.

Abschnitt 83. Ermahnung — Soviel möge über das Sakrament der Weihe genügen. Wir haben uns darauf beschränkt, nur die Hauptpunkte darzulegen, die das Thema betreffen, um dem Seelsorger hinreichenden Stoff zu bieten, die Gläubigen zu unterweisen und sie zur christlichen Frömmigkeit anzuleiten.