39 Artikel der Kirche von England — Kapitel 6: Artikel XXIII–XXXI: Amt und Sakramente

Kapitel 6: Artikel XXIII–XXXI: Amt und Sakramente

Abschnitt 23. Artikel XXIII. Vom Dienst in der Gemeinde. Es ist keinem Menschen erlaubt, das Amt der öffentlichen Predigt oder der Verwaltung der Sakramente in der Gemeinde zu übernehmen, bevor er nicht rechtmäßig berufen und gesandt ist, dieses auszuführen. Und als rechtmäßig berufen und gesandt sollen wir diejenigen erachten, die von Männern erwählt und berufen werden, welche in der Gemeinde öffentliche Vollmacht haben, Diener in den Weinberg des Herrn zu berufen und zu senden.

Abschnitt 24. Artikel XXIV. Vom Reden in der Gemeinde in einer dem Volk verständlichen Sprache. Es ist eine dem Worte Gottes und dem Brauch der alten Kirche deutlich zuwiderlaufende Sache, den öffentlichen Gottesdienst in der Kirche abzuhalten oder die Sakramente in einer dem Volk unverständlichen Sprache zu spenden.

Abschnitt 25. Artikel XXV. Von den Sakramenten. Die von Christus eingesetzten Sakramente sind nicht bloße Zeichen oder Kennzeichen des christlichen Bekenntnisses, sondern vielmehr sichere Zeugnisse und wirksame Zeichen der Gnade und des göttlichen Wohlwollens gegen uns, durch welche Gott unsichtbar in uns wirkt und unseren Glauben an ihn nicht nur weckt, sondern auch stärkt und bestätigt. Es gibt zwei von Christus, unserem Herrn, im Evangelium eingesetzte Sakramente, nämlich die Taufe und das Abendmahl des Herrn. Jene fünf gemeinhin so genannten Sakramente, nämlich Firmung, Buße, Priesterweihe, Ehe und Letzte Ölung, sind nicht als Sakramente des Evangeliums zu zählen, da sie teils aus einer entstellten Nachahmung der Apostel hervorgegangen, teils Lebensstände sind, die in der Schrift gebilligt werden; doch haben sie nicht die gleiche Natur der Sakramente wie die Taufe und das Abendmahl, weil sie kein von Gott eingesetztes sichtbares Zeichen oder äußeres Zeremoniell aufweisen. Die Sakramente sind von Christus nicht dazu eingesetzt, angestaunt oder umhergetragen zu werden, sondern dass wir sie recht gebrauchen. Und nur in denen, die sie würdig empfangen, haben sie eine heilsame Wirkung; die aber, welche sie unwürdig empfangen, ziehen sich selbst die Verdammnis zu, wie der heilige Paulus sagt.

Abschnitt 26. Artikel XXVI. Von der Unwürdigkeit der Diener, welche die Wirkung der Sakramente nicht aufhebt. Obgleich in der sichtbaren Kirche die Bösen stets mit den Guten vermischt sind und zuweilen die Bösen die höchste Autorität in der Verwaltung des Wortes und der Sakramente innehaben, so dürfen wir dennoch ihren Dienst in Anspruch nehmen, sowohl beim Hören des Wortes Gottes als auch beim Empfang der Sakramente, da sie denselben nicht in ihrem eigenen Namen, sondern im Namen Christi verrichten und kraft seines Auftrags und seiner Vollmacht dienen. Weder wird die Wirkung der Einsetzung Christi durch ihre Schlechtigkeit aufgehoben, noch die Gnade der Götter Gottes für die vermindert, welche die ihnen gespendeten Sakramente im Glauben und recht empfangen; denn die Sakramente sind wirksam kraft der Einsetzung und Verheißung Christi, auch wenn sie von bösen Menschen gespendet werden. Nichtsdestoweniger gehört es zur Kirchenzucht, dass gegen böse Diener Untersuchung geführt und sie von denen angeklagt werden, die Kenntnis von ihren Verfehlungen haben; und wenn sie schließlich für schuldig befunden werden, sollen sie durch gerechtes Urteil abgesetzt werden.

Abschnitt 27. Artikel XXVII. Von der Taufe. Die Taufe ist nicht nur ein Zeichen des Bekenntnisses und ein Unterscheidungsmerkmal, wodurch die Christen von den Ungetauften unterschieden werden, sondern sie ist auch ein Zeichen der Wiedergeburt oder Neugeburt, wodurch, gleichsam als durch ein Werkzeug, die, welche die Taufe recht empfangen, in die Kirche eingepflanzt werden; die Verheißungen der Sündenvergebung und unserer Annahme zu Kindern Gottes durch den Heiligen Geist werden sichtbar bezeichnet und besiegelt; der Glaube wird bestätigt und die Gnade durch das Gebet zu Gott vermehrt. Die Kindertaufe ist in der Kirche durchaus beizubehalten, als dem Urchristentum und der Einsetzung Christi höchst gemäß.

Abschnitt 28. Artikel XXVIII. Vom Abendmahl des Herrn. Das Abendmahl des Herrn ist nicht nur ein Zeichen der Liebe, die Christen untereinander haben sollen, sondern vielmehr ein Sakrament unserer Erlösung durch den Tod Christi; so dass für die, welche es recht, würdig und gläubig empfangen, das Brot, das wir brechen, eine Teilhabe am Leib Christi ist, und ebenso der Kelch des Segens eine Teilhabe am Blut Christi ist. Die Transsubstantiation (oder die Wandlung der Substanz von Brot und Wein) im Abendmahl des Herrn kann aus der Heiligen Schrift nicht bewiesen werden, sondern widerstreitet den klaren Worten der Schrift, hebt das Wesen des Sakraments auf und hat Anlass zu vielerlei Aberglauben gegeben. Der Leib Christi wird im Abendmahl nur auf himmlische und geistliche Weise gegeben, genommen und gegessen. Und das Mittel, durch welches der Leib Christi im Abendmahl empfangen und gegessen wird, ist der Glaube. Das Sakrament des Abendmahls wurde nach der Einsetzung Christi nicht aufbewahrt, umhergetragen, emporgehoben oder angebetet.

Abschnitt 29. Artikel XXIX. Von den Gottlosen, die den Leib Christi beim Gebrauch des Abendmahls nicht essen. Die Gottlosen und solche, die eines lebendigen Glaubens bar sind, drücken zwar, obgleich sie leiblich und sichtbar das Sakrament des Leibes und Blutes Christi mit ihren Zähnen zermalmen (wie der heilige Augustinus sagt), so sind sie doch keineswegs Teilhaber Christi, sondern essen und trinken vielmehr zu ihrer Verdammnis das Zeichen oder Sakrament einer so großen Sache.

Abschnitt 30. Artikel XXX. Von beiderlei Gestalt. Der Kelch des Herrn ist den Laien nicht zu verweigern; denn beide Teile des Sakraments des Herrn sollen nach der Einsetzung und dem Gebot Christi allen Christen gleichermaßen gereicht werden.

Abschnitt 31. Artikel XXXI. Von dem einen Opfer Christi, am Kreuz vollbracht. Das einmal dargebrachte Opfer Christi ist jene vollkommene Erlösung, Versöhnung und Genugtuung für alle Sünden der ganzen Welt, die ursprünglichen wie die tatsächlichen; und es gibt keine andere Genugtuung für die Sünde als diese allein. Daher waren die Messopfer, bei denen man gemeinhin sagte, der Priester opfere Christus für die Lebenden und die Toten zur Vergebung von Strafe oder Schuld, lästerliche Fabeln und gefährliche Täuschungen.