Kapitel 18: Von der Gewissheit der Gnade und Erlösung
Abschnitt 1. Obwohl Heuchler und andere unwiedergeborene Menschen sich eitel mit falschen Hoffnungen und fleischlichen Anmaßungen täuschen mögen, in der Gunst Gottes und im Stand der Erlösung zu sein — welche Hoffnung vergehen wird — so können doch diejenigen, die wahrhaft an den Herrn Jesus glauben und ihn in Aufrichtigkeit lieben, die sich bemühen, vor ihm in allem guten Gewissen zu wandeln, in diesem Leben gewiss versichert sein, dass sie im Stand der Gnade sind, und sich der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes freuen, welche Hoffnung sie niemals beschämen wird.
Abschnitt 2. Diese Gewissheit ist keine bloße mutmaßliche und wahrscheinliche Überzeugung, gegründet auf eine fehlbare Hoffnung, sondern eine unfehlbare Gewissheit des Glaubens, gegründet auf die göttliche Wahrheit der Verheißungen der Erlösung, die innere Erfahrung jener Gnadengaben, denen diese Verheißungen gelten, das Zeugnis des Geistes der Kindschaft, der mit unseren Geistern bezeugt, dass wir Kinder Gottes sind; welcher Geist das Unterpfand unseres Erbes ist, wodurch wir versiegelt sind zum Tag der Erlösung.
Abschnitt 3. Diese unfehlbare Gewissheit gehört nicht so zum Wesen des Glaubens, dass ein wahrer Gläubiger nicht lange warten und mit vielen Schwierigkeiten kämpfen müsste, bevor er ihrer teilhaftig wird; doch kann er, vom Geist befähigt, die Dinge zu erkennen, die ihm von Gott frei geschenkt sind, ohne außerordentliche Offenbarung im rechten Gebrauch der gewöhnlichen Mittel dazu gelangen. Und darum ist es jedermanns Pflicht, allen Fleiß aufzuwenden, seine Berufung und Erwählung gewiss zu machen; damit dadurch sein Herz erweitert werde in Frieden und Freude im Heiligen Geist, in Liebe und Dankbarkeit gegen Gott und in Stärke und Freudigkeit in den Pflichten des Gehorsams, den eigentlichen Früchten dieser Gewissheit; so weit ist es davon entfernt, die Menschen zur Zügellosigkeit zu verleiten.
Abschnitt 4. Wahre Gläubige mögen die Gewissheit ihrer Erlösung auf verschiedene Weise erschüttert, gemindert und unterbrochen bekommen; durch Nachlässigkeit in ihrer Bewahrung; durch das Fallen in eine besondere Sünde, die das Gewissen verwundet und den Geist betrübt; durch eine plötzliche oder heftige Versuchung; dadurch, dass Gott das Licht seines Angesichts entzieht und auch diejenigen, die ihn fürchten, in Finsternis wandeln lässt, ohne Licht zu haben; doch sind sie niemals gänzlich jenes Samens Gottes und des Lebens des Glaubens entblößt, jener Liebe zu Christus und den Brüdern, jener Aufrichtigkeit des Herzens und jenes Pflichtbewusstseins, aus dem durch das Wirken des Geistes diese Gewissheit zu rechter Zeit wiederbelebt werden kann und durch die sie in der Zwischenzeit vor völliger Verzweiflung bewahrt werden.