Kapitel 1: Vorwort zum Römischen Katechismus
Abschnitt 1. KATECHISMUS DES KONZILS VON TRIENT FÜR PFARRER (Vorwort) — Herausgegeben auf Anordnung von Papst Pius V.
Abschnitt 2. Die Notwendigkeit religiöser Unterweisung — Es liegt in der Natur des menschlichen Geistes und Verstandes, dass er zwar durch sorgfältige und mühevolle Nachforschung von sich aus vieles andere erforscht und entdeckt hat, was zur Erkenntnis göttlicher Wahrheiten gehört; doch hätte er, allein vom natürlichen Licht geleitet, die meisten jener Dinge niemals erkennen oder begreifen können, durch welche das ewige Heil erlangt wird — das vornehmste Ziel der Erschaffung und Bildung des Menschen zum Bild und Gleichnis Gottes.
Abschnitt 3. Es ist wahr, dass die unsichtbaren Dinge Gottes seit Erschaffung der Welt, wie der Apostel lehrt, klar erkannt werden, indem sie aus den geschaffenen Dingen verstanden werden: seine ewige Macht und Gottheit. Aber das Geheimnis, das von Ewigkeiten und Geschlechtern verborgen war, übersteigt so sehr die Reichweite des menschlichen Verstandes, dass es, wäre es nicht von Gott seinen Heiligen offenbart worden, denen er durch die Gabe des Glaubens den Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Völkern kundtun wollte, welches Christus ist, der Mensch durch keine Anstrengung zu solcher Weisheit hätte gelangen können.
Abschnitt 4. Da aber der Glaube aus dem Hören kommt, ist es offenkundig, wie notwendig zu allen Zeiten für die Erlangung des ewigen Heils die Arbeit und der treue Dienst eines bevollmächtigten Lehrers gewesen ist; denn es steht geschrieben: Wie sollen sie hören ohne einen Prediger? Und wie sollen sie predigen, wenn sie nicht gesandt werden?
Abschnitt 5. Und in der Tat hat Gott, der Allerbarmende und Gütigste, niemals, von der Erschaffung der Welt an, den Seinen gefehlt; sondern er hat zu verschiedenen Zeiten und auf mannigfache Weise zu den Vätern durch die Propheten gesprochen und ihnen in einer den Zeiten und Umständen angemessenen Weise einen sicheren und geraden Weg zum Glück des Himmels gewiesen. Da er aber vorhergesagt hatte, dass er einen Lehrer der Gerechtigkeit geben werde als Licht der Völker, damit sein Heil bis an die Enden der Erde reiche, hat er in diesen letzten Tagen zu uns gesprochen durch seinen Sohn, dem er auch durch eine Stimme vom Himmel, aus der erhabenen Herrlichkeit, allen zu hören und zu gehorchen befohlen hat. Ferner gab der Sohn die einen als Apostel, andere als Propheten, wieder andere als Hirten und Lehrer, um das Wort des Lebens zu verkünden; damit wir nicht wie Kinder umhergeworfen und von jedem Wind der Lehre hin und her getrieben würden, sondern am festen Grund des Glaubens festhaltend, zusammen erbaut würden zu einer Wohnung Gottes im Geist.
Abschnitt 6. Damit niemand das Wort Gottes von den Dienern der Kirche nicht als das Wort Christi empfange, was es wahrhaft ist, sondern als Menschenwort, hat derselbe Heiland verordnet, dass ihr Amt mit so großer Autorität ausgestattet werde, dass er zu ihnen spricht: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. Diese Worte sprach er nicht nur zu denen, an die seine Worte gerichtet waren, sondern gleichermaßen zu allen, die in rechtmäßiger Nachfolge den Dienst des Wortes ausüben sollten, und verhieß, bei ihnen zu sein alle Tage bis an das Ende der Welt.
Abschnitt 7. Die Notwendigkeit eines verbindlichen katholischen Katechismus — Obwohl die Verkündigung des göttlichen Wortes in der Kirche niemals unterbrochen werden sollte, ist es gewiss in diesen unseren Tagen notwendig, mit mehr als gewöhnlichem Eifer und Frömmigkeit zu arbeiten, um die Gläubigen mit gesunder und heilsamer Lehre wie mit der Speise des Lebens zu nähren und zu stärken. Denn falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen, um die Gemüter der Gläubigen mit verschiedenen und fremden Lehren zu verderben, von denen der Herr gesagt hat: Ich habe die Propheten nicht gesandt, und doch liefen sie; ich habe nicht zu ihnen gesprochen, und doch weissagten sie.
Abschnitt 8. In diesem Werk ist ihre Gottlosigkeit, die in allen Künsten Satans geübt ist, so weit getrieben worden, dass es fast unmöglich erschiene, sie in irgendwelche Grenzen einzuschließen; und verließen wir uns nicht auf die herrlichen Verheißungen des Heilands, der erklärte, er habe seine Kirche auf ein so festes Fundament gebaut, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden, so hätten wir guten Grund zu befürchten, dass sie, von allen Seiten von einer solchen Schar von Feinden bedroht und von so vielen Machenschaften angegriffen und bestürmt, in diesen Tagen zusammenbrechen würde.
Abschnitt 9. Denn — um von jenen berühmten Staaten zu schweigen, die ehemals den wahren katholischen Glauben, der ihnen von ihren Vorfahren überliefert wurde, in Frömmigkeit und Heiligkeit bekannten, nun aber auf Abwege geraten sind, von den Pfaden der Wahrheit abirrend und offen erklärend, dass ihre besten Ansprüche auf Frömmigkeit auf einer völligen Aufgabe des Glaubens ihrer Väter beruhen — gibt es keine Gegend, so abgelegen sie auch sei, keinen Ort, so sicher er auch bewacht werde, keinen Winkel der Christenheit, in den diese Seuche sich nicht heimlich einzuschleichen gesucht hätte.
Abschnitt 10. Denn diejenigen, die beabsichtigten, die Gemüter der Gläubigen zu verderben, wussten, dass sie nicht unmittelbaren persönlichen Umgang mit allen haben und ihnen so ihre giftigen Lehren in die Ohren gießen konnten, und nahmen daher einen anderen Plan an, der es ihnen ermöglichte, Irrtum und Gottlosigkeit leichter und weiter zu verbreiten. Außer jenen umfangreichen Werken, mit denen sie den Umsturz des katholischen Glaubens anstrebten — sich gegen diese Bände zu schützen erforderte vielleicht wenig Mühe oder Vorsicht, da ihr Inhalt offenkundig häretisch war — verfassten sie auch unzählige kleinere Bücher, die, ihre Irrtümer unter dem Schein der Frömmigkeit verhüllend, mit unglaublicher Leichtigkeit die arglosen Gemüter einfacher Leute täuschten.
Abschnitt 11. Das Wesen dieses Werkes — Die Väter des Allgemeinen Konzils von Trient, bestrebt, ein heilendes Mittel gegen ein so großes und verderbliches Übel anzuwenden, begnügten sich nicht damit, die wichtigeren Punkte der katholischen Lehre gegen die Häresien unserer Zeit entschieden zu haben, sondern hielten es für weiterhin notwendig, zur Unterweisung der Gläubigen in den Grundlagen des Glaubens eine Form und Methode herauszugeben, die in allen Kirchen von denen befolgt werden sollte, denen die Pflichten des Seelsorgers und Lehrers rechtmäßig anvertraut sind.
Abschnitt 12. Vielen war es zwar bereits gelungen, Werke dieser Art zu verfassen und sich dabei den Ruf großer Frömmigkeit und Gelehrsamkeit zu erwerben. Doch hielten es die Väter für von größter Bedeutung, dass ein Werk erscheine, das durch die Autorität des Konzils gebilligt ist, aus dem Seelsorger und alle anderen, denen die Pflicht der Unterweisung obliegt, zuverlässigen Stoff zur Erbauung der Gläubigen suchen und finden können; damit, wie es einen Herrn, einen Glauben gibt, es auch eine Richtschnur und vorgeschriebene Form gebe, die Glaubenslehren darzulegen und die Christen in allen Pflichten der Frömmigkeit zu unterweisen.
Abschnitt 13. Da also der Entwurf des Werkes eine Vielfalt von Gegenständen umfasst, kann nicht angenommen werden, dass das Konzil beabsichtigte, in einem Band alle Glaubenslehren des Christentums mit jener Ausführlichkeit zu erklären, die man in den Werken derer findet, die es sich zur Aufgabe machen, die Lehren und Dogmen der Religion in ihrer Gesamtheit zu behandeln. Eine solche Aufgabe wäre eine fast endlose Arbeit und offensichtlich schlecht geeignet, den beabsichtigten Zweck zu erreichen. Vielmehr beabsichtigte das Konzil, da es die Aufgabe übernommen hatte, Seelsorger und solche, die die Sorge für die Seelen tragen, in den Dingen zu unterweisen, die besonders zum Hirtenamt gehören und dem Fassungsvermögen der Gläubigen angepasst sind, nur solche Dinge zu behandeln, die dem frommen Eifer der Seelsorger bei der Erfüllung der Unterweisungspflicht helfen könnten, falls sie mit den tieferen Fragen der Theologie nicht sehr vertraut sein sollten.
Abschnitt 14. Die Ziele der religiösen Unterweisung — Bevor wir daher daran gehen, die verschiedenen Teile dieser Zusammenfassung der Lehre im Einzelnen darzulegen, erfordert es unser Vorhaben, einige Bemerkungen vorauszuschicken, die der Seelsorger bedenken und sich vor Augen halten soll, um zu wissen, auf welches Ziel gleichsam alle seine Pläne und Mühen und Anstrengungen gerichtet sein sollen und wie dieses erwünschte Ziel leichter erreicht werden kann.
Abschnitt 15. Die Erkenntnis Christi — Das Erste ist, stets zu bedenken, dass alle christliche Erkenntnis auf ein einziges Haupt zurückgeführt wird, oder vielmehr, um die Worte des Apostels zu gebrauchen: Dies ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ein Lehrer in der Kirche soll daher sein Bestes tun, damit die Gläubigen eifrig danach verlangen, Jesus Christus zu erkennen, und zwar den Gekreuzigten, damit sie fest überzeugt seien und mit der innigsten Frömmigkeit und Andacht glauben, dass kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, durch den wir selig werden müssen, denn er ist die Sühne für unsere Sünden.
Abschnitt 16. Die Befolgung der Gebote — Da wir aber daran erkennen, dass wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten, so ist die nächste Überlegung, die mit der vorhergehenden eng zusammenhängt, den Gläubigen auch nachdrücklich einzuschärfen, dass ihr Leben nicht in Müßiggang und Trägheit verbracht werden darf, sondern dass wir so wandeln sollen, wie er gewandelt ist, und mit allem Ernst Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Geduld und Sanftmut verfolgen sollen; denn er hat sich selbst für uns dahingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und sich ein Volk reinige, das ihm annehmbar und eifrig in guten Werken sei. Dies befiehlt der Apostel den Seelsorgern zu reden und zu ermahnen.
Abschnitt 17. Die Liebe zu Gott — Da aber unser Herr und Heiland nicht nur erklärt, sondern auch durch sein eigenes Beispiel bewiesen hat, dass das Gesetz und die Propheten von der Liebe abhängen, und da gemäß dem Apostel die Liebe das Ziel des Gebotes und die Erfüllung des Gesetzes ist, so ist es ohne Zweifel eine Hauptpflicht des Seelsorgers, den größten Eifer darauf zu verwenden, die Gläubigen zur Liebe der unendlichen Güte Gottes gegen uns zu entflammen, damit sie, von einer Art göttlicher Glüht brennend, mächtig hingezogen werden zum höchsten und allervollkommensten Gut, an dem festzuhalten wahres und dauerhaftes Glück ist, wie es derjenige voll erfährt, der mit dem Propheten sagen kann: Was habe ich im Himmel? Und außer dir, was begehre ich auf Erden?
Abschnitt 18. Dies ist fürwahr jener vorzüglichere Weg, auf den der Apostel hinweist, wenn er all seine Lehren und Unterweisungen in der Liebe zusammenfasst, die niemals aufhört. Denn was immer der Seelsorger vorträgt, sei es die Übung des Glaubens, der Hoffnung oder irgendeiner sittlichen Tugend, die Liebe zu unserem Herrn soll zugleich so nachdrücklich betont werden, dass klar ersichtlich wird, dass alle Werke vollkommener christlicher Tugend keinen anderen Ursprung, kein anderes Ziel haben können als die göttliche Liebe.
Abschnitt 19. Die für die religiöse Unterweisung erforderlichen Mittel — Wie aber bei jeder Art von Unterweisung die Art und Weise der Vermittlung von höchster Bedeutung ist, so sollte bei der Vermittlung religiöser Unterweisung an das Volk die Methode als von größtem Gewicht erachtet werden.
Abschnitt 20. Die Unterweisung soll dem Fassungsvermögen des Hörers angepasst sein — Alter, Fassungsvermögen, Sitten und Stand müssen berücksichtigt werden, damit derjenige, der unterweist, allen alles werde, um alle für Christus zu gewinnen, sich als pflichttreuer Diener und Verwalter erweise und, wie ein guter und treuer Knecht, von seinem Herrn würdig befunden werde, über vieles gesetzt zu werden. Der Priester darf sich nicht einbilden, dass alle, die seiner Obhut anvertraut sind, auf derselben Stufe stehen, so dass er einer einzigen und unveränderlichen Methode der Unterweisung folgen könnte, um alle auf gleiche Weise zu Erkenntnis und wahrer Frömmigkeit zu führen; denn manche sind wie neugeborene Kinder, andere wachsen in Christus heran, während einige gleichsam zur vollen Reife gelangt sind. Daher die Notwendigkeit zu überlegen, wer Milch bedarf, wer festerer Speise, und jedem solche Nahrung der Lehre zu gewähren, die geistliches Wachstum fördere, bis wir alle gelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollkommenen Menschen, zum Maße des Vollalters der Fülle Christi. Dies schärft der Apostel allen durch sein eigenes Beispiel ein, wenn er sagt, dass er ein Schuldner sei der Griechen und der Barbaren, der Weisen und der Unverständigen, und damit allen, die zu diesem Dienst berufen sind, zu verstehen gibt, dass bei der Verkündigung der Glaubensgeheimnisse und der Lebensregeln die Unterweisung so dem Fassungsvermögen und der Auffassungsgabe der Hörer angepasst werden soll, dass, während die Gemüter der Starken mit geistlicher Speise gesättigt werden, die Kleinen nicht vor Hunger umkommen, weil sie um Brot bitten und niemand da ist, der es ihnen bricht.
Abschnitt 21. Eifer — Unser Eifer in der Vermittlung christlicher Erkenntnis soll auch nicht nachlassen, weil er bisweilen in der Darlegung scheinbar niedriger und unbedeutender Dinge geübt werden muss, deren Erklärung gewöhnlich mühsam ist, besonders für Gemüter, die an die Betrachtung erhabenerer Wahrheiten der Religion gewöhnt sind. Wenn die Weisheit des ewigen Vaters in der Niedrigkeit unseres Fleisches auf die Erde herabstieg, um uns die Grundsätze eines himmlischen Lebens zu lehren, wen zwingt dann nicht die Liebe Christi, klein zu werden inmitten seiner Brüder und, wie eine Amme, die ihre Kinder pflegt, so eifrig das Heil seiner Nächsten zu wünschen, dass er bereit ist, wie der Apostel von sich selbst sagt, ihnen nicht nur das Evangelium Gottes, sondern sogar sein eigenes Leben zu geben?
Abschnitt 22. Das Studium des Wortes Gottes — Alle Lehren nun, in denen die Gläubigen unterwiesen werden sollen, sind im Worte Gottes enthalten, das in der Heiligen Schrift und der Überlieferung zu finden ist. Ihrem Studium soll daher der Seelsorger seine Tage und Nächte widmen, eingedenk der Ermahnung des heiligen Paulus an Timotheus, die alle, welche die Sorge für die Seelen tragen, als an sich selbst gerichtet betrachten sollen: Befleissige dich des Lesens, des Ermahnens und des Lehrens; denn alle göttlich eingegebene Schrift ist nützlich zur Belehrung, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk gerüstet.
Abschnitt 23. Einteilung dieses Katechismus — Die von Gott dem Allmächtigen geoffenbarten Wahrheiten sind so zahlreich und so vielfältig, dass es keine leichte Aufgabe ist, sie zu erlernen oder, nachdem man dies getan hat, sie sich so gut einzuprägen, dass man sie bei Bedarf mit Leichtigkeit und Bereitschaft erklären kann. Daher haben unsere Vorgänger im Glauben sehr weise alle Heilslehren auf diese vier Überschriften zurückgeführt: das Apostolische Glaubensbekenntnis, die Sakramente, die Zehn Gebote und das Vaterunser.
Abschnitt 24. Der Teil über das Glaubensbekenntnis enthält alles, was gemäß dem christlichen Glauben festzuhalten ist, sei es hinsichtlich der Erkenntnis Gottes, der Erschaffung und Regierung der Welt, oder der Erlösung des Menschen, der Belohnungen der Guten und der Strafen der Bösen. Der den Sieben Sakramenten gewidmete Teil lehrt uns, was die Zeichen und gleichsam die Werkzeuge der Gnade sind. Im Teil über den Dekalog wird beschrieben, was immer sich auf das Gesetz bezieht, dessen Ziel die Liebe ist. Schließlich enthält das Vaterunser alles, was Gegenstand der Wünsche, Hoffnungen oder Gebete des Christen sein kann. Die Erklärung dieser vier Teile, die gleichsam die allgemeinen Überschriften der Heiligen Schrift sind, umfasst daher fast alles, was ein Christ lernen soll.
Abschnitt 25. Wie dieses Werk zu gebrauchen ist — Wir halten es daher für angemessen, die Seelsorger darauf hinzuweisen, dass sie, wann immer sie Gelegenheit haben, in der gewöhnlichen Ausübung ihres Amtes eine Stelle des Evangeliums oder einen anderen Teil der Heiligen Schrift auszulegen, den behandelten Gegenstand unter einer der vier bereits aufgezählten Überschriften finden werden, auf die sie als die Quelle zurückgreifen sollen, aus der ihre Unterweisung zu schöpfen ist.
Abschnitt 26. Wenn also das Evangelium des ersten Adventssonntags erklärt werden soll: Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond usw., so ist alles, was zu seiner Erklärung gehört, unter dem Glaubensartikel enthalten: Er wird kommen, zu richten die Lebenden und die Toten; und indem der Seelsorger den Kern dieses Artikels in seine Auslegung einbezieht, wird er sein Volk zugleich im Glaubensbekenntnis und im Evangelium unterweisen. Wann immer er also Unterweisung zu erteilen und die Schriften auszulegen hat, wird er dieselbe Regel befolgen, alles auf diese vier Hauptüberschriften zurückzuführen, unter denen, wie wir bemerkt haben, die gesamte Lehre und Unterweisung der Heiligen Schrift enthalten ist. Was jedoch die Reihenfolge betrifft, so ist er frei, derjenigen zu folgen, die er den Umständen der Personen und der Zeit am besten angepasst hält.