Zweites Konzil von Konstantinopel — Anathemata — Kapitel 1: Anathemata I–VII

Kapitel 1: Anathemata I–VII

Abschnitt 1. I. Wenn jemand nicht bekennt, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist eine Natur oder Substanz haben, dass sie eine Macht und Autorität besitzen, dass eine wesensgleiche Dreifaltigkeit besteht, eine Gottheit, die in drei Hypostasen oder Personen anzubeten ist: der sei mit dem Anathema belegt. Denn es ist ein Gott und Vater, aus dem alles ist, und ein Herr Jesus Christus, durch den alles ist, und ein Heiliger Geist, in dem alles ist.

Abschnitt 2. II. Wenn jemand nicht bekennt, dass das Wort Gottes zwei Geburten hat — die eine vor allen Zeiten vom Vater, außerhalb der Zeit und ohne Leib, und sodann jene Geburt in den letzten Tagen, als das Wort Gottes von den Himmeln herabkam und Fleisch annahm von der heiligen und glorreichen Maria, der Gottesgebarerin und allzeit Jungfrau, und aus ihr geboren wurde: der sei mit dem Anathema belegt.

Abschnitt 3. III. Wenn jemand sagt, das wunderwirkende Wort Gottes sei eine Person und der leidende Christus eine andere, oder sagt, Gott das Wort sei mit dem von einer Frau geborenen Christus gewesen oder sei in ihm wie eine Person in einer anderen gewesen, und nicht ein und derselbe unser Herr Jesus Christus, das Wort Gottes, der Fleisch geworden und Mensch geworden ist, und dass seine Wunder und die Leiden, die er freiwillig im Fleische auf sich nahm, nicht derselben Person angehören: der sei mit dem Anathema belegt.

Abschnitt 4. IV. Wenn jemand sagt, die Vereinigung des Wortes Gottes mit dem Menschen sei nur nach Gnade oder Wirksamkeit oder Würde oder Gleichheit der Ehre oder Autorität oder Beziehung oder Wirkung oder Macht oder nach Wohlgefallen geschehen, als ob Gott das Wort an dem Menschen Gefallen gefunden oder ihn gebilligt hätte, wie der Wahnsinnige Theodor sagt; oder dass die Vereinigung nach Namensähnlichkeit bestehe, kraft deren die Nestorianer das Wort Gottes Jesus und Christus nennen, den Menschen aber gesondert als Christus und als Sohn bezeichnen, also deutlich von zwei Personen reden und nur um der Ehre, der Würde und der Anbetung willen den Anschein einer Person und eines Christus erwecken: der sei mit dem Anathema belegt.

Abschnitt 5. V. Wenn jemand sagt, die heilige, glorreiche und allzeit jungfräuliche Maria werde nur missbräuchlich und nicht in Wahrheit Gottesgebarerin genannt, oder nur in übertragenem Sinne, als ob ein bloßer Mensch geboren worden sei und nicht das Fleisch gewordene Wort Gottes, wobei die Geburt eines Menschen, wie sie sagen, auf Gott das Wort bezogen werde, weil dieses bei dem geborenen Menschen gewesen sei; und wenn jemand die Heilige Synode von Chalcedon verleumdet, als habe sie die Jungfrau im gottlosen Sinne Theodors Gottesgebarerin genannt; oder wenn jemand sie Menschengebarerin oder Christusgebarerin nennt, als ob Christus nicht Gott wäre: der sei mit dem Anathema belegt.

Abschnitt 6. VI. Wenn jemand sagt, die heilige, glorreiche und allzeit jungfräuliche Maria sei nur dem Namen nach und nicht in Wahrheit Mutter Gottes, oder nur in übertragenem Sinne, womit gemeint sei, dass lediglich ein Mensch geboren worden sei und nicht Gott das Wort Fleisch geworden, und behauptet, der Mensch sei auf das Wort bezogen worden, weil das Wort bei ihm gewesen sei als er geboren wurde — und wenn jemand das heilige Konzil von Chalcedon verleumdet, als habe es die Jungfrau im gottlosen Sinne Theodors Mutter Gottes genannt — oder wenn jemand sie Mutter eines Menschen oder Mutter Christi nennt, womit gemeint sei, dass Christus nicht Gott ist: der sei mit dem Anathema belegt.

Abschnitt 7. VII. Wenn jemand mit dem Ausdruck »in zwei Naturen« nicht bekennt, dass unser einer Herr Jesus Christus in der Gottheit und in der Menschheit erkannt wird, um durch diesen Ausdruck einen Unterschied der Naturen anzuzeigen, aus welchen die unaussprechliche Vereinigung unvermischt zustande kam — eine Vereinigung, in der weder die Natur des Wortes in die Natur des Fleisches verwandelt wurde noch die des Fleisches in die des Wortes, denn jede blieb, was sie von Natur aus war, da die Vereinigung eine hypostatische ist — sondern den Ausdruck in Bezug auf das Geheimnis Christi so versteht, als wolle er die Teile trennen: der sei mit dem Anathema belegt.