Kapitel 8: Erster Teil: Das Glaubensbekenntnis — Artikel VI: Aufgefahren in den Himmel, sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters
Abschnitt 1. Bedeutung dieses Artikels — Erfüllt vom Geiste Gottes und die selige und glorreiche Himmelfahrt unseres Herrn betrachtend, ermahnt der Prophet David alle, jenen herrlichen Triumph mit größter Freude und Fröhlichkeit zu feiern: Klatscht in die Hände, alle Völker, jauchzt Gott mit der Stimme der Freude! ... Gott ist aufgefahren unter Jubel.
Abschnitt 2. Der Seelsorger wird hieraus lernen, dass dieses Geheimnis mit größter Sorgfalt erklärt werden sollte, und dass er darauf achten sollte, dass das Volk es nicht nur im Glauben und Verständnis erfasst, sondern dass es sich auch, soweit möglich, mit des Herrn Hilfe bemüht, es in seinem Leben und Handeln widerzuspiegeln.
Abschnitt 3. Erster Teil dieses Artikels: „Aufgefahren in den Himmel“ — In Bezug auf die Darlegung dieses sechsten Artikels, der sich hauptsächlich auf dieses göttliche Geheimnis bezieht, werden wir mit seinem ersten Teil beginnen und seine Kraft und Bedeutung aufzeigen.
Abschnitt 4. „In den Himmel“ — Dies also müssen die Gläubigen ohne Zögern glauben, dass Jesus Christus, nachdem Er das Werk der Erlösung vollständig vollbracht hatte, als Mensch, mit Leib und Seele, in den Himmel aufgefahren ist; denn als Gott hat Er den Himmel niemals verlassen, da Er mit Seiner Gottheit alle Orte erfüllt.
Abschnitt 5. „Aufgefahren“ — Der Seelsorger soll auch lehren, dass Er aus eigener Kraft aufgefahren ist, nicht durch die Kraft eines anderen emporgetragen, wie Elias, der in einem feurigen Wagen zum Himmel getragen wurde; oder wie der Prophet Habakuk oder der Diakon Philippus, die durch göttliche Kraft durch die Luft getragen wurden und große Entfernungen zurücklegten.
Abschnitt 6. Er fuhr auch nicht allein durch die Ausübung Seiner höchsten Macht als Gott in den Himmel auf, sondern auch kraft der Macht, die Er als Mensch besaß. Obwohl menschliche Kraft allein nicht hinreichte, dies zu vollbringen, war doch die Tugend, mit der die selige Seele Christi ausgestattet war, fähig, den Leib zu bewegen, wie es ihr gefiel, und Sein Leib, nun verherrlicht, gehorchte bereitwillig dem Geheiß der Seele, die ihn bewegte. Daher glauben wir, dass Christus als Gott und Mensch durch Seine eigene Kraft in den Himmel aufgefahren ist.
Abschnitt 7. Zweiter Teil dieses Artikels: „Sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“ — Die Worte Er sitzet zur Rechten des Vaters bilden den zweiten Teil dieses Artikels. In diesen Worten bemerken wir eine Redefigur, das heißt einen Gebrauch der Worte in anderem als ihrem wörtlichen Sinn, wie es häufig in der Heiligen Schrift geschieht, die, indem sie ihre Sprache den menschlichen Vorstellungen anpasst, Gott menschliche Empfindungen und menschliche Glieder zuschreibt, der als Geist nichts Körperliches an sich hat.
Abschnitt 8. „Zur Rechten“ — Wie unter den Menschen derjenige, der zur Rechten sitzt, als den ehrenvollsten Platz einnehmend betrachtet wird, so übertragen wir dieselbe Vorstellung auf himmlische Dinge, um die Herrlichkeit auszudrücken, die Christus als Mensch über alle anderen erlangt hat, und bekennen, dass Er zur Rechten des Vaters sitzt.
Abschnitt 9. „Sitzet“ — Sitzen bedeutet hier nicht Stellung und Haltung des Körpers, sondern drückt den festen und dauerhaften Besitz der königlichen und höchsten Macht und Herrlichkeit aus, die Er vom Vater empfangen hat und von der der Apostel sagt: Er hat Ihn von den Toten auferweckt und Ihn zu Seiner Rechten gesetzt in den himmlischen Höhen, über jedes Fürstentum und jede Gewalt und jede Kraft und jede Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen; und alles hat Er Seinen Füßen unterworfen. Diese Worte zeigen offenkundig, dass diese Herrlichkeit unserem Herrn in so besonderer und ausschließlicher Weise gehört, dass sie auf kein anderes Geschöpf angewandt werden kann. Daher bezeugt der Apostel an anderer Stelle: Zu welchem der Engel hat Er jemals gesagt: Setze dich zu meiner Rechten?
Abschnitt 10. Ihre Geschichte — Der Seelsorger sollte den Sinn des Artikels ausführlicher erklären, indem er die Geschichte der Himmelfahrt darstellt, von der uns der Evangelist Lukas eine geordnete Beschreibung in der Apostelgeschichte hinterlassen hat.
Abschnitt 11. Größe dieses Geheimnisses — Bei dieser Darlegung soll er zunächst beachten, dass alle anderen Geheimnisse auf die Himmelfahrt als auf ihr Ziel hingeordnet sind und in ihr ihre Vollendung und Erfüllung finden; denn wie alle Geheimnisse der Religion mit der Menschwerdung unseres Herrn beginnen, so endet Sein Aufenthalt auf Erden mit Seiner Himmelfahrt.
Abschnitt 12. Darüber hinaus zeigen die anderen Artikel des Glaubensbekenntnisses, die Christus den Herrn betreffen, Seine große Demut und Niedrigkeit. Nichts kann demütiger, nichts niedriger gedacht werden, als dass der Sohn Gottes unsere schwache menschliche Natur annahm und für uns litt und starb. Aber nichts verkündet erhabener, nichts bewundernswerter Seine souveräne Herrlichkeit und göttliche Majestät als das, was im gegenwärtigen und im vorhergehenden Artikel enthalten ist, in dem wir bekennen, dass Er von den Toten auferstanden ist, in den Himmel aufgefahren ist und zur Rechten Gottes des Vaters sitzt.
Abschnitt 13. Gründe der Himmelfahrt — Wenn der Seelsorger diese Wahrheiten erklärt hat, sollte er als Nächstes genau darlegen, warum Christus der Herr in den Himmel aufgefahren ist.
Abschnitt 14. Vor allem fuhr Er auf, weil das glorreiche Reich der höchsten Himmel, nicht der finstere Aufenthaltsort dieser Erde, eine angemessene Wohnstatt für Ihn darbot, dessen Leib, vom Grabe erstanden, mit der Herrlichkeit der Unsterblichkeit bekleidet war.
Abschnitt 15. Er fuhr jedoch nicht nur auf, um den Thron der Herrlichkeit und das Reich zu besitzen, das Er durch Sein Blut verdient hatte, sondern auch um für alles zu sorgen, was unser Heil betrifft.
Abschnitt 16. Ferner fuhr Er auf, um dadurch zu beweisen, dass Sein Reich nicht von dieser Welt ist. Denn die Reiche dieser Welt sind irdisch und vergänglich und gründen sich auf Reichtum und die Macht des Fleisches; das Reich Christi aber ist, nicht wie es die Juden erwarteten, irdisch, sondern geistlich und ewig. Seine Mittel und Reichtümer sind ebenfalls geistlicher Art, wie Er zeigte, indem Er Seinen Thron in den Himmel setzte, wo diejenigen als reicher und wohlhabender gelten, die am eifrigsten nach den Dingen Gottes trachten, gemäß diesen Worten des heiligen Jakobus: Hat nicht Gott die Armen in dieser Welt erwählt, die reich im Glauben und Erben des Reiches sind, das Gott denen verheißen hat, die Ihn lieben?
Abschnitt 17. Er fuhr auch in den Himmel auf, um uns zu lehren, Ihm dorthin in Geist und Herz zu folgen. Denn wie Er durch Seinen Tod und Seine Auferstehung uns ein Beispiel hinterließ, im Geist zu sterben und aufzuerstehen, so lehrt und unterweist Er uns durch Seine Himmelfahrt, dass wir, obwohl wir auf Erden wohnen, uns im Verlangen zum Himmel erheben sollen, bekennend, dass wir Pilger und Fremdlinge auf Erden sind, die ein Vaterland suchen, und dass wir Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes sind, denn, sagt derselbe Apostel, unser Wandel ist im Himmel.
Abschnitt 18. Früchte der Himmelfahrt — Das Ausmaß und die Größe der unaussprechlichen Segnungen, die die Güte Gottes über uns ausgeschüttet hat, wurden längst zuvor, wie der Apostel auslegt, vom inspirierten David besungen: Aufgefahren zur Höhe, führte Er die Gefangenschaft gefangen; Er gab den Menschen Gaben. Denn am zehnten Tage sandte Er den Heiligen Geist herab, mit dessen Kraft und Fülle Er die damals anwesende Menge der Gläubigen erfüllte, und so erfüllte Er jene herrliche Verheißung: Es ist gut für euch, dass ich hingehe; denn wenn ich nicht hingehe, wird der Tröster nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich Ihn euch senden.
Abschnitt 19. Er fuhr auch in den Himmel auf, nach dem Apostel, um vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen und für uns das Amt des Fürsprechers beim Vater zu versehen. Meine Kindlein, sagt der heilige Johannes, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber jemand sündigt, haben wir einen Fürsprecher beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten; und Er ist die Sühne für unsere Sünden. Es gibt nichts, woraus die Gläubigen größere Freude und Fröhlichkeit der Seele schöpfen sollten als aus der Überlegung, dass Jesus Christus als unser Fürsprecher und Mittler unseres Heils beim Ewigen Vater eingesetzt ist, bei dem Sein Einfluss und Seine Autorität höchste Geltung haben.
Abschnitt 20. Schließlich hat Er durch Seine Himmelfahrt uns eine Stätte bereitet, wie Er verheißen hatte, und ist als unser Haupt in unserem aller Namen in den Besitz der Herrlichkeit des Himmels eingegangen. Bei der Auffahrt in den Himmel öffnete Er dessen Tore, die durch die Sünde Adams verschlossen waren; und, wie Er Seinen Jüngern beim Letzten Abendmahl vorhergesagt hatte, sicherte Er uns einen Weg, auf dem wir zur ewigen Seligkeit gelangen können. Um hiervon einen offenen Beweis durch die Erfüllung zu geben, führte Er mit sich die Seelen der Gerechten, die Er aus der Unterwelt befreit hatte, in die Wohnungen der ewigen Seligkeit ein.
Abschnitt 21. Durch die Himmelfahrt geförderte Tugenden — Eine Reihe wichtiger Vorzüge folgte im Gefolge dieser bewundernswerten Fülle himmlischer Gaben. Zunächst wurde das Verdienst unseres Glaubens beträchtlich vermehrt; denn der Glaube hat jene Dinge zum Gegenstand, die nicht unter die Sinne fallen, sondern weit über die Reichweite der menschlichen Vernunft und Einsicht erhoben sind. Wenn daher der Herr nicht von uns geschieden wäre, wäre das Verdienst unseres Glaubens nicht dasselbe; denn Christus der Herr hat gesagt: Selig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben.
Abschnitt 22. Ferner trägt die Himmelfahrt Christi in den Himmel viel dazu bei, unsere Hoffnung zu stärken. Da wir glauben, dass Christus als Mensch in den Himmel aufgefahren ist und unsere Natur zur Rechten Gottes des Vaters gesetzt hat, werden wir von einer starken Hoffnung beseelt, dass auch wir als Glieder dorthin auffahren werden, um dort mit unserem Haupt vereint zu werden, gemäß diesen Worten unseres Herrn selbst: Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast.
Abschnitt 23. Ein weiterer höchst bedeutsamer Vorzug ist, dass Er unsere Neigungen zum Himmel erhoben und sie mit dem Geiste Gottes entflammt hat; denn höchst wahrhaftig ist gesagt worden, dass dort, wo unser Schatz ist, auch unser Herz ist. Und in der Tat, wenn Christus der Herr noch auf Erden weilte, würde die Betrachtung Seiner menschlichen Natur und Seiner Gesellschaft alle unsere Gedanken in Anspruch nehmen, und wir würden den Urheber solcher Segnungen nur als Menschen betrachten und eine Art irdische Zuneigung zu Ihm hegen. Aber durch Seine Himmelfahrt in den Himmel hat Er unsere Zuneigung vergeistigt und uns gelehrt, Den als Gott zu verehren und zu lieben, den wir wegen Seiner Abwesenheit nur im Gedanken sehen. Dies lernen wir teils aus dem Beispiel der Apostel, die, solange unser Herr persönlich bei ihnen war, in gewissem Maße menschlich über Ihn zu urteilen schienen; und teils aus diesen Worten unseres Herrn selbst: Es ist gut für euch, dass ich hingehe. Die unvollkommene Zuneigung, mit der sie den gegenwärtigen Christus Jesus liebten, musste durch göttliche Liebe vervollkommnet werden, und zwar durch das Kommen des Heiligen Geistes; und deshalb fügt Er sogleich hinzu: Wenn ich nicht hingehe, wird der Tröster nicht zu euch kommen.
Abschnitt 24. Die Himmelfahrt kommt der Kirche und dem Einzelnen zugute — Außerdem vergrößerte Er so Seine Hausgemeinschaft auf Erden, das heißt Seine Kirche, die durch die Kraft und Leitung des Heiligen Geistes regiert werden sollte. Er hinterließ Petrus, den Fürsten der Apostel, als ihren obersten Hirten und höchstes Haupt auf Erden; darüber hinaus gab Er die einen als Apostel, andere als Propheten, andere als Evangelisten, wieder andere als Hirten und Lehrer. So setzt Er, zur Rechten des Vaters sitzend, beständig verschiedenen Menschen verschiedene Gaben aus; denn wie der Apostel bezeugt: Jedem von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi.
Abschnitt 25. Schließlich sollen die Gläubigen das, was wir bereits über das Geheimnis Seines Todes und Seiner Auferstehung gelehrt haben, als nicht weniger wahr von Seiner Himmelfahrt erachten. Denn obwohl wir unsere Erlösung und unser Heil dem Leiden Christi verdanken, dessen Verdienste den Gerechten den Himmel öffneten, so wird uns Seine Himmelfahrt nicht nur als Vorbild vorgestellt, das uns lehrt, nach oben zu blicken und im Geiste zum Himmel aufzusteigen, sondern sie teilt uns auch eine göttliche Kraft mit, die uns befähigt, das zu vollbringen, was sie lehrt.