Römischer Katechismus 37.3

Kapitel 37 — Vierter Teil: Das Gebet — Die dritte Bitte: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden

Abschnitt 3. Die Neigung des Menschen, gegen Gottes Willen zu handeln — Von Anfang an hat Gott allen Geschöpfen ein angeborenes Verlangen eingepflanzt, ihr eigenes Glück zu erstreben, damit sie durch eine Art natürlichen Antriebs ihr eigenes Ziel suchen und begehren, von dem sie niemals abweichen, es sei denn durch ein äußeres Hindernis. Dieser Antrieb, Gott zu suchen, den Urheber und Vater seines Glücks, war anfänglich im Menschen umso edler und erhabener, weil er mit Vernunft und Urteilskraft begabt war. Während aber die vernunftlosen Geschöpfe, die bei ihrer Erschaffung von Natur aus gut waren, in jenem ursprünglichen Zustand verharrten und noch immer verharren, ging der unglückliche Mensch in die Irre und verlor nicht nur die ursprüngliche Gerechtigkeit, mit der er von Gott übernatürlich begabt und geschmückt worden war, sondern verdunkelte auch jene einzigartige Neigung zur Tugend, die seiner Seele eingepflanzt war. Alle, so spricht er, sind abgewichen, allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht ein Einziger. Denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Daher ist es nicht schwer einzusehen, dass von sich aus kein Mensch weise ist zum Heil, dass alle zum Bösen geneigt sind und dass der Mensch unzählige verdorbene Neigungen hat, da er abwärts strebt und mit brennender Heftigkeit zu Zorn, Hass, Stolz, Ehrgeiz und zu beinahe jeder Art von Übel hingerissen wird.