Römischer Katechismus 34.14

Kapitel 34 — Vierter Teil: Das Gebet — Das Gebet des Herrn: Einführung und Vater unser, der du bist im Himmel

Abschnitt 14. Sich vorzustellen, Er habe uns vergessen, wäre ein Akt der Torheit und nichts Geringeres als eine äußerst empörende Beleidigung. Gott zürnte den Israeliten wegen der Lästerung, deren sie sich schuldig gemacht hatten, indem sie sich einbildeten, sie seien von der Vorsehung verlassen worden. So lesen wir im Buch Exodus: Sie versuchten den Herrn und sprachen: »Ist der Herr unter uns oder nicht?« Und bei Ezechiel entbrennt der göttliche Zorn gegen dasselbe Volk, weil es gesagt hatte: Der Herr sieht uns nicht; der Herr hat die Erde verlassen. Diese Beispiele sollten genügen, die Gläubigen davon abzuhalten, die verbrecherische Vorstellung zu hegen, Gott könne jemals die Menschheit vergessen. Im gleichen Sinne können wir bei Jesaja die Klage lesen, die das israelitische Volk gegen Gott vorbrachte; und andererseits das gütige Gleichnis, mit dem Gott ihre Torheit widerlegt: Sion sprach: »Der Herr hat mich verlassen, und der Herr hat mich vergessen.« Darauf antwortet Gott: Kann eine Frau ihren Säugling vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und sollte sie ihn vergessen, so will ich doch dich nicht vergessen. Siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet.