Kapitel 31 — Dritter Teil: Der Dekalog — Das achte Gebot
Abschnitt 7. Da ueberdies jeder Mensch verpflichtet ist, sich selbst zu lieben, und so gewissermassen sein eigener Naechster ist, ist es niemandem erlaubt, gegen sich selbst falsches Zeugnis abzulegen. Wer dies tut, brandmarkt sich selbst mit Schande und Schmach und schaedigt sowohl sich selbst als auch die Kirche, deren Glied er ist, aehnlich wie der Selbstmoerder durch seine Tat dem Gemeinwesen ein Unrecht zufuegt. Dies ist die Lehre des heiligen Augustinus, der sagt: Denen, die das Gebot nicht recht verstehen, koennte es erlaubt scheinen, gegen sich selbst falsches Zeugnis abzulegen, weil die Worte "gegen deinen Naechsten" im Gebot hinzugefuegt sind. Aber niemand, der gegen sich selbst falsches Zeugnis ablegt, soll meinen, er habe dieses Gebot nicht uebertreten, denn der Massstab der Naechstenliebe ist die Liebe, die wir zu uns selbst hegen.