Römischer Katechismus 31.2

Kapitel 31 — Dritter Teil: Der Dekalog — Das achte Gebot

Abschnitt 2. Aus diesen Worten lernen wir zwei Wahrheiten. Die erste ist, dass Suenden der Zunge sehr verbreitet sind, was durch die Worte des Propheten bestaetigt wird: Jeder Mensch ist ein Luegner, so dass es fast scheinen koennte, als sei dies die einzige Suende, die sich auf die gesamte Menschheit erstreckt. Die andere Wahrheit ist, dass die Zunge die Quelle unzaehliger Uebel ist. Durch die Schuld des uebelredenden Menschen gehen oft das Eigentum, der gute Ruf, das Leben und das Seelenheil der geschaedigten Person verloren, oder auch das desjenigen, der die Verletzung zufuegt. Die geschaedigte Person, die unfaehig ist, die Schmach geduldig zu ertragen, raecht sie ohne jede Zurueckhaltung. Der Beleidiger andererseits, abgehalten durch eine verkehrte Scham und eine falsche Vorstellung von der sogenannten Ehre, kann nicht dazu gebracht werden, dem Wiedergutmachung zu leisten, den er beleidigt hat.