Kapitel 3 — Erster Teil: Das Glaubensbekenntnis — Artikel I: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde
Abschnitt 8. Die Gotteserkenntnis wird durch den Glauben leichter erlangt als durch die Vernunft — Es besteht ein großer Unterschied zwischen der christlichen Philosophie und der menschlichen Weisheit. Letztere, allein vom Licht der Natur geleitet, schreitet langsam voran durch Schlussfolgerungen über sinnlich wahrnehmbare Gegenstände und Wirkungen und vermag erst nach langer und mühevoller Untersuchung endlich mit Mühe die unsichtbaren Dinge Gottes zu betrachten, eine Erste Ursache und einen Urheber aller Dinge zu entdecken und zu verstehen. Die christliche Philosophie hingegen belebt den menschlichen Geist so, dass er ohne Schwierigkeit die Himmel durchdringt und, vom göttlichen Licht erleuchtet, zuerst die ewige Quelle des Lichtes betrachtet und in ihrem Glanz alle geschaffenen Dinge; so dass wir mit höchster Freude des Geistes erfahren, dass wir, wie der Fürst der Apostel sagt, aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen worden sind, und glaubend uns freuen mit unaussprechlicher Freude.