Kapitel 28 — Dritter Teil: Der Dekalog — Das fünfte Gebot
Abschnitt 31. Alles, was wir zu erdulden haben, kommt von Gott — Erstens soll derjenige, der sich verletzt glaubt, vor allem überzeugt sein, dass der Mensch, an dem er sich rächen will, nicht die Hauptursache des Verlustes oder der Verletzung war. So nahm jener bewundernswerte Mann Ijob, als er von den Sabäern, den Chaldäern und von Satan heftig geschädigt wurde, keine Rücksicht auf diese, sondern rief als ein gerechter und sehr heiliger Mann mit ebenso viel Wahrheit wie Frömmigkeit aus: Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen. Die Worte und das Beispiel jenes Mannes der Geduld sollten daher die Christen überzeugen, und die Überzeugung ist höchst gerecht, dass alle Züchtigungen, die wir in diesem Leben erdulden, aus der Hand Gottes kommen, des Vaters und Urhebers aller Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Er züchtigt uns nicht als Feinde, sondern in seiner unendlichen Güte bessert Er uns als Kinder. Die Sache in ihrem wahren Licht betrachtet, sind die Menschen in diesen Fällen nichts weiter als die Diener und Werkzeuge Gottes. Ein Mensch mag zwar die schlimmsten Gefühle gegen einen anderen hegen, er mag den bösartigsten Hass gegen ihn nähren; aber ohne die Zulassung Gottes kann er ihm keinen Schaden zufügen. Darum war Josef fähig, die bösen Ratschläge seiner Brüder geduldig zu ertragen, und David die von Schimei ihm zugefügten Beleidigungen.