Kapitel 25 — Dritter Teil: Der Dekalog — Das zweite Gebot
Abschnitt 36. Man kann nicht behaupten, dass diese Worte Eide allgemein und unter allen Umständen verurteilen, da wir bereits gesehen haben, dass die Apostel und unser Herr selbst häufig Gebrauch von ihnen machten. Das Anliegen unseres Herrn war vielmehr, die verkehrte Meinung der Juden zu tadeln, die sich eingeredet hatten, das Einzige, was bei einem Eid zu vermeiden sei, sei die Lüge. Daher zögerten sie bei den geringfügigsten und unwichtigsten Angelegenheiten nicht, häufig Eide zu gebrauchen und sie von anderen zu fordern. Diese Praxis verurteilt und verwirft der Erlöser und lehrt, dass ein Eid niemals geleistet werden soll, es sei denn, die Notwendigkeit erfordere es. Denn Eide sind wegen der menschlichen Schwäche eingeführt worden. Sie sind in Wahrheit die Frucht des Übels, da sie entweder ein Zeichen der Unbeständigkeit dessen sind, der sie leistet, oder der Hartnäckigkeit dessen, der ohne sie nicht glauben will. Ein Eid kann jedoch durch die Notwendigkeit gerechtfertigt werden.