Kapitel 20 — Zweiter Teil: Die Sakramente — Die Letzte Ölung
Abschnitt 33. Ein weiterer Vorzug der heiligen Salbung ist, dass sie die Seele von der Mattigkeit und Schwäche befreit, die sie sich durch die Sünden zugezogen hat, sowie von allen anderen Überresten der Sünde. Die günstigste Zeit für diese Heilung ist, wenn wir von schwerer Krankheit heimgesucht werden und Lebensgefahr droht; denn es ist dem Menschen von Natur eingepflanzt, keine menschliche Heimsuchung so sehr zu fürchten wie den Tod. Diese Furcht wird durch die Erinnerung an unsere vergangenen Sünden gewaltig gesteigert, besonders wenn unser Gewissen uns schwerer Vergehen anklagt; denn es steht geschrieben: Sie werden voll Furcht kommen beim Gedanken an ihre Sünden, und ihre Missetaten werden ihnen gegenübertreten, um sie zu überführen. Eine weitere Quelle heftiger Qual ist der bange Gedanke, dass wir bald darauf vor dem Richterstuhl Gottes stehen müssen, der über uns ein Urteil strengster Gerechtigkeit nach unseren Verdiensten fällen wird. Es geschieht oft, dass die Gläubigen, von diesem Schrecken ergriffen, sich tief erschüttert fühlen; und nichts trägt mehr zu einem ruhigen Tod bei, als die Traurigkeit zu verbannen, mit frohem Gemüt die Ankunft unseres Herrn zu erwarten und bereit zu sein, das anvertraute Gut willig zurückzugeben, wann immer es Sein Wille ist, es zurückzufordern. Den Geist der Gläubigen von dieser Besorgnis zu befreien und die Seele mit frommer und heiliger Freude zu erfüllen, ist also eine Wirkung des Sakramentes der Letzten Ölung.