Römischer Katechismus — Kapitel 2: Erster Teil: Das Glaubensbekenntnis — Einführung über den Glauben und das Glaubensbekenntnis

Kapitel 2: Erster Teil: Das Glaubensbekenntnis — Einführung über den Glauben und das Glaubensbekenntnis

Abschnitt 1. Der Glaube — Bei der Vorbereitung und Unterweisung der Menschen in den Lehren Christi, des Herrn, begannen die Väter damit, die Bedeutung des Glaubens zu erklären. Ihrem Beispiel folgend, haben wir es für gut befunden, zuerst das zu behandeln, was zu jener Tugend gehört.

Abschnitt 2. Obwohl das Wort Glaube in der Heiligen Schrift verschiedene Bedeutungen hat, sprechen wir hier nur von jenem Glauben, durch den wir allem, was göttlich geoffenbart worden ist, unsere volle Zustimmung geben.

Abschnitt 3. Die Notwendigkeit des Glaubens — Dass der so verstandene Glaube zum Heil notwendig ist, kann kein vernünftiger Mensch bezweifeln, zumal geschrieben steht: Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Denn da das dem Menschen als höchstes Glück vorgesetzte Ziel weit über die Reichweite des menschlichen Verstandes hinausgeht, war es notwendig, dass es ihm von Gott kundgetan werde. Diese Erkenntnis aber ist nichts anderes als der Glaube, durch den wir allem, was die Autorität unserer heiligen Mutter, der Kirche, uns als von Gott geoffenbart zu glauben lehrt, unsere vorbehaltlose Zustimmung geben; denn die Gläubigen können nicht an jenen Dingen zweifeln, deren Urheber Gott ist, der die Wahrheit selbst ist. Daher sehen wir den großen Unterschied, der zwischen diesem Glauben, den wir Gott schenken, und jenem besteht, den wir den Verfassern menschlicher Geschichte gewähren.

Abschnitt 4. Die Einheit des Glaubens — Der Glaube unterscheidet sich dem Grade nach; denn wir lesen in der Schrift die Worte: Du Kleinggläubiger, warum hast du gezweifelt? und: Groß ist dein Glaube; und: Mehre unseren Glauben. Er unterscheidet sich auch an Würde, denn wir lesen: Der Glaube ohne Werke ist tot; und: Der Glaube, der durch die Liebe wirkt. Aber obwohl der Glaube so umfassend ist, ist er doch der Art nach derselbe, und die volle Kraft seiner Bestimmung gilt gleichermaßen für alle seine Spielarten. Wie fruchtbar er ist und wie groß die Vorteile sind, die wir aus ihm ziehen können, werden wir bei der Erklärung der Glaubensartikel darlegen.

Abschnitt 5. Das Glaubensbekenntnis — Die Hauptwahrheiten nun, die die Christen festhalten sollen, sind jene, welche die heiligen Apostel, die Führer und Lehrer des Glaubens, vom Heiligen Geist eingegeben, in die zwölf Artikel des Glaubensbekenntnisses eingeteilt haben. Denn nachdem sie vom Herrn den Auftrag empfangen hatten, in die ganze Welt hinauszugehen als seine Gesandten und jeder Kreatur das Evangelium zu predigen, hielten sie es für ratsam, eine Formel des christlichen Glaubens aufzustellen, damit alle dasselbe denken und reden möchten und unter denen, die sie zur Einheit des Glaubens berufen hatten, keine Spaltungen bestünden, sondern sie vollkommen seien in derselben Gesinnung und im selben Urteil.

Abschnitt 6. Dieses Bekenntnis des christlichen Glaubens und der Hoffnung, das sie selbst aufstellten, nannten die Apostel ein Symbolum; sei es, weil es aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt wurde, deren jeden ein Apostel beitrug, oder weil sie dadurch, wie durch ein gemeinsames Zeichen und Losungswort, Überläufer des Glaubens und falsche Brüder, die unversehens eingedrungen waren und das Wort Gottes verfälschten, leicht von denen unterscheiden konnten, die sich wahrhaft durch einen Eid verpflichtet hatten, unter dem Banner Christi zu dienen.

Abschnitt 7. Die Einteilung des Glaubensbekenntnisses — Das Christentum legt den Gläubigen viele Wahrheiten vor, die entweder einzeln oder im Allgemeinen mit einem festen und sicheren Glauben festgehalten werden müssen. Unter diesen muss zuerst und notwendigerweise von allen geglaubt werden, was Gott selbst uns als Grundlage und Zusammenfassung der Wahrheit über die Einheit des göttlichen Wesens, die Unterscheidung der drei Personen und die Handlungen gelehrt hat, die jeder einzelnen besonders zugeschrieben werden. Der Seelsorger soll lehren, dass das Apostolische Glaubensbekenntnis die Lehre dieses Geheimnisses in Kürze umfasst.

Abschnitt 8. Denn, wie von unseren Vorgängern im Glauben, die diesen Gegenstand mit großer Frömmigkeit und Genauigkeit behandelt haben, bemerkt worden ist, scheint das Glaubensbekenntnis in drei Hauptteile gegliedert zu sein: einer beschreibt die erste Person der göttlichen Natur und das staunenswerte Werk der Schöpfung; ein anderer die zweite Person und das Geheimnis der Erlösung des Menschen; ein dritter die dritte Person, das Haupt und den Quell unserer Heiligung; das Ganze wird in verschiedenen und äußerst treffenden Sätzen ausgedrückt. Diese Sätze werden Artikel genannt, nach einem von den Vätern häufig gebrauchten Vergleich; denn wie die Glieder des Leibes durch Gelenke (articuli) geteilt werden, so wird in diesem Glaubensbekenntnis alles, was getrennt und gesondert von anderem geglaubt werden soll, zu Recht und passend ein Artikel genannt.