Heidelberger Katechismus — Kapitel 29: 29. Sonntag

Kapitel 29: 29. Sonntag

Abschnitt 75. Frage 75: Wie wirst du im heiligen Abendmahl erinnert und versichert, dass du an dem einigen Opfer Christi am Kreuz und allen seinen Gütern Gemeinschaft habest? Antwort: Also, dass Christus mir und allen Gläubigen von diesem gebrochenen Brot zu essen und von diesem Kelch zu trinken befohlen hat zu seinem Gedächtnis, und dabei verheissen: Erstlich, dass sein Leib so gewiss für mich am Kreuz geopfert und gebrochen und sein Blut für mich vergossen sei, als ich mit Augen sehe, dass das Brot des Herrn mir gebrochen und der Kelch mir mitgeteilet wird; und zum andern, dass er selbst meine Seele mit seinem gekreuzigten Leib und vergossenen Blut so gewiss zum ewigen Leben speiset und tränket, als ich aus der Hand des Dieners empfange und leiblich geniesse das Brot und den Kelch des Herrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibes und Blutes Christi gegeben werden.

Abschnitt 76. Frage 76: Was heisst, den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossenes Blut trinken? Antwort: Es heisst nicht allein, den ganzen Leidensgang und Sterben Christi mit gläubigem Herzen annehmen und dadurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen; sondern auch daneben durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wohnet, also mit seinem gebenedeiten Leibe je mehr und mehr vereiniget werden, dass, obgleich er im Himmel und wir auf Erden sind, wir dennoch Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Gebein sind und dass von einem Geist (gleichwie die Glieder unsers Leibes von einer Seele) ewig leben und regieret werden.

Abschnitt 77. Frage 77: Wo hat Christus verheissen, dass er die Gläubigen so gewiss mit seinem Leib und Blut speise und tränke, als sie von diesem gebrochenen Brot essen und von diesem Kelch trinken? Antwort: In der Einsetzung des Abendmahls, welche also lautet: Unser Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankete und brach es und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches tut zu meinem Gedächtnis. Desselbigengleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut; solches tut, so oft ihr es trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis dass er kommt. Diese Verheissung wird auch von dem heiligen Paulus wiederholt, da er spricht: Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist es, so sind wir viele ein Leib, dieweil wir alle eines Brotes teilhaftig sind.