Kapitel 3: Die Definition über die zwei Willen und zwei Wirkungsweisen
Abschnitt 5. Und wir verkünden gleichermaßen zwei natürliche Willensbestimmungen oder Willen in ihm und zwei natürliche Wirkprinzipien, die keine Teilung, keine Veränderung, keine Trennung, keine Vermischung erfahren, gemäß der Lehre der heiligen Väter. Und die zwei natürlichen Willen stehen nicht einander entgegen — das sei ferne! — wie die gottlosen Häretiker behaupten, sondern sein menschlicher Wille folgt, und zwar nicht als widerstrebend und widerwillig, sondern vielmehr als seinem göttlichen und allmächtigen Willen untergeordnet.
Abschnitt 6. Denn es war recht, dass das Fleisch bewegt, aber dem göttlichen Willen unterworfen sei, nach dem weisesten Athanasius. Denn wie sein Fleisch das Fleisch Gottes des Wortes genannt wird und ist, so wird auch der natürliche Wille seines Fleisches der eigene Wille Gottes des Wortes genannt und ist es, wie er selbst sagt: »Ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht damit ich meinen eigenen Willen tue, sondern den Willen des Vaters, der mich gesandt hat«; wobei er seinen eigenen Willen den Willen seines Fleisches nennt, insofern auch sein Fleisch sein eigen geworden ist.
Abschnitt 7. Denn wie sein heiligstes und makelloses beseeltes Fleisch nicht vernichtet wurde, weil es vergottet wurde, sondern in seinem eigenen Zustand und seiner eigenen Natur verblieb, so wurde auch sein menschlicher Wille, obgleich vergottet, nicht unterdrückt, sondern vielmehr bewahrt, gemäß dem Wort Gregors des Theologen: »Sein Wille, der Wille dessen, der als Erlöser gedacht wird, ist nicht Gott entgegengesetzt, sondern gänzlich vergottet.«
Abschnitt 8. Wir verherrlichen zwei natürliche Wirkungsweisen ungeteilt, unveränderlich, unvermischt und ungetrennt in demselben unserem Herrn Jesus Christus, unserem wahren Gott, nämlich eine göttliche Wirkungsweise und eine menschliche Wirkungsweise, gemäß dem göttlichen Verkünder Leo, der auf das Deutlichste versichert: »Denn jede Gestalt wirkt in Gemeinschaft mit der anderen, was ihr eigen ist: das Wort nämlich vollbringt, was dem Wort zukommt, und das Fleisch führt aus, was dem Fleisch zukommt.«
Abschnitt 9. Denn wir werden nicht eine einzige natürliche Wirkungsweise in Gott und im Geschöpf zulassen, ebenso wenig wie wir das Geschaffene zum göttlichen Wesen erheben noch die Herrlichkeit der göttlichen Natur an den dem Geschöpf zukommenden Ort herabziehen werden.
Abschnitt 10. Wir erkennen die Wunder und die Leiden als die einer und derselben Person an, aber der einen oder der anderen Natur, aus der er besteht und in der er sein Sein hat, wie Kyrill bewundernswürdig sagt.