Kapitel 4: Artikel XV–XVIII: Christus, Prädestination und Erlösung
Abschnitt 15. Artikel XV. Von Christus allein ohne Sünde. Christus war in der Wahrheit unserer Natur uns in allen Dingen gleich gemacht, die Sünde allein ausgenommen, von der er gänzlich frei war, sowohl in seinem Fleisch als auch in seinem Geist. Er kam, um das Lamm ohne Fehl zu sein, das durch sein einmaliges Opfer die Sünden der Welt hinwegnehmen sollte; und die Sünde, wie der heilige Johannes sagt, war nicht in ihm. Wir alle übrigen aber, obgleich getauft und in Christus wiedergeboren, sündigen dennoch in vielen Dingen; und wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Abschnitt 16. Artikel XVI. Von der Sünde nach der Taufe. Nicht jede Todsünde, die nach der Taufe willentlich begangen wird, ist Sünde wider den Heiligen Geist und unvergebbar. Daher ist denen, die nach der Taufe in Sünde fallen, die Möglichkeit der Buße nicht zu verweigern. Nachdem wir den Heiligen Geist empfangen haben, können wir von der gegebenen Gnade abfallen und in Sünde geraten, und durch die Gnade Gottes können wir wieder aufstehen und unser Leben bessern. Daher sind jene zu verurteilen, die sagen, sie könnten nicht mehr sündigen, solange sie hier leben, oder die denen, welche wahrhaft Buße tun, die Vergebung verweigern.
Abschnitt 17. Artikel XVII. Von der Prädestination und Erwählung. Die Prädestination zum Leben ist der ewige Ratschluss Gottes, wodurch er vor Grundlegung der Welt durch seinen uns verborgenen Beschluss beständig verordnet hat, diejenigen, die er in Christus aus dem Menschengeschlecht erwählt hat, von Fluch und Verdammnis zu befreien und sie durch Christus zur ewigen Seligkeit zu führen als Gefäße, gemacht zur Ehre. Daher werden die, welche mit einer so vortrefflichen Wohltat Gottes begabt sind, nach Gottes Vorsatz durch seinen Geist zur rechten Zeit berufen; sie gehorchen durch die Gnade der Berufung; sie werden umsonst gerechtfertigt; sie werden zu Söhnen Gottes durch Annahme an Kindes statt gemacht; sie werden dem Bilde des eingeborenen Sohnes Gottes, Jesus Christus, gleichgestaltet; sie wandeln in guten Werken gottselig und gelangen endlich durch Gottes Barmherzigkeit zur ewigen Seligkeit. Wie die gottgefällige Betrachtung der Prädestination und unserer Erwählung in Christus voll süßen, lieblichen und unaussprechlichen Trostes für die Frommen ist und für solche, die in sich das Wirken des Geistes Christi spüren, der die Werke des Fleisches und ihre irdischen Glieder abtötet und ihren Sinn zu den hohen und himmlischen Dingen emporhebt — sowohl weil er ihren Glauben an die ewige Seligkeit, die sie durch Christus genießen werden, kräftig bestärkt, als auch weil er ihre Liebe zu Gott inbrünstig entflammt — so ist es für vorwitzige und fleischlich gesinnte Menschen, denen der Geist Christi fehlt, das Urteil der göttlichen Prädestination beständig vor Augen zu haben, ein höchst gefährlicher Sturz, durch den der Teufel sie entweder in Verzweiflung oder in die Sorglosigkeit eines höchst unreinen Lebens stürzt, die nicht weniger verderblich ist als die Verzweiflung. Ferner müssen wir die Verheißungen Gottes so annehmen, wie sie uns in der Heiligen Schrift allgemein vorgelegt sind; und in unserem Tun ist dem Willen Gottes zu folgen, wie er uns im Worte Gottes ausdrücklich kundgetan ist.
Abschnitt 18. Artikel XVIII. Vom Erlangen der ewigen Seligkeit allein durch den Namen Christi. Auch diejenigen sind zu verfluchen, die sich erkühnen zu sagen, dass jeder Mensch durch das Gesetz oder die Sekte, zu der er sich bekennt, selig werde, wenn er nur eifrig bestrebt sei, sein Leben nach jenem Gesetz und dem Licht der Natur einzurichten. Denn die Heilige Schrift stellt uns allein den Namen Jesu Christi vor, durch den die Menschen selig werden müssen.