Kapitel 2: Artikel VI–VIII: Heilige Schrift und Bekenntnisse
Abschnitt 6. Artikel VI. Von der Hinlänglichkeit der Heiligen Schrift zur Seligkeit. Die Heilige Schrift enthält alles, was zur Seligkeit notwendig ist; daher darf von keinem Menschen verlangt werden, dass er etwas, das darin nicht gelesen oder daraus nicht bewiesen werden kann, als Glaubensartikel glaube oder als für die Seligkeit notwendig erachte. Unter dem Namen der Heiligen Schrift verstehen wir die kanonischen Bücher des Alten und Neuen Testaments, an deren Autorität in der Kirche niemals gezweifelt wurde. Namen und Zahl der kanonischen Bücher: Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium, Josua, Richter, Ruth, Das erste Buch Samuel, Das zweite Buch Samuel, Das erste Buch der Könige, Das zweite Buch der Könige, Das erste Buch der Chronik, Das zweite Buch der Chronik, Das erste Buch Esra, Das zweite Buch Esra, Das Buch Esther, Das Buch Hiob, Die Psalmen, Die Sprüche, Der Prediger, Das Hohelied Salomos, Vier große Propheten, Zwölf kleine Propheten. Die übrigen Bücher liest die Kirche, wie Hieronymus sagt, als Beispiele für das Leben und zur Unterweisung in den Sitten; doch wendet sie dieselben nicht zur Aufstellung einer Lehre an. Es sind folgende: Das dritte Buch Esra, Das vierte Buch Esra, Das Buch Tobias, Das Buch Judith, Der Rest des Buches Esther, Das Buch der Weisheit, Jesus Sirach, Der Prophet Baruch, Das Lied der drei Jünglinge, Die Geschichte der Susanna, Von Bel und dem Drachen, Das Gebet des Manasse, Das erste Buch der Makkabäer, Das zweite Buch der Makkabäer. Alle Bücher des Neuen Testaments, wie sie allgemein angenommen werden, nehmen auch wir an und erachten sie als kanonisch.
Abschnitt 7. Artikel VII. Vom Alten Testament. Das Alte Testament steht nicht im Widerspruch zum Neuen; denn sowohl im Alten als auch im Neuen Testament wird der Menschheit durch Christus das ewige Leben angeboten, der der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, da er zugleich Gott und Mensch ist. Darum soll man denen kein Gehör schenken, die vorgeben, die alten Väter hätten nur auf vergängliche Verheißungen gehofft. Obwohl das durch Mose von Gott gegebene Gesetz, soweit es Zeremonien und Riten betrifft, die Christen nicht bindet und auch seine bürgerlichen Vorschriften nicht notwendigerweise in irgendeinem Gemeinwesen aufgenommen werden müssen, so ist dennoch kein Christ von dem Gehorsam gegen jene Gebote befreit, die man die sittlichen nennt.
Abschnitt 8. Artikel VIII. Von den drei Glaubensbekenntnissen. Die drei Bekenntnisse — das Nizänische Glaubensbekenntnis, das Athanasianische Glaubensbekenntnis und das gemeinhin Apostolisches Glaubensbekenntnis genannte — sind gänzlich anzunehmen und zu glauben; denn sie können durch die zuverlässigsten Zeugnisse der Heiligen Schrift bewiesen werden.