Heidelberger Katechismus — Kapitel 45: 45. Sonntag

Kapitel 45: 45. Sonntag

Abschnitt 116. Frage 116: Warum ist den Christen das Gebet nötig? Antwort: Darum, weil es das vornehmste Stück der Dankbarkeit ist, welche Gott von uns fordert, und weil Gott seine Gnade und den Heiligen Geist allein denen will geben, die ihn mit herzlichem Seufzen ohne Unterlass darum bitten und ihm dafür danken.

Abschnitt 117. Frage 117: Was gehöret zu einem solchen Gebet, das Gott gefällig sei und von ihm erhöret werde? Antwort: Erstlich, dass wir allein den einigen wahren Gott, der sich uns in seinem Wort hat geoffenbaret, um alles, was er uns zu bitten befohlen hat, von Herzen anrufen. Zum andern, dass wir unsere Not und unser Elend recht gründlich erkennen, damit wir uns vor dem Angesicht seiner Majestät demütigen. Zum dritten, dass wir diesen festen Grund haben, dass er unser Gebet, unangesehen dass wir es unwürdig sind, doch um des Herrn Christi willen gewisslich wolle erhören, wie er uns in seinem Wort verheissen hat.

Abschnitt 118. Frage 118: Was hat uns Gott befohlen, von ihm zu bitten? Antwort: Alle geistliche und leibliche Notdurft, welche der Herr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selber gelehret hat.

Abschnitt 119. Frage 119: Wie lautet das Gebet des Herrn? Antwort: Unser Vater, der du bist im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.