Heidelberger Katechismus — Kapitel 30: 30. Sonntag

Kapitel 30: 30. Sonntag

Abschnitt 78. Frage 78: Wird denn aus Brot und Wein der wesentliche Leib und das Blut Christi? Antwort: Nein; sondern gleichwie das Wasser in der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt noch die Abwaschung der Sünden selbst ist, welcher es nur ein göttliches Wahrzeichen und Versicherung ist, also wird auch das Brot im Abendmahl nicht der Leib Christi selbst, wiewohl es nach Art und Brauch der Sakramente der Leib Christi genannt wird.

Abschnitt 79. Frage 79: Warum nennet denn Christus das Brot seinen Leib und den Kelch sein Blut, oder das Neue Testament in seinem Blut, und Paulus die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi? Antwort: Christus redet also nicht ohne grosse Ursache: nämlich nicht allein, dass er uns damit will lehren, dass gleichwie Brot und Wein das zeitliche Leben erhalten, also sei auch sein gekreuzigter Leib und sein vergossenes Blut die wahrhaftige Speise und Trank unserer Seelen zum ewigen Leben; sondern vielmehr, dass er uns durch dies sichtbare Zeichen und Pfand will versichern, dass wir so wahrhaftig seines wahren Leibes und Blutes durch Wirkung des Heiligen Geistes teilhaftig werden, als wir diese heiligen Wahrzeichen mit dem leiblichen Mund zu seinem Gedächtnis empfangen, und dass all sein Leiden und Gehorsam so gewiss unser eigen sei, als hätten wir selber in unserer eigenen Person alles gelitten und genug getan.

Abschnitt 80. Frage 80: Was ist für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe? Antwort: Das Abendmahl bezeuget uns, dass wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben durch das einige Opfer Jesu Christi, so er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat, und dass wir durch den Heiligen Geist Christo werden eingeleibet, der jetzt mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist und daselbst will angebetet werden. Die Messe aber lehret, dass die Lebendigen und die Toten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, dass Christus noch täglich für sie von den Messpfaffen geopfert werde, und dass Christus leiblich unter der Gestalt des Brots und Weins sei und derhalben darin soll angebetet werden. Und also ist die Messe im Grund nichts anderes denn eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei.

Abschnitt 81. Frage 81: Welche sollen zum Tisch des Herrn kommen? Antwort: Die sich selbst um ihrer Sünden willen missfallen und doch vertrauen, dass dieselben ihnen vergeben und die übrige Schwachheit mit dem Leiden und Sterben Christi bedeckt sei; die auch begehren, je mehr und mehr ihren Glauben zu stärken und ihr Leben zu bessern. Die Unbussfertigen aber und Heuchler essen und trinken sich selbst zum Gericht.

Abschnitt 82. Frage 82: Soll man aber zu diesem Abendmahl auch zugelassen werden, die sich mit ihrem Bekenntnis und Leben als Ungläubige und Gottlose erzeigen? Antwort: Nein; denn also wird der Bund Gottes gelästert und sein Zorn über die ganze Gemeinde gereizet. Darum ist die christliche Kirche schuldig, nach der Ordnung Christi und seiner Apostel, solche durch die Schlüssel des Himmelreichs auszuschliessen, bis sie Besserung ihres Lebens beweisen.