Baptistisches Bekenntnis von 1689 — Kapitel 8: Von Christus dem Mittler

Kapitel 8: Von Christus dem Mittler

Abschnitt 1. Es hat Gott in seinem ewigen Vorsatz gefallen, den Herrn Jesus, seinen eingeborenen Sohn, gemäß dem zwischen ihnen beiden geschlossenen Bund, zu erwählen und zu verordnen als den Mittler zwischen Gott und den Menschen; den Propheten, Priester und König; das Haupt und den Heiland der Gemeinde, den Erben aller Dinge und Richter der Welt; dem er von Ewigkeit her ein Volk gab, sein Same zu sein, und von ihm in der Zeit erlöst, berufen, gerechtfertigt, geheiligt und verherrlicht zu werden.

Abschnitt 2. Der Sohn Gottes, die zweite Person in der Heiligen Dreieinigkeit, wahrer und ewiger Gott, der Glanz der Herrlichkeit des Vaters, eines Wesens und gleich mit ihm, der die Welt gemacht hat, der alle Dinge, die er gemacht hat, erhält und regiert, hat, als die Fülle der Zeit gekommen war, die menschliche Natur auf sich genommen, mit allen wesentlichen Eigenschaften und allgemeinen Schwachheiten derselben, doch ohne Sünde; empfangen durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria, indem der Heilige Geist auf sie herabkam und die Kraft des Höchsten sie überschattete; und so wurde er von einer Frau aus dem Stamm Juda gemacht, aus dem Samen Abrahams und Davids gemäß den Schriften; so dass zwei ganze, vollkommene und verschiedene Naturen untrennbar in einer Person vereinigt wurden, ohne Verwandlung, Vermischung oder Verwirrung; welche Person wahrer Gott und wahrer Mensch ist, doch ein Christus, der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen.

Abschnitt 3. Der Herr Jesus, in seiner menschlichen Natur, die so mit der göttlichen in der Person des Sohnes vereinigt war, wurde über alle Maßen mit dem Heiligen Geist geheiligt und gesalbt und hatte in sich alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis; in ihm hat es dem Vater gefallen, dass alle Fülle wohne, damit er, heilig, unschuldig, unbefleckt und voll Gnade und Wahrheit, gründlich zugerüstet sei, das Amt des Mittlers und Bürgen auszuüben; welches Amt er nicht von sich selbst übernahm, sondern von seinem Vater dazu berufen wurde; der ihm auch alle Macht und alles Gericht in seine Hand gab und ihm gebot, dasselbe auszuüben.

Abschnitt 4. Dieses Amt hat der Herr Jesus höchst bereitwillig übernommen, und um es zu erfüllen, wurde er unter das Gesetz gestellt und erfüllte es vollkommen und erlitt die uns gebührende Strafe, die wir hätten tragen und erleiden müssen, da er zur Sünde und zum Fluch für uns gemacht wurde; er ertrug die schmerzlichsten Leiden in seiner Seele und die qualvollsten Schmerzen in seinem Leib; wurde gekreuzigt und starb und blieb im Zustand der Toten, sah aber keine Verwesung: am dritten Tag erstand er von den Toten mit demselben Leib, in dem er gelitten hatte, mit dem er auch in den Himmel auffuhr und dort zur Rechten seines Vaters sitzt, Fürbitte einlegt und wiederkommen wird, um Menschen und Engel am Ende der Welt zu richten.

Abschnitt 5. Der Herr Jesus hat durch seinen vollkommenen Gehorsam und die Aufopferung seiner selbst, die er durch den ewigen Geist einmal Gott darbrachte, der Gerechtigkeit Gottes völlig Genugtuung geleistet, Versöhnung erwirkt und ein ewiges Erbe im Himmelreich erworben für alle, die der Vater ihm gegeben hat.

Abschnitt 6. Obwohl der Preis der Erlösung von Christus nicht tatsächlich bezahlt wurde bis nach seiner Menschwerdung, so wurde doch die Kraft, Wirksamkeit und der Nutzen derselben den Erwählten in allen Zeitaltern nacheinander von Anfang der Welt an mitgeteilt, in und durch jene Verheißungen, Vorbilder und Opfer, in denen er offenbart und als der Same bezeichnet wurde, der der Schlange den Kopf zertreten sollte; und als das Lamm, geschlachtet von Grundlegung der Welt an, derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.

Abschnitt 7. Christus handelt im Werk der Mittlerschaft gemäß beiden Naturen, wobei jede Natur das tut, was ihr eigen ist; doch wegen der Einheit der Person wird das, was einer Natur eigen ist, in der Schrift bisweilen der Person zugeschrieben, die nach der anderen Natur benannt wird.

Abschnitt 8. Allen, für die Christus ewige Erlösung erworben hat, wendet er dieselbe gewiss und wirksam an und teilt sie mit, indem er für sie Fürbitte einlegt; sie durch seinen Geist mit sich vereinigt; ihnen in und durch sein Wort das Geheimnis der Errettung offenbart; sie überzeugt zu glauben und zu gehorchen; ihre Herzen durch sein Wort und seinen Geist regiert und alle ihre Feinde durch seine allmächtige Kraft und Weisheit überwindet, in solcher Weise und auf solchen Wegen, die seinem wunderbaren und unerforschlichen Walten am meisten entsprechen; und alles aus freier und unumschränkter Gnade, ohne irgendeine in ihnen vorhergesehene Bedingung, die es bewirken könnte.

Abschnitt 9. Das Amt des Mittlers zwischen Gott und den Menschen gebührt allein Christus, der der Prophet, Priester und König der Gemeinde Gottes ist; und es darf weder ganz noch teilweise von ihm auf irgendeinen anderen übertragen werden.

Abschnitt 10. Diese Zahl und Ordnung der Ämter ist notwendig; denn in Anbetracht unserer Unwissenheit bedürfen wir seines prophetischen Amtes; und in Anbetracht unserer Entfremdung von Gott und der Unvollkommenheit unserer besten Dienste bedürfen wir seines priesterlichen Amtes, um uns zu versöhnen und Gott wohlgefällig darzustellen; und in Anbetracht unserer Abneigung und gänzlichen Unfähigkeit, zu Gott zurückzukehren, und zu unserer Rettung und Sicherheit vor unseren geistlichen Widersachern bedürfen wir seines königlichen Amtes, um uns zu überzeugen, zu unterwerfen, zu ziehen, zu erhalten, zu befreien und für sein himmlisches Reich zu bewahren.