Augsburger Bekenntnis — Kapitel 26: Artikel XXVI: Vom Unterschied der Speisen

Kapitel 26: Artikel XXVI: Vom Unterschied der Speisen

Abschnitt 1. Man hat vorzeiten auch in Predigten so gelehret von Unterschied der Speisen und dergleichen Traditionen, von Menschen eingesetzt, dass man dadurch Gnade verdiene und für Sünde genug tue. Aus dem Grunde hat man täglich neue Fasten, neue Zeremonien, neue Orden und dergleichen erdacht und hat auf solche Dinge heftig und eng gedrungen, als seien solche Dinge nötige Gottesdienste, dass man dadurch Gnade verdiene; und es falle grosse Sünde vor, wo man solches unterlasse. Daraus sind viele schädliche Irrtümer in der Kirche gefolget. Erstlich dadurch ist die Gnade Christi und die Lehre vom Glauben verdunkelt, welche uns das Evangelium mit grossem Ernst vorhält und treibet, dass man das Verdienst Christi hoch und teuer achte und wisse, dass der Glaube an Christum hoch und weit über alle Werke zu setzen sei. Darum hat Paulus heftig wider das Gesetz Mosis und menschliche Traditionen gestritten, dass wir lernen sollen, dass wir vor Gott nicht fromm werden aus unsern Werken, sondern allein durch den Glauben an Christum; und Gnade erlangen, wenn wir glauben, dass wir um Christi willen in Gnade empfangen werden, und nicht durch äusserliche Werke und Gottesdienste, von Menschen erdacht.